Unternehmen

Agrarhändler Baywa steht mehrjährige Sanierung bevor

Die Baywa steckt in einer tiefen Krise. Die Gesundung wird voraussichtlich Jahre dauern.
24.09.2024 17:30
Lesezeit: 1 min

Dem hoch verschuldeten Baywa-Konzern steht eine mehrjährige Sanierung bevor. Eine schnelle Gesundung des Münchner Traditionsunternehmens ist offensichtlich nicht zu erwarten. Das geht aus einer Börsenpflichtmitteilung der Baywa hervor. Die Gutachter der Unternehmensberatung Roland Berger kommen im ersten Entwurf ihrer Empfehlungen zu dem Ergebnis, dass die Baywa "unter bestimmten Voraussetzungen saniert und mittelfristig ihre operative Wettbewerbs- und Renditefähigkeit wieder hergestellt werden kann". Voraussetzung der Sanierung ist demnach eine mehrjährige Restrukturierung.

Sparpaket und Verkleinerung

Dies beinhaltet «zahlreiche operative Einsparmaßnahmen» und den Verkauf einzelner Geschäftsbereiche. Vorstandschef Marcus Pöllinger hatte bereits auf der Hauptversammlung im Juni einen sozialverträglichen Stellenabbau angekündigt. Weltweit beschäftigt der Konzern gut 25 000 Mitarbeiter, Hauptgeschäftsfeld ist der Agrarhandel. Welche Unternehmensteile verkauft werden können beziehungsweise sollen, teilte das Unternehmen nicht mit. Es heißt, die Baywa würde gern ihren Mehrheitsanteil an der Ökostromtochter Baywa r.e. an den Schweizer Mitgesellschafter EIP veräußern. Vom Unternehmen bestätigt ist das nicht.

Der Vorstand geht laut Mitteilung davon aus, dass die Verhandlungen über das Sanierungskonzept mit den kreditgebenden Banken und anderen maßgeblichen Beteiligten erfolgreich abgeschlossen werden können. Ungewiss ist bisher, ob auch personelle Konsequenzen im Baywa-Vorstand folgen werden.

Schuldenberg drückt

Die Baywa leidet unter einem Schuldenberg von mehr als fünf Milliarden Euro lang- und kurzfristiger Finanzverbindlichkeiten. Gleichzeitig hat die schwache Weltkonjunktur alle Geschäftsbereiche des Unternehmens getroffen. Vor zwei Wochen setzte das Unternehmen den auf Sanierungen von Krisenunternehmen spezialisierten Berater Michael Baur als Generalbevollmächtigten ein.

Gläubigerbanken und Hauptaktionäre hatten den Konzern Mitte August mit einer kurzfristigen Finanzspritze von mehr als einer halben Milliarde Euro gestützt. Den Großteil des Hilfspakets machen Kredite in Höhe von zusammen knapp 400 Millionen Euro aus. Notwendig ist jedoch ein längerfristiges Programm. Unter anderem läuft im September 2025 ein Konsortialkredit mit einem Rahmen von bis zu zwei Milliarden Euro aus.

An der Frankfurter Börse jedenfalls folgte der Mitteilung des Unternehmens ein Kurssprung: Die Baywa-Aktien legten bis zum frühen Nachmittag um über 15 Prozent auf an die 12,70 Euro zu. Innerhalb der vergangenen zwölf Monate aber haben die Baywa-Papiere gut 60 Prozent ihres Werts verloren.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Der wachsende Trend zu flexiblen Konsumausgaben bei deutschen Verbrauchern

Deutsche Haushalte verändern ihr Ausgabeverhalten grundlegend. Wo früher feste Sparpläne und monatliche Budgets den Alltag bestimmten,...

 

DWN
Technologie
Technologie Elon Musk und die KI: Wer regiert bald die Welt?
13.08.2026

Elon Musk warnt vor KI, Bürgerkrieg und dem Aufstieg neuer Supermächte – doch zugleich verkörpert er selbst die beispiellose Macht der...

DWN
Politik
Politik NATO-Reform: Saluschnyj erklärt das mächtigste Militärbündnis der Welt für überholt
13.08.2026

Die Ukraine wollte jahrelang von der NATO lernen. Nun erklärt ihr früherer Oberbefehlshaber das Bündnis für militärisch überholt und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Trockenheit kostet Landwirte 600 Millionen Euro
13.08.2026

Die Dürre hinterlässt auf deutschen Feldern deutliche Spuren: Millionen Tonnen Getreide und Raps sind bereits verloren. Für Verbraucher...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Aktien unter Druck: Milliardenverlust zeigt die verborgene Gefahr
13.08.2026

Ein gefeierter Tech-Investor setzte mit gewaltigem Hebel auf KI-Aktien und verlor innerhalb weniger Wochen rund 35 Milliarden US-Dollar....

DWN
Politik
Politik Rentensplitting statt Witwenrente: Steht die Hinterbliebenenrente vor dem Aus?
13.08.2026

Im Rahmen der Rentenreform steht plötzlich auch die Witwenrente zur Diskussion. Ein Expertenvorschlag: Ein verpflichtendes Rentensplitting...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volvo ES90 im Test: Ein guter Grund, den Deutschen Lebewohl zu sagen?
13.08.2026

Der Volvo ES90 ist kein Elektroauto für Käufer, die möglichst günstig in die Premiumklasse einsteigen wollen. Doch wer Komfort,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Experten warnen: Pleitewelle hält bis mindestens 2027 an
13.08.2026

Seit Monaten steigt die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland. Daran dürfte sich so schnell nichts ändern, obwohl jüngste...

DWN
Politik
Politik Neue "Eisseidenstraße" nach Europa: Warum Reedereien Chinas Abkürzung meiden
13.08.2026

China eröffnet eine regelmäßige Arktisroute, die Transporte zwischen Asien und Europa erheblich beschleunigen könnte. Doch europäische...