Immobilien

Firmen vernachlässigen ihr betriebliches Immobilien-Management – das Resultat: ein Kosten-Schock!

Betriebliches Immobilienmanagement oder Corporate Real Estate Management (CREM) ist ein Unternehmens-Bereich, in dem gesetzliche Vorgaben eingehalten werden müssen, um eine Immobilie erfolgreich zu verwalten. Wird dieser Bereich vernachlässigt, zum Beispiel wenn Kündigungsfristen versäumt werden oder vertragliche Vermieter-Instandhaltungsverpflichtungen nicht eingehalten werden, kann es teuer werden. Eine Expertin gibt Tipps!
03.09.2024 06:05
Lesezeit: 3 min
Firmen vernachlässigen ihr betriebliches Immobilien-Management – das Resultat: ein Kosten-Schock!
Wie gehen deutsche Unternehmen mit ihrem Immobilienmanagement um? (Foto: dpa) Foto: Aleksandr Khakimullin

Wenn betriebliches Immobilienmanagement oder „Corporate Real Estate Management“ (CREM) von Firmen vernachlässigt oder ignoriert wird, drohen hohe Kosten. Für viele deutsche Unternehmen liegt das Kerngeschäft nicht im Immobiliensektor – daher ist das Bewusstsein für die Bedeutung von CREM gering. Das „Know-how“ für ihr eigenes Immobilienmanagement ist oft nicht ausreichend.

„Noch viel Potential nach oben“

Laut Jeanette Kuhnert, Vizepräsidentin des Immobilienverbands Deutschland (IVD) haben deutsche Firmen in den letzten Jahren die zunehmende Bedeutung von CREM zwar erkannt, „allerdings gibt es noch viel Potential nach oben.“ Kuhnert erklärt: „Insbesondere Unternehmen, die keine eigenen Immobilien besitzen, sondern Flächen anmieten, haben häufig keine eigene Abteilung für CREM.“

Das Vertragsmanagement läuft dann über die Geschäftsführung, die häufig nicht ausreichend Zeit dafür hat, oder als Sonderprojekt - beispielsweise im Personalwesen.

Laut Kuhnert reicht es jedoch nicht, CREM „so nebenbei“ zu machen. Sie betont: „Natürlich liegt die Priorität der Unternehmen auf ihrem Kerngeschäft. Es ist aber wichtig zu begreifen, dass Immobilienmanagement ein Ausbildungsberuf ist und viele gesetzliche Vorgaben erlernt und eingehalten werden wollen, um eine Immobilie erfolgreich zu verwalten.“

Was ist eigentlich Corporate Real Estate Management?

Der Begriff „Corporate Real Estate Management“ bezieht sich auf den Immobilienverwaltungsprozess von Unternehmen, deren Kerngeschäft nicht in der Immobilienbranche liegt. Der praktische CREM-Inhalt beschreibt „den zumeist internen Prozess der Verwaltung der selbstgenutzten oder gemieteten Unternehmensimmobilien", so Kuhnert.

Diese Verwaltung umfasst:

  • Die Planung des Flächenbedarfs und die Standortsuche.
  • Die Instandhaltung, Renovierung und Modernisierung der Immobile und das Controlling der Nebenkostenentwicklung.
  • Das Management der Mietvertragsdaten (Miethöhe, Laufzeiten, Verlängerungen) und mehr.

Unterschied: Mietflächen und eigene Unternehmensimmobilien der Firma

Mietflächen: Mieter und Verwalter vergessen oft, einen Mietvertrag zu verlängern. Laut Kuhnert ist dies eigentlich etwas Positives, denn es zeigt, dass das Mietverhältnis stressfrei läuft. Doch sie fügt hinzu; „Allerdings bietet eine solche Situation beiden Vertragsparteien keine längerfristige Sicherheit. Denn wird eine Immobilie verkauft, dann werden als erstes die Mietverträge geprüft. Bietet eine Neuvermietung dann die Chance auf eine höhere Miete, flattert schnell mal die Kündigung ins Haus.“

Die folgenden Faktoren sind auch wichtig:

  • Die Überwachung von Wertsicherungsklauseln
  • Die Prüfung der Nebenkostenabrechnungen auf Richtigkeit und
  • Die laufende Instandhaltung der Mietfläche gemäß den Pflichten aus dem Mietvertrag.

Kuhnert betont, dass Unternehmen mit CREM die Möglichkeit haben, Kosten zu sparen, weil sie ihre Rechte und Pflichten im Rahmen des Mietverhältnisses kennen und daher proaktiv handeln können.

Unternehmensimmobilien: Hier bietet das Controlling von verbrauchsabhängigen Ressourcen großes Einsparpotential:

  • Wenn man in der Firma zum Beispiel regelmäßig vergisst, dass Licht auszuschalten, lohnt es sich, den Einbau von Bewegungsmeldern zu prüfen.
  • Künftig werden alle größeren Unternehmen mit immer strengeren ESG-Berichtsanforderungen für die von ihnen genutzten Immobilien konfrontiert sein - wie die Verbesserung der CO2-Bilanz von Gebäuden durch die Umsetzung nachhaltiger Energiekonzepte oder Abfallentsorgungs- und Reinigungsstrategien.
  • Auch soziale Aspekte, wie die Verbesserung der Qualität der Mitarbeiter-Gesundheit, werden zunehmend an Bedeutung in den ESG-Berichtsanforderungen gewinnen.

