Wirtschaft

IG Metall: Kündigungswelle bei Porsche-Batterietochter Cellforce droht

Bei der Porsche-Tochter Cellforce stehen zahlreichen Mitarbeitern nach Angaben der Gewerkschaft IG Metall Kündigungen bevor. Die Schreiben sollen demnach im Laufe dieser Woche verschickt werden und die Entlassungen zum 30. November wirksam werden. Gewerkschaftsvertreter berichteten, dass die Information bereits bei einer Betriebsversammlung bekannt gegeben wurde.
25.08.2025 14:07
Aktualisiert: 25.08.2025 14:17
Lesezeit: 2 min

Wie bereits in der vergangenen Woche bekannt wurde, hatte Porsche bei der zuständigen Arbeitsagentur zuvor eine Massenentlassung angezeigt. Nach dpa-Informationen sind ungefähr 200 der gut 280 Beschäftigten betroffen.

„Mitten in der Urlaubszeit sollen nahezu alle Beschäftigten rausgeschmissen und die Batteriezellfertigung in Kirchentellinsfurt beendet werden. Das ist kein guter Stil“, sagte Lamparter. Bislang gebe es zum Beispiel keine Informationen zu Abfindungen. Die Mitarbeiter seien wütend und sichtlich betroffen.

Cellforce soll sich künftig auf die Forschung und Entwicklung fokussieren, wie der Stuttgarter Sportwagenbauer mitteilte. Die bisherigen Pläne zum Ausbau der Produktion von Hochleistungsbatterien würden nicht weiterverfolgt. Der damit verbundene Personalabbau werde sozialverträglich begleitet.

Dazu, wie viele Mitarbeiter betroffen sind, machte Porsche keine Angaben. Bereits Ende April hatte die Konzerntochter von Volkswagen mitgeteilt, dass man Cellforce nicht eigenständig weiterführen wolle. Zuletzt wurde nach Investoren gesucht.

Vorstand: Geschäftsmodell ist nicht wirtschaftlich

Der Vorstand für Forschung und Entwicklung, Michael Steiner, teilte mit: „Leider hat sich der Markt für elektrische Fahrzeuge weltweit nicht so entwickelt wie ursprünglich angenommen. Die Rahmenbedingungen haben sich grundlegend verändert, und wir müssen darauf reagieren“. Man bedauere diesen Schritt. Am Ende habe man aber feststellen müssen, dass das geplante Geschäftsmodell wirtschaftlich nicht darstellbar gewesen sei.

Die ursprüngliche Idee war demnach, die Produktion in Kirchentellinsfurt bei Tübingen als „Anlauffabrik“ zu starten. Später sollte ein zweiter Standort mit deutlich mehr Kapazität hinzukommen. Das sei heute nicht mehr realistisch, wird Steiner in der Mittelung zitiert. Cellforce habe die Hochleistungszellen erfolgreich entwickelt und die Pilotfertigung aufgebaut. Aufgrund der weltweit fehlenden Nachfrage sei eine Vergrößerung jedoch nicht möglich.

Porsche wollte Elektro-Vorreiter werden

Porsche hatte den Einstieg in die Fertigung von Hochleistungs-Batteriezellen im Sommer 2021 angekündigt. Die Ansiedlung wurde mit Steuergeldern von Bund und Land gefördert. Ein Großteil der Summe von etwa 56 Millionen Euro wurde nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums ausbezahlt. Ob Porsche das Geld zurückzahlen muss, ist noch nicht bekannt.



Für Porsche ist das ein einschneidender Schritt. Vorstandschef Oliver Blume, der auch VW führt, wollte den Sportwagenhersteller zum Elektro-Vorreiter mit eigener Batteriefertigung aufmotzen. Der Wandel zur E-Mobilität läuft aber deutlich langsamer als erwartet. Porsche investiert daher auch wieder in neue Verbrennungsmotoren. Die Abschreibungen auf die Produktionsanlagen der Cellforce kosten Porsche Medienberichten zufolge 295 Millionen Euro.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Immobilienmakler für Kitzbühel – Hotel und Gewerbeimmobilien verkaufen mit Experten

Der Verkauf von Hotels und Gewerbeimmobilien in Kitzbühel stellt besondere Anforderungen an Eigentümer und Makler. Ein erfahrener...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Eli Lilly-Aktie: Neues Supermedikament gegen Adipositas
20.08.2026

Eli Lilly dürfte bald ein neues Supermedikament gegen Adipositas auf den Markt bringen. "Eine solche Gewichtsreduktion hat man noch nie...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bankrun in Russland: Warum Bürger ihre Konten leeren
20.08.2026

Ein Bankrun in Russland ist für den Kreml ein Warnsignal. Viele Bürger heben panikartig ihr Bargeld ab. Ökonomen warnen zugleich vor...

DWN
Unternehmen
Unternehmen MG4 Urban im Test: Fast "Das Auto", nur aus China
20.08.2026

Als SAIC Motor das Modell MG4 vorstellte, wurde es sofort zu einem der begehrtesten in China gebauten Elektroautos. Autojournalisten...

DWN
Finanzen
Finanzen Euro-Stablecoins: Wie Europa die Kontrolle über seine Währung verlieren könnte
20.08.2026

Der Euro ist die zweitwichtigste Währung der Welt, doch in der digitalen Finanzwelt spielt er bislang kaum eine Rolle. Während nahezu...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Gewinnmitnahmen nach Zweimonatshoch
20.08.2026

Der Goldpreis hat binnen kurzer Zeit deutlich an Wert gewonnen, doch am Donnerstag legt das gelbe Edelmetall eine Verschnaufpause ein....

DWN
Finanzen
Finanzen JD Sports-Aktie stürzt ab: Gewinnwarnung und Filialabbau belasten – Branche leidet mit
20.08.2026

JD Sports senkt sein Gewinnziel und enttäuscht vor allem in Nordamerika. Gleichzeitig verschwinden immer mehr deutsche Filialen. Der...

DWN
Technologie
Technologie Weltmarkt für E-Lkw wächst rasant – Infrastruktur bleibt Engpass
20.08.2026

Eine halbe Million verkaufte E-Lkw und E-Busse markieren einen neuen Meilenstein für die Verkehrswende. Während China den Weltmarkt...

DWN
Finanzen
Finanzen Criteo-Aktie: Übernahmewette für Mutige oder unkalkulierbares Risiko?
20.08.2026

Die Criteo-Aktie führt vor Augen, welche Chancen Sondersituationen für Anleger bieten können. Doch gerade bei vermeintlich klaren Deals...