Politik

Konflikt im Libanon: 100 Tote und über 400 Verletzte durch israelische Angriffe

Israels Luftangriffe im Libanon fordern laut Gesundheitsministerium mindestens 100 Tote und 400 Verletzte, darunter Kinder und Sanitäter. Die Gewalt zwischen Israel und der Hisbollah eskaliert weiter.
23.09.2024 19:02
Lesezeit: 2 min

Bei israelischen Luftangriffen im Libanon sind nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums mindestens 100 Menschen getötet und mehr als 400 verletzt worden. Unter den Opfern seien auch Kinder und Sanitäter. Es ist die höchste Zahl an Toten und Verletzten im Südlibanon seit Beginn der kriegsähnlichen Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Hisbollah vor bald einem Jahr. Zunächst war von mindestens 50 Toten und mehr als 300 Verletzten die Rede gewesen.

Israels Armee hatte die Angriffe im Nachbarland in den vergangenen Tagen bereits ausgeweitet. Auch dabei gab es Tote und Verletzte. Die Armee ist Fragen, ob auch eine Bodenoffensive des Militärs möglich sei, bisher ausgewichen. Bei einem Einmarsch israelischer Truppen im Libanon wäre eine noch größere Beteiligung verbündeter Milizen der Hisbollah in der Region oder des Irans nicht ausgeschlossen. Allein am Montag meldete das israelische Militär mehr als 300 Angriffe auf Hisbollah-Ziele.

Die Hisbollah und Israel liefern sich seit bald einem Jahr fast täglichen Beschuss. Dabei wurden mehr als 500 Hisbollah-Kämpfer, zwei Dutzend Zivilisten im Libanon sowie 48 Soldaten und Zivilisten in Israel getötet. Zudem mussten 150.000 Menschen auf beiden Seiten der Grenze ihre Wohnorte verlassen. Die kriegsähnlichen Auseinandersetzung hat sich nach der Explosion Tausender Kommunikationsgeräte im Libanon sowie einem israelischen Angriff auf die Hisbollah-Führung nahe Beirut mit mehr als 50 Toten, darunter auch Zivilisten, in der vergangenen Woche noch einmal verstärkt.

Die Hisbollah ist heute deutlich stärker bewaffnet als im Krieg vor 20 Jahren

Israel und die Hisbollah haben bereits 1982 und 2006 Krieg gegeneinander geführt. Die vom Iran unterstützte Miliz ist heute deutlich stärker bewaffnet als während des Kriegs vor fast 20 Jahren. Sie handelt nach eigener Darstellung aus Solidarität mit der islamistischen Hamas, die im Gazastreifen gegen Israel kämpft. Hisbollah und Hamas werden vom Iran unterstützt.

Israels Armee hat die Zahl seiner Angriffe in Gaza zuletzt verringert und konzentriert sich zunehmend auf die Hisbollah. Israel will erreichen, dass sich die Miliz wieder hinter den 30 Kilometer von der Grenze entfernten Litani-Fluss zurückzieht - so wie es die UN-Resolution 1701 vorsieht, die das Kriegsende 2006 markierte. Der Resolution zufolge darf die Hisbollah entlang der Grenze gar nicht präsent sein. Dies wird aber weder von der UN-Beobachtermission noch von der libanesischen Armee durchgesetzt. Israel hat die Rückkehr seiner Anwohner in ihre Wohnorte im Norden zu einem der Ziele im Gaza-Krieg erklärt.

Die Hisbollah ist nach mehreren Angriffen geschwächt und hat zuletzt die schwersten Schläge seit Jahrzehnten erlitten. Insgesamt habe die Hisbollah binnen knapp eines Jahres mehr als 8800 Raketen und Drohnen auf israelisches Gebiet gefeuert, erklärte das israelische Militär. Vor Beginn der Hisbollah-Angriffe am 8. Oktober 2023 lagen die Schätzungen des Hisbollah-Arsenals bei 150.000 Raketen, Drohnen und Marschflugkörpern.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Festkörperbatterien lassen auf sich warten – könnte die Halbfestkörper-Technologie zur Brückentechnologie der Energiespeicherung werden?

Die Batteriewirtschaft befindet sich derzeit in einer bemerkenswerten Übergangsphase. Während nahezu alle großen Hersteller langfristig...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Panorama
Panorama 250 Jahre USA: Sieben verblüffende Fakten aus der US-Geschichte
28.06.2026

Die Geschichte der Vereinigten Staaten ist voller großer Momente – und kleiner Kuriositäten. Manche davon wirken fast unglaublich,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen 100 Jahre Mercedes-Benz: Eine der wertvollsten Marken weltweit – wohin geht die Reise?
28.06.2026

Kaum ein deutsches Unternehmen besitzt weltweit eine ähnlich starke Strahlkraft wie Mercedes-Benz. Der Stern steht für Prestige, Technik...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Wayve-Gründer Kendall: In 20 Sekunden zu mehr als einer Milliarde Dollar
28.06.2026

Der Mitbegründer des Unternehmens Wayve versucht, ein Auto zu entwickeln, das das Fahren ähnlich wie ein Mensch erlernt – durch...

DWN
Finanzen
Finanzen IPO-Fieber: Warum SpaceX, Anthropic und OpenAI Anleger blenden könnten
27.06.2026

SpaceX, OpenAI und Anthropic stehen für die neue Börsenfantasie der KI-Ära. Doch die Rekordbewertungen erinnern an frühere Exzesse, in...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft CISPA: Finanzieren deutsche Steuerzahler Chinas Cyberwissen?
27.06.2026

Ein deutsches Vorzeigezentrum für Cyber-Sicherheit gerät unter Druck. Die Handelsblatt-Recherche zu China-Kontakten am CISPA trifft einen...

DWN
Finanzen
Finanzen Reisekostenabrechnung: Unternehmen sparen am Hotel – und übersehen den eigentlichen Kostenblock
27.06.2026

Viele Unternehmen sparen sichtbar bei Geschäftsreisen – und verlieren Geld an unsichtbarer Stelle. Denn der eigentliche Kostenblock...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zeekr 7X im Test: Würden Sie für diesen Chinesen Ihr deutsches Auto opfern?
27.06.2026

Der Zeekr 7X Privilege AWD ist kein höflicher Hinweis aus China, sondern eine Kampfansage an BMW, Mercedes, Porsche und Audi. Für 64.000...

DWN
Politik
Politik Brexit-Bilanz nach einem Jahrzehnt: Was vom großen Versprechen geblieben ist
27.06.2026

Der Brexit sollte Großbritannien mehr Kontrolle, Wohlstand und politische Freiheit bringen. Ein Jahrzehnt später prägen jedoch Streit,...