Politik

Baden-Württemberg setzt auf KI-System in der Verwaltung

Vielleicht kann Künstliche Intelligenz ein Befreiungsschlag für die vielerorts heillos überforderten und unterbesetzten deutschen Ämter sein. Als erstes Bundesland wird nun Baden-Würtemberg ein KI-System in der Verwaltung einsetzen, um die Beschäftigten zu entlasten. Die KI namens „F13“ wurde vom Startup Aleph Alpha entwickelt, dessen Geschäftsmodell zuletzt jedoch angezweifelt wurde.
25.07.2024 13:43
Aktualisiert: 25.07.2024 14:13
Lesezeit: 2 min
Baden-Württemberg setzt auf KI-System in der Verwaltung
Das neue KI-Assistenzsystem "F13" der Firma Alepha Alpha zur Entlastung in der öffentlichen Verwaltung wird bei einer Präsentation vorgestellt. (Foto: dpa) Foto: Bernd Weißbrod

Baden-Württemberg wird als erstes Bundesland in Deutschland ein KI-System nutzen, um die Beamten signifikant zu entlasten. Außerdem soll die Nutzung der Verwaltungsdienstleistungen für die Bürgerinnen und Bürger erleichtert werden. Das System F13 wurde vor allem von dem Heidelberger KI-Start-up Aleph Alpha entwickelt. Es soll von September an auch von anderen öffentlichen Verwaltungen in Deutschland genutzt werden können, kündigte der Verein GovTech Campus Deutschland an.

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) sagte, mit F13 könnten Dokumente schneller analysiert, Anträge automatisch verarbeitet und komplexe Daten effizient ausgewertet werden. Wichtig sei, dass die verwendeten KI-Technologien ethischen Grundsätzen entsprächen. „Wir setzen hier nicht auf China, auch nicht auf Amerika, sondern wir finden hier unseren eigenen europäischen Weg.“

F13-System wird in Deutschland gehostet und soll mit Verwaltungsdokumenten lernen

Das Angebot wird auf Rechnern in Deutschland betrieben, damit sensible Daten nicht nach Übersee fließen, sondern im Inland verarbeitet werden. Dienstleister beim Hosting ist die Firma STACKIT, die zum Handels- und IT-Konzern Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) gehört. Die Schwarz-Gruppe hatte im vergangenen November zusammen mit dem Risikokapitalgeber Innovation Park Artificial Intelligence (IPAI) und dem Bosch-Konzern eine Investition von 500 Millionen Euro in Aleph Alpha angekündigt.

Jonas Andrulis, CEO und Gründer von Aleph Alpha, sagte, F13 löse das Versprechen souveräner KI konsequent ein. „Bürger können auf Erfüllung höchster Datenschutzstandards und Experten der öffentlichen Hand bundesweit auf nachvollziehbare Ergebnisse setzen, die ihre Fachkompetenz effizient ergänzen und so mehr Zeit für die Anliegen der Menschen ermöglichen.“

Das System wurde zunächst mit öffentlich zugänglichen Daten wie Landtagsdrucksachen und Pressemitteilungen trainiert. Künftig soll F13 aber auch von internen Dokumenten aus der Verwaltung lernen.

„KI-Technologie lässt sich für Verwaltung anpassen“

Staatsminister Florian Stegmann (Grüne), Chef der Staatskanzlei Baden-Württemberg, betonte, das System biete den Beschäftigten in der Verwaltung einen ganz konkreten Mehrwert. „F13 war ein Weckruf. Nach dem Hype um den Chatroboter ChatGPT von OpenAI haben wir gezeigt: KI-Technologie lässt sich für die Verwaltung anpassen.“

Die Euphorie rund um Aleph Alpha hatte sich zuletzt stark abgekühlt, auch weil bekannt wurde, dass das Unternehmen im vergangenen Jahr nur knapp eine Million Euro Umsatz erzielt hat. Kritiker des Start-ups wiesen außerdem darauf hin, dass die zugesagte Finanzierungsrunde nicht auf einen Rutsch erfolgt sei, sondern von den 500 Millionen Euro zunächst nur 100 Millionen Euro geflossen seien.

Andrulis sagte in Heilbronn, man habe diese Details der Finanzierung kommuniziert. Diese seien auch von einzelnen Medien aufgegriffen und richtig berichtet worden. Er räumte ein, dass man dies besser hätte erklären können und fügte hinzu: „Genauso wie unsere Technologie ist auch unsere Finanzierung komplex.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Ökonomen halten KI-Crash für wahrscheinlich: Wo Anleger am Markt Schutz suchen können
26.08.2026

Es wird immer schwieriger, ein Portfolio gegen KI zu diversifizieren, sagen Experten. Sie erklären, wie man sich am besten gegen...

DWN
Politik
Politik „Europa ist schwach“: Patrick Collison und Mario Draghi schließen sich mit neuem Think Tank zusammen – Polen ist nicht dabei
26.08.2026

Stripe-Mitgründer Patrick Collison und der frühere EZB-Präsident Mario Draghi wollen Europas wirtschaftliche Schwäche bekämpfen. Mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Exklusiv-Interview zu Freyja: Fire-Point-Chefin erklärt die Patriot-Alternative aus der Ukraine
26.08.2026

Nach dem ersten DWN-Bericht über Freyja spricht Fire-Point-Chefin Iryna Terekh nun exklusiv über das ukrainische Rüstungsprojekt. Mit...

DWN
Politik
Politik Sozialhilfe-Ausgaben explodieren: Pflegekosten wachsen stärker als Grundsicherung
26.08.2026

Die Ausgaben für Sozialhilfe sind 2025 in Deutschland um 6,1 Prozent gestiegen. Besonders stark legten die Kosten für die Hilfe zur...

DWN
Finanzen
Finanzen 21,4 Milliarden Euro: Neuer Höchstwert bei Erbschaft- und Schenkungsteuer
26.08.2026

Die festgesetzte Erbschaft- und Schenkungsteuer in Deutschland erreicht einen Rekordwert. Was steckt hinter dem starken Anstieg im...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktien 2026: Nvidia, SAP und Co. sind laut Experten noch zu günstig
26.08.2026

Der KI-Boom hat viele Technologieaktien teuer gemacht. Doch ausgerechnet jetzt sieht Morningstar bei zwölf bekannten Unternehmen noch...

DWN
Finanzen
Finanzen Droneshield-Aktie bricht zweistellig ein: Hohe Verluste überschatten starkes Umsatzwachstum
26.08.2026

DroneShield wächst kräftig, schreibt jedoch hohe Verluste und gerät zugleich ins Visier der australischen Finanzaufsicht. Der...

DWN
Politik
Politik Neue Zuckersteuer: Aufpreis war auch für Zero-Getränke und Hafermilch angedacht
26.08.2026

Die geplante Zuckersteuer soll Verbraucher offiziell von stark zuckerhaltigen Getränken abhalten. Doch künftig sollten auch Hafermilch...