Politik

AfD verliert Sperrminorität in Sachsen: Wahlergebnis wegen angeblichem Softwarefehler korrigiert

Das Ergebnis der sächsischen Landtagswahl wurde korrigiert. Die Wahlleitung spricht von einem Softwarefehler. Die neue angepasste Sitzverteilung hat vor allem für die AfD gravierende Konsequenzen.
02.09.2024 12:15
Aktualisiert: 02.09.2024 12:15
Lesezeit: 2 min

Das Ergebnis der sächsischen Landtagswahl wurde korrigiert. Aufgrund eines Softwarefehlers sei eine falsche Sitzverteilung veröffentlicht worden, teilte die Landeswahlleitung mit. Demnach bekommen die Grünen und die SPD je einen Sitz mehr, die CDU und die AfD je einen Sitz weniger als zunächst angegeben.

Durch die Neuberechnung verliert die AfD die sogenannte Sperrminorität in dem Bundesland. Die bisherige Koalition von CDU, Grünen und SPD hat allerdings trotz der Veränderung weiterhin keine Mehrheit im neuen Landtag.

AfD verliert Sperrminorität

Sperrminorität bedeutet, dass eine Partei mehr als ein Drittel der Mandate im Landtag hat. Sie kann in diesem Fall bestimmte Landesgesetze, die mit einer Zweidrittelmehrheit aller Abgeordneter entschieden werden, verhindern. In Sachsen werden wie auch in anderen Bundesländern etwa Verfassungsrichter und die Spitze des Landesrechnungshofs mit Zweidrittelmehrheit aller Parlamentarier gewählt. Bestimmte Posten hätten dann also ohne AfD-Zustimmung nicht nachbesetzt werden können. Zudem hätte sie etwa verhindern können, dass der Landtag sich selbst auflöst.

Der sächsische AfD-Generalsekretär Jan Zwerg nahm die Neuberechnung gelassen zur Kenntnis. Seine Partei wolle die Berechnungsgrundlage intern überprüfen. Landesparteichef Jörg Urban betonte, dass ihm vor allem die Frage der Neuverschuldung am Herzen liege. So müsste der Landtag bestimmte Kreditaufnahmen mit Zwei-Drittel-Mehrheit beschließen. Zudem kündigte er an, mit den neuen Mehrheiten im Landtag einen Untersuchungsausschuss zu Corona und der Mittelvergabe für Asylpolitik einzusetzen zu wollen.

Korrigierte Sitzverteilung im sächsischen Landtag

Nach dem korrigierten Ergebnis kommt die CDU auf 41 Mandate, die AfD auf 40. Das BSW hat 15 Sitze, die SPD 10, die Grünen 7. Die Linke hat 6 Mandate, die freien Wähler einen 1 Sitz. Im sächsischen Landtag gibt es insgesamt 120 Sitze.

Die CDU kam nach dem vorläufigen Ergebnis auf 31,9 Prozent (2019: 32,1 Prozent). Die AfD liegt mit 30,6 Prozent (27,5) knapp dahinter. Das BSW erreichte aus dem Stand 11,8 Prozent. Die SPD landete bei 7,3 Prozent (7,7). Die Linke rutschte dramatisch ab auf 4,5 Prozent (10,4). Die Grünen bekamen 5,1 Prozent (8,6). Die FDP verpasste mit nur 0,9 Prozent (4,5) erneut den Einzug in den Landtag - wie schon bei den vergangenen zwei Landtagswahlen.

Landeswahlleitung: Software hat zuvor einwandfrei funktioniert

„Aufgrund von Hinweisen haben wir die Berechnung überprüft, den Fehler festgestellt und die Sitzzuteilung manuell nachgerechnet“, hieß es auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die Landeswahlleitung berief sich auf einen Softwarefehler. 2023 wurde das Wahlgesetz geändert. Seitdem kommt eine spezielle Software für die Berechnung der Sitzverteilung zum Einsatz. Diese sei im Vorfeld intensiv getestet worden.

Bei der Kommunalwahl am 9. Juni habe diese fehlerfrei funktioniert. Auch bei Wahltests zur Landtagswahl sei kein Fehler aufgetreten. Der IT-Dienstleister arbeite an der Analyse und Behebung des Fehlers.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rüstungsboom statt Autokrise: Mittelstand drängt in die Wehrtechnik
22.10.2026

Deutschlands Wehretat knackt die 100-Milliarden-Euro-Marke und treibt den industriellen Strukturwandel voran. Weil das klassische...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft SpaceX mit Milliardengewinn: Elon Musk plant die größte Fusion aller Zeiten
22.10.2026

Elon Musk meldet einen Milliardengewinn bei SpaceX und denkt bereits über den nächsten historischen Schritt nach. Eine Fusion mit Tesla...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Verbrenner-Aus in der EU: Lockerung nimmt erste Hürden im Europaparlament
22.10.2026

Das geplante Verbrenner-Aus könnte weniger strikt ausfallen als bislang vorgesehen. Im Europaparlament haben sich erste Ausschüsse für...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mittelschicht in Deutschland: Ab welchem Einkommen Sie wirklich dazugehören
22.10.2026

Viele Deutsche halten sich für durchschnittliche Verdiener, obwohl sie längst zu den oberen Einkommensgruppen gehören. Eine neue Studie...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Barclays streicht 5.000 Stellen: KI soll Produktivität erhöhen
22.10.2026

Die britische Großbank Barclays baut Tausende Arbeitsplätze ab. Ein Teil der Einsparungen wird ausdrücklich mit höherer Effizienz durch...

DWN
Finanzen
Finanzen Investor Felix: Ich überlege schon, mein Portfolio für Weihnachten einzukaufen
22.10.2026

Seit längerer Zeit beobachte ich einen bestimmten Sektor und warte geduldig auf den richtigen Zeitpunkt zum Kaufen. Vielleicht ist er...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin vs. Gold: Zwei Antworten auf das Misstrauen ins Geldsystem
22.10.2026

Gold oder Bitcoin – was schützt Vermögen besser, wenn Märkte unter Druck geraten? Der Vergleich zeigt, warum beide auf dieselben...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Investitionsflaute im Mittelstand: Jeder dritte Betrieb verschiebt Projekte
22.10.2026

Deutschlands Mittelstand hält sich bei Investitionen weiter zurück. Nur 40 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen setzten 2025...