Wirtschaft

Dramatischer Einbruch bei Wärmepumpen – Hersteller bauen Stellen ab

Wärmepumpen sollten nach den Vorstellungen von Wirtschaftsminister Habeck die große Lösung bei der Abkehr von fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien beim Heizen sein. Der dramatische Einbruch bei der Nachfrage führt jetzt aber dazu, dass die Hersteller mittlerweile Stellen abbauen.
21.09.2024 11:01
Lesezeit: 2 min
Dramatischer Einbruch bei Wärmepumpen – Hersteller bauen Stellen ab
In Deutschland sind Wärmepumpen teurer als in anderen Ländern, und auch die Stromkosten sind hier höher. (Foto: dpa) Foto: Martin Schutt

Mit der Wärmepumpentechnologie sollte nach den Vorstellungen von Wirtschaftsminister Habeck eine Zukunftsbranche entstehen, die Arbeitsplätze schafft und eine moderne, weitgehend emissionsfreie Heiztechnik etabliert werden, die mit dem sogenannten grünen Strom idealerweise aus hauseigenen Photovoltaikanlagen betrieben werden sollte.

Bis 2023 war das Projekt auch erfolgreich – Nachfrage und auch Absatz lagen auf Rekordniveau und stiegen fortlaufend. Aber der Umkehrtrend kündigte sich schon an, obwohl die Absatzzahlen weiter stiegen, brach die Produktion stark ein.

Enttäuschende Absatzzahlen im 1. Halbjahr 2024

Die Bundesregierung hatte sich zum Ziel gesetzt, jedes Jahr ab 2024 500.000 neu installierte Wärmepumpen melden zu können. Die Bilanz des ersten Halbjahres 2024 sah allerdings ernüchternd aus. Gerade einmal 90.000 Wärmepumpen wurden abgesetzt, was ein Minus von 54 Prozent zum Vorjahr bedeutet.

Das Institut für angewandte Ökologie sieht hierfür gleich mehrere Gründe. Zum einen wurde im Herbst 2023 eine vielversprechende Förderung für die Umrüstung auf Wärmepumpen angekündigt, die viele Hausbesitzer abgewartet haben und deshalb bislang keine Anträge gestellt haben. Private Hausbesitzer können erst seit Februar 2023 einen Förderantrag stellen. Für Wohnungseigentümergemeinschaften und Vermieter ist dies erst seit kurzem möglich.

Auch die Diskussionen um das neue Heizungsgesetz und eine Reihe von Falschmeldungen über die Leistungsfähigkeit von Wärmepumpen habe zur Zurückhaltung geführt.

Wärmepumpenhersteller in der Krise

Zwar gibt sich die Firma Enpal als Hersteller von Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen weiterhin optimistisch und sieht nach wie vor ein starkes Interesse an der Wärmepumpe, bei Wettbewerbern sieht die Lage aber ganz anders aus. Die Klimatechnik Sparte von Bosch hat einen starken Einbruch der Nachfrage nach Wärmepumpen seit dem Jahreswechsel eingeräumt, Stiebel Eltron und Vaillant haben ebenfalls mit massiven Absatzeinbrüchen zu kämpfen und planen Stellenstreichungen im dreistelligen Bereich.

Negative und positive Aspekte für die Zukunft der Wärmepumpe in Deutschland

Der Wärmewandel durch die Wärmepumpe wird auch noch durch weitere Probleme behindert. Wärmepumpen sind in Deutschland teurer als in anderen Ländern und auch die Strompreise liegen höher. Auch müssen Gebäude mit einer schlechten Energieeffizienz vor der Inbetriebnahme einer Wärmepumpe saniert und gedämmt werden.

Bei Enpal hingegen steigen die Nachfragezahlen bereits wieder und die Kapazitäten werden schon wieder nach oben geschraubt. Auch fürchtet man keine chinesische Konkurrenz. Die Zusammenarbeit mit den heimischen Partnern funktioniere sehr gut. Außerdem sei der Heizungskauf auch Vertrauenssache, bei dem man sich auf Fachleute vor Ort verlassen will. Die Zusammenarbeit zwischen Produzenten und Handwerk sei in Deutschland gut eingespielt, da hätten chinesische Anbieter wenig Chancen, dazwischenzufunken.

Wir werden abwarten müssen, wie sich die Trends der vergangenen Jahre mittel- bis langfristig entwickeln werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Politik
Politik Neuordnung Pflegeversicherung beschlossen: Regierung bringt Pflegereform auf den Weg
30.09.2026

Die Bundesregierung gibt nach langem Ringen von Union und SPD grünes Licht für die geplante Pflegereform. Das Kabinett beschließt den...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Immobilienberatung: ChatGPT wählt einen Immobilienkredit – sinnvoll oder nicht?
30.09.2026

Ein Wohnungskauf für rund 803.000 Euro, eine hohe Eigenleistung und der Wunsch nach Kindern: Kann ChatGPT bei der Wahl des passenden...

DWN
Finanzen
Finanzen LPKF-Aktie bricht nach Prognosesenkung ein: Verzögerte Aufträge belasten Ausblick
30.09.2026

Die LPKF-Aktie ist am Mittwoch kräftig unter Druck geraten. Der Laserspezialist hat seine Prognose für 2026 deutlich gesenkt, weil sich...

DWN
Politik
Politik Russland erhöht Militärausgaben um 27 Prozent. Putin: Krieg mit Europa wäre kurz
30.09.2026

Medwedew spricht von Angriffen auf deutsche Fabriken. Russland beschlagnahmt deutsches Vermögen. Russische Fluggeräte sorgen an der...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Kurs aktuell: Rally verliert an Schwung vor US-Inflationsdaten
30.09.2026

Der Bitcoin-Kurs hält sich am Mittwochmorgen über 83.000 US-Dollar, doch unter der Oberfläche verliert die jüngste Rally an Kraft....

DWN
Unternehmen
Unternehmen 1627 gegründet: Traditionsbrauerei Wolters wird geschlossen
30.09.2026

Das Brauerei-Sterben geht weiter: Die Wolters-Brauerei in Braunschweig schließt die Tore. Für die Produktionsstätte mit 90 Mitarbeitern...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Steigende Kerosin-Kosten: Lufthansa-Chef erwartet noch höhere Ticketpreise
30.09.2026

Nicht nur den Autofahrern machen die gestiegenen Ölpreise an den Tankstellen zu schaffen. Auch die Lufthansa muss mehr Geld für Kerosin...

DWN
Politik
Politik Bildungsnotstand: Protestwelle an Frankreichs Schulen weitet sich aus
30.09.2026

Fehlende Mittel, zu wenig Lehrkräfte, heruntergekommene Gebäude: An mehr als 300 Gymnasien in Frankreich gibt es Proteste gegen schlechte...