Wann wird Immobilien-Management für Firmen teuer?

Teuer kann es werden, wenn zum Beispiel Kündigungsfristen für Immobilien versäumt werden und sich dadurch ein Vertrag über eine eigentlich nicht mehr benötigte Mietfläche um weitere Monate oder Jahre verlängert.

Auch sollten vertraglich vereinbarte Instandhaltungsverpflichtungen des Mieters, wie die Wartung von Feuerlöschern, Klimaanlagen und anderes sollten eingehalten werden. Wenn der Mieter diese Verpflichtungen nicht erfüllt und die Anlage außer Betrieb ist, kann dies viel kosten.

Was sollte beim CREM regelmäßig getan werden?

Für Immobilien, die von Unternehmen als Anlagevermögen gehalten werden, ist daher ein mehrjähriger Instandhaltungsplan (Dach, Fenster, Heizung) einschließlich der Berechnung der regelmäßigen Instandhaltungskosten (Streichen, Teppich auswechseln, Küchenerneuerung) erforderlich. Die laufende Wartung der Immobilie ist auch extrem wichtig.

Wird all das vernachlässigt, gibt es einen Kosten-Schock!

Tipps für Unternehmen!

Eine standardisierte Checkliste gibt es allein deswegen nicht, weil sich jede Immobilie und jeder Unternehmensablauf unterscheidet, so Kuhnert. Stattdessen rät sie: „Es lohnt sich mit Sicherheit für größere Unternehmen, einen Immobilienberater ins Haus kommen zu lassen und einen Maßnahmenplan zu erarbeiten. Wenn man das CREM-Management nicht im eigenen Unternehmen abbilden möchte, kann damit eine Immobilienverwaltung beauftragt werden.

Die Verwaltung benötigt einen festen Ansprechpartner in der Firma, wird aber je nach Vertragsgestaltung viele Verpflichtungen vom Eigentümer übernehmen. Je nach Größe und Umfang des Immobilienbestands sollte entweder eine Immobilienverwaltung (kleinere bis mittlere Bestände) oder ein Asset Manager (mittlere bis große Bestände) beauftragt werden.

Wie in vielen anderen Bereichen auch, gilt der Rat: Lieber klein als gar nicht anfangen. Wenn wenn Sie Ihr CREM in Ihrer Firma vernachlässigt haben, korrigieren Sie dies möglichst schnell – zunächst einmal in kleinen Schritten. Denn Nichtstun kostet Geld!

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Unternehmen
Unternehmen Brady macht Schluss mit Kabeln im Industrie-Etikettendruck

Industrie-Kennzeichnung galt lange als stationär, schwer und kabelgebunden. Brady bringt nun einen Hybrid-Drucker auf den Markt, der...

Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

DWN
Politik
Politik Friedenssignale aus Teheran: Warum Trump den Iran-Krieg kaum als Sieg verkaufen kann
07.05.2026

Die Märkte setzen auf Entspannung im Iran-Konflikt, doch Trump steht vor einer politischen Niederlage und die Zukunft der Straße von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rohstoffmärkte unter Druck: Was den Kupferpreis jetzt bewegt
07.05.2026

Der Kupferpreis steht im Zentrum neuer Machtverschiebungen an den Rohstoffmärkten. Wie stark kann KGHM davon profitieren, wenn Geopolitik,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Effizienz-Schock bei DeepL: Kölner KI-Aushängeschild entlässt 250 Mitarbeiter
07.05.2026

Das Kölner Vorzeige-Startup DeepL galt lange als die deutsche Antwort auf das Silicon Valley. Doch trotz technischer Erfolge zieht das...

DWN
Politik
Politik Energiewende-Pläne: Umweltminister Schneider stoppt Entwurf von Reiche
07.05.2026

Im Streit um die Energiewende zeigt sich die Bundesregierung tief gespalten. Umweltminister Carsten Schneider (SPD) lehnte die Pläne von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kraftwerksgesetz: Kartellamt warnt vor Einschränkung des Wettbewerbs
07.05.2026

Das Kartellamt äußert massive Kritik am geplanten Kraftwerksgesetz (StromVKG) des Wirtschaftsministeriums. Laut einer aktuellen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Warsteiner Brauerei: Konzern schließt Standorte und bündelt Bierproduktion
07.05.2026

Die Warsteiner Brauerei (Haus Cramer Gruppe) reagiert auf den sinkenden Bierkonsum in Deutschland mit einem drastischen Kapazitätsabbau....

DWN
Technologie
Technologie KI-Gesetz der EU: Neues Verbot für Missbrauch-Deepfakes beschlossen
07.05.2026

Die EU verschärft das KI-Gesetz und verbietet künftig sexualisierte Deepfakes sowie KI-Inhalte, die Kindesmissbrauch darstellen....

DWN
Finanzen
Finanzen Knorr-Bremse Aktie: Profitabilität steigt deutlich – Kurs legt nach Quartalszahlen zu
07.05.2026

Die Knorr-Bremse Aktie steht bei Anlegern heute hoch im Kurs: Trotz eines schwierigen Marktumfelds im Nutzfahrzeugsektor konnte der...