Unternehmen

„Reine Profitgier“: Kritik an Entlassungs-Plänen von Coca-Cola

Coca-Cola will mehr als 500 Arbeitsplätze in Deutschland abbauen. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) wirft dem Konzern „reine Profitgier“ vor – auf Kosten der Mitarbeiter.
02.10.2024 14:00
Lesezeit: 2 min
„Reine Profitgier“: Kritik an Entlassungs-Plänen von Coca-Cola
Mehr als 500 Arbeitsplätze will der Getränkehersteller Coca-Cola in Deutschland abbauen. (Foto: dpa) Foto: Jens Kalaene

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) kritisiert die Pläne von Coca-Cola, im Jahr 2025 bundesweit fünf Standorte zu schließen. „Coca-Cola verdient weltweit enorm viel Geld, dennoch werden in Deutschland durch die erneuten Standortschließungen 500 Arbeitsplätze vernichtet“, sagte der stellvertretende NGG-Vorsitzende Freddy Adjan laut einer Mitteilung. „Da entsteht der Eindruck, dass es nicht um wirtschaftliche Notwendigkeit, sondern um reine Profitgier auf Kosten der Beschäftigten geht.“

Fünf Standorte in Deutschland sollen dichtgemacht werden

Der Getränkehersteller hatte am Dienstag angekündigt, in Deutschland fünf Standorte für Produktion und Logistik dichtmachen zu wollen. Betroffen sind die Werke in Köln, Neumünster, Berlin-Hohenschönhausen, Bielefeld und Memmingen. Auch an den Standorten Fürstenfeldbruck, Halle, Achim, Herten und in der Hauptverwaltung in Berlin sollen Stellen abgebaut werden. 505 Arbeitsplätze sollen im Laufe des kommenden Jahres insgesamt wegfallen, 207 an andere Standorte verlagert werden und 78 neue Jobs entstehen. Das Logistikvolumen soll künftig auf andere Betriebe verteilt werden, um diese noch besser auszulasten, hieß es.

Abbau führt zu tausenden Kilometern zusätzlicher Transporte

Für die Gewerkschaft ist die Entscheidung nicht nachvollziehbar. Coca-Cola gliedere Arbeit an externe Dienstleister aus, kritisierte Adjan. Mit jeder Schließung entferne sich das Unternehmen von seinem Versprechen, eine weltweite Marke zu sein, die regional produziert und ausgeliefert werde. Der Abbau von Standorten sei „verbunden mit tausenden Kilometern zusätzlicher Transporte“ auf den Straßen. Dies sei weder nachhaltig noch ökologisch sinnvoll.

Die Gewerkschaft forderte Coca-Cola auf, Verantwortung für seine Beschäftigten zu übernehmen und gemeinsam an einer tragfähigen Zukunft zu arbeiten. Die Gespräche zwischen Unternehmen und Arbeitnehmervertretern sollen zeitnah starten, wie Coca-Cola erklärte. Betriebsbedingte Kündigungen wolle man dabei vermeiden - durch alternative Stellen an anderen Standorten und einvernehmliche Lösungen.

Entlassungs-Pläne trotz Rekordabsatz im Jahr 2023

In Deutschland ist das Unternehmen Coca-Cola Europacific Partners (CCEP) für Abfüllung, Verkauf und Vertrieb der Getränke des US-Konzerns zuständig. Vor einigen Monaten hatte CCEP verkündet, im Jahr 2023 mit 4,1 Milliarden Litern Getränken einen Rekord-Absatz erzielt zu haben. „Wir schauen auf ein sehr gutes Jahr in Deutschland zurück, in dem wir das Angebot unserer beliebten Getränke vor allem im Lebensmittelhandel, bei Discountern und in Tankstellen deutlich ausgebaut haben“, sagte Geschäftsführer John Galvin.

CCEP ist nach eigenen Angaben das größte Getränkeunternehmen in der Bundesrepublik und beschäftigt aktuell etwa 6.500 Mitarbeiter an 27 Standorten, davon 14 Produktionswerke. Im Jahr 2015 hatte Coca-Cola einer Sprecherin zufolge hierzulande noch 52 Standorte, darunter 20 für Produktion. Beschäftigt waren rund 9.500 Menschen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen US-Regulierungspläne lösen Turbulenzen am Kryptomarkt aus: XRP legt kräftig zu – Investoren suchen neue Anlagestrategien

Frankfurt/London, Februar 2026 – Der Kryptomarkt befindet sich erneut in einer Phase erhöhter Schwankungen. Makroökonomische...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Rente mit 70? Was die Regierung diskutiert und wer betroffen wäre
28.02.2026

Rente mit 70 – dieser Plan könnte schon bald Realität werden. Die Rentenkommission und verschiedene Experten legen seit einigen Tagen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Glasfaser-Internet: Telekom peilt bei Glasfaser-Ausbau 25 Millionen Haushalte an
28.02.2026

Die Bagger der Telekom kommen gut voran, doch die Resonanz der Kunden in puncto Glasfaser-Internet ist noch ausbaufähig. Der Konzern legt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Run aufs weiße Gold: Warum Deutschland zum Lithium-Produzenten werden kann
28.02.2026

Lithium ist einer der wichtigsten und wertvollsten Rohstoffe für die Zukunftstechnologie. Rohstoffknappheit und der anhaltende KI-Boom...

DWN
Technologie
Technologie Künstliche Intelligenz: Entscheidet KI über Aufstieg oder Abstieg Europas?
28.02.2026

Wissen explodiert, Märkte beschleunigen, Entscheidungen müssen in Sekunden fallen. Künstliche Intelligenz wird damit zur Dampfmaschine...

DWN
Immobilien
Immobilien Ifo: Schärfere Mietpreisbremse verschärft Wohnungsnot
28.02.2026

Der Wohnungsbau in Deutschland liegt am Boden. Denn die Kosten sind so hoch, dass sich der Bau für Vermieter vielerorts nicht lohnt. Ein...

DWN
Politik
Politik Moldau im Machtkampf: Russland bekämpft EU-Annäherung mit Millionen
28.02.2026

Russland versucht mit hohen Geldsummen und gezielter Desinformation, proeuropäische Mehrheiten in Beitrittsstaaten wie Moldau zu...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Milliarden: Prozess um ehemaliges Streamingportal movie2k.to
28.02.2026

Ein ehemaliges Streamingportal, Millionen Raubkopien und ein Bitcoin-Vermögen in Milliardenhöhe: Vor dem Landgericht Leipzig wird ein...

DWN
Politik
Politik 4 Jahre Ukraine-Krieg: Russland unter militärischem und finanziellem Druck
28.02.2026

Vier Jahre nach Beginn des Ukraine-Kriegs steht Russland trotz demonstrativer Stärke vor massiven militärischen Verlusten und wachsenden...