Politik

Ukraine-Krieg: Selenskyj setzt gegen Russland jetzt auf neue selbst entwickelte Waffensysteme

Der ukrainische Präsident Selenskyj macht dem Land nach den schweren russischen Luftangriffen Hoffnung: Neben erfolgreichen Tests einer eigenen ballistischen Rakete wurde auch eine neue Kampfdrohne vorgestellt. Die neuen Abwehrwaffen sollen die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine signifikant erhöhen.
28.08.2024 08:00
Lesezeit: 3 min

Nach zwei Tagen verheerender russischer Luftangriffe auf die Ukraine macht Präsident Wolodymyr Selenskyj seiner Bevölkerung Hoffnung auf eigene Abwehrwaffen. Die Ukraine habe erfolgreich eine selbst entwickelte ballistische Rakete getestet, sagte Selenskyj in Kiew. Er gratulierte der ukrainischen Rüstungsindustrie zu dem Erfolg, nannte aber keine Einzelheiten.

Vor einigen Tagen hatte Selenskyj einen anderen ukrainischen Eigenbau vorgestellt, die Kampfdrohne Paljanytsja mit Jet-Antrieb. Bei der Feuerkraft weitreichender Waffen ist die Ukraine Russland weit unterlegen.

Das jüngste russische Bombardement kostete nach ukrainischen Behördenangaben mindestens fünf Menschen das Leben. Zwei Menschen starben durch einen Raketentreffer auf ein Hotel in Krywyj Rih. Nach Drohnenangriffen auf Saporischschja wurde erst von zwei, dann von drei Toten berichtet. „Wir werden unzweifelhaft Russland auf diese und alle anderen Attacken antworten“, schrieb Selenskyj im sozialen Netzwerk X.

Tausende Ukrainer suchen Schutz in der U-Bahn

Wegen des nächtlichen Luftalarms flüchteten nach Medienberichten 52.000 Menschen in Kiew in U-Bahnhöfe, die als Bunker dienen. Herabstürzende Trümmer lösten am östlichen Stadtrand der Millionenstadt Grasbrände aus. Alle Objekte im Anflug auf Kiew seien abgeschossen worden, teilte die Militärverwaltung des Kiewer Umlands mit. Treffer und Schäden gab es nach regionalen Behördenangaben in den Gebieten Sumy, Charkiw, Donezk, Cherson und Chmelnyzkyj.

Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe konnten 5 russische Marschflugkörper und 60 von 81 eingesetzten Drohnen abgefangen werden. Drei Hyperschallraketen Kinschal (Dolch) und zwei Raketen des Typs Iskander wurden nicht getroffen. Die Militärzahlen sind nicht im Detail überprüfbar, vermitteln aber einen Überblick über das Ausmaß des Angriffs.

Die Attacke richtete sich nach Einschätzung von Beobachtern erneut vor allem gegen das Energiesystem der Ukraine. Am Montag hatte Russland einen Angriff mit 127 Raketen und Marschflugkörper sowie mehr als 100 Kampfdrohnen gegen die Ukraine geflogen. Das war die höchste vom ukrainischen Militär gemeldete Zahl in zweieinhalb Jahren Krieg.

Neue Angriffswelle: Stoltenberg beruft Nato-Ukraine-Rat ein

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg beruft auf Bitten der Ukraine hin eine Sitzung des Nato-Ukraine-Rats ein. Bei dem Treffen an diesem Mittwoch wird es nach Angaben von Bündnissprecherin Farah Dakhlallah um die Lage auf dem Schlachtfeld und die wichtigsten militärischen Bedürfnisse des von Russland angegriffenen Landes gehen. Der ukrainische Verteidigungsminister Rustem Umerow soll per Video an den Beratungen auf Botschafterebene teilnehmen. Als Hintergrund des Treffens nannte die Nato-Sprecherin die jüngsten schweren Angriffswellen Russlands auf ukrainische Infrastruktur und Zivilisten.

Selenskyj: Dialog mit Putin ist sinnlos

Selenskyj bekräftigte unterdessen die Sinnlosigkeit eines Dialogs mit Kremlchef Wladimir Putin unter den gegebenen Umständen. „Die Welt wartet, dass die Ukraine einen Kompromissplan vorlegt, wie sie den Krieg morgen beenden kann“, sagte er in Kiew. „Es ist nicht so, dass es keine Kompromisse mit Putin gibt, aber mit Putin ist der Dialog heute leer, bedeutungslos, weil er den Krieg nicht diplomatisch beenden will.“ Putin sei zwar zu diplomatischen Verhandlungen bereit, doch wolle er 30 Prozent der Ukraine behalten. „Und da werden wir mit ihm nicht mitspielen“, betonte Selenskyj.

Bei der Abwehr der schweren russischen Angriffe von Montag und Dienstagmorgen sind laut Selenskyj auch die vom Westen gelieferten Kampfjets F-16 eingesetzt worden. Zugleich drängte der ukrainische Präsident weiter darauf, dass westliche Partner Beschränkungen für den Einsatz der gelieferten Waffen gegen Militärziele in Russland aufheben.

Die ukrainische Armee hat nach Angaben ihres Oberbefehlshabers Olexander Syrskyj seit Beginn ihres Vorstoßes in das russische Gebiet Kursk knapp 600 Kriegsgefangene gemacht. Die Ukraine habe damit ihren Fonds für den Austausch von Gefangenen erheblich aufgefüllt, sagte der General bei der Konferenz in Kiew. Nach drei Wochen beherrschten seine Truppen auf russischem Gebiet 100 Ortschaften und knapp 1.300 Quadratkilometer Fläche. Militärbeobachter gehen davon aus, dass das Gebiet nicht ganz so groß ist.

Kursk-Offensive ist „Teil eines Siegesplans“

Die im Moment laufende ukrainische Offensive in der russischen Region Kursk sei Teil dieses Siegesplans, erklärte Selenskyj nach Medienberichten in Kiew. Den Vorstoß in das russische Gebiet bezeichnete er demnach als Erfolg. Die Offensive stehe in Zusammenhang mit einem zweiten Friedensgipfel, den die Ukraine nach der Premiere im Juni in der Schweiz abhalten will.

Bei dem Plan geht es Selenskyj zufolge etwa um den strategischen Platz der Ukraine in der Sicherheitsinfrastruktur der Welt. Details nannte er nicht. Allerdings hat immer wieder erklärt, das Land zu einem der größten Waffenproduzenten der Welt machen zu wollen.

Zur Abwehr des ukrainischen Vorstoßes habe Russland mittlerweile fast 30.000 Soldaten in die Region Kursk geschickt, und es würden noch mehr, sagte Syrskyj. Insofern gehe der Plan auf, dass Moskau Truppen nach dort verlegen müsse. Allerdings haben sich allen Berichten zufolge die russischen Angriffe gerade im Gebiet Donezk nicht verlangsamt, wo die ukrainische Armee schwer unter Druck ist.

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