Technologie

X im Datenschutz-Sturm: KI-Training ohne Einwilligung

Die Datenschutz-Organisation Noyb hat in acht EU-Ländern Beschwerden eingereicht, da X seinen KI-Chatbot Grok ungefragt mit Nutzerbeiträgen trainiert. Die irische Datenschutzbehörde hat bereits Klage erhoben.
12.08.2024 17:00
Lesezeit: 2 min

Die europäische Datenschutz-Organisation Noyb hat in acht EU-Ländern Beschwerden gegen Elon Musks Online-Plattform X eingereicht. Bei den „Dringlichkeitsverfahren“ im Rahmen der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) im Auftrag von betroffenen EU-Bürgern geht es um den X-Chatbot Grok, dessen Künstliche Intelligenz standardmäßig mit Beiträgen von Nutzern trainiert wird.

Da die X-Nutzer über die Verwendung ihrer Daten für das KI-Training nicht vorab informiert und um Erlaubnis gefragt wurden, hatte die für den Twitter-Nachfolger X in Europa zuständige irische Datenschutzbehörde DPC bereits am vergangenen Dienstag eine Klage gegen das Netzwerk erhoben. Diese geht dem Datenschutz-Verein Noyb allerdings nicht weit genug, weil die Klage sich nur mit Nebenaspekten des Falls beschäftige.

Max Schrems, der Vorsitzende von Noyb, sagte: „Unternehmen, die direkt mit Nutzern interagieren, müssen ihnen einfach eine Ja/Nein-Abfrage stellen, bevor sie ihre Daten verwenden. Sie tun dies regelmäßig für viele andere Dinge, also wäre es definitiv auch für KI-Training möglich.“

Dringlichkeit geboten

In Anbetracht der Tatsache, dass X bereits damit begonnen habe, die Daten von Personen für seine KI-Technologie zu verarbeiten, habe Noyb ein „Dringlichkeitsverfahren“ gemäß Artikel 66 DSGVO in Österreich, Belgien, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Niederlande und Spanien beantragt. Diese Vorschrift erlaube es den Datenschutzbehörden, in solchen Situationen vorläufige Anordnungen zu treffen und eine EU-weite Entscheidung über den Europäischen Datenschutzausschuss zu treffen.

Die ungefragte Nutzung der X-Daten und die geänderte Datenschutz-Einstellungen waren vor zwei Wochen dem X-Nutzer @EasyBakedOven aufgefallen. Dabei war das Häkchen bei der Erlaubnis für Grok, neben direkten Interaktionen mit dem Chatbot auch öffentliche X-Beiträge zu verwenden, für alle automatisch gesetzt.

Die Einstellung kann nur in der Web-Version von X verändert werden, in der Smartphone-App wird sie aktuell gar nicht angezeigt. Das solle sich bald ändern, kündigte X an.

Meta schob Pläne auf - X setzt sie um

Der Facebook-Konzern Meta hatte im Juni auf Druck der irischen Datenschützer seine Pläne, öffentliche Beiträge von Nutzern in Europa zum Training seiner KI-Modelle zu verwenden, auf unbestimmte Zeit aufgeschoben. Zuvor war kritisiert worden, dass Meta keine ausdrückliche Einwilligung der Nutzer vorsah, sondern lediglich die Möglichkeit, der Verwendung der Daten zu widersprechen. X geht nun so vor, wie Meta es vorhatte.

Grok soll mit anderen KI-Chatbots wie dem Vorreiter ChatGPT der Firma OpenAI oder Claude von Anthropic konkurrieren. Die Software wird nicht direkt bei X entwickelt, sondern der Firma xAI, die ebenfalls Musk gehört. Er kaufte Twitter im Herbst 2022 für rund 44 Milliarden Dollar und benannte den Dienst in X um.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Warum Deon Markets in der Krypto-Landschaft herausragt

In der dynamischen Welt der Kryptowährungen hebt sich Deon Markets deutlich ab. Diese Plattform bietet mehr als nur den Handel mit...

DWN
Politik
Politik "Chatkontrolle" durch die Hintertür? Plötzliches Eilverfahren im EU-Parlament
08.07.2026

Die Bürger der EU lehnen die Chatkontrolle ab, auch das EU-Parlament. Plötzlich bringt EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola kurz vor...

DWN
Finanzen
Finanzen Übernahmepoker: Unicredit nähert sich Mehrheit bei Commerzbank
08.07.2026

Die Unicredit hat mit Ablauf ihres Übernahmeangebots ihren Anteil an der Commerzbank weiter aufgestockt. Eine Mehrheit an den Dax-Konzern...

DWN
Finanzen
Finanzen ETF und Aktien handeln mithilfe künstlicher Intelligenz? Wo Chancen und Risiken liegen
08.07.2026

Tatsächlich nutzen heute viele Privatpersonen KI-Chatbots auch als Hilfe beim Investieren. Deshalb haben wir untersucht, worin der wahre...

DWN
Technologie
Technologie KI-Agenten: Produktivitätssprung oder neue interne Bedrohung?
08.07.2026

Durch künstliche Intelligenz unterstützte Agenten versprechen weniger Routinearbeit und schnellere Prozesse, doch sobald sie Zugriff auf...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis: Warum Anleger der Erholung nicht trauen sollten
08.07.2026

Gold hat sich Anfang Juli kurz zurückgemeldet, doch der Absturz sitzt tief: Höhere US-Zinsen, ein starker Dollar und nervöse ETF-Anleger...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Auto-Aktien: Warum Europas Autobauer plötzlich Ramschpreise haben
08.07.2026

Europas Autobauer galten lange als industrielle Machtzentren. Jetzt stürzen ihre Aktien auf Mehrjahrestiefs, China bricht weg, Margen...

DWN
Politik
Politik Ukraine-Krieg: Warum Putin jetzt die Kontrolle verliert
08.07.2026

Putin räumt erstmals öffentlich ein, dass der Ukraine-Krieg Russland schwer trifft. Doch hinter Benzinmangel, Drohnenangriffen und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Waffenruhe bröckelt: Angriffe und Sanktionen stellen Iran-Abkommen auf die Probe
08.07.2026

Washington macht Teheran für erneute Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus verantwortlich - und kontert mit Sanktionen und neuen...