Wirtschaft

Metaller-Warnstreiks gehen weiter nach gescheiterten Verhandlungen

Mit Trommeln, Fackeln und Trillerpfeifen setzte die IG Metall pünktlich nach Mitternacht ihre Warnstreiks in rund 370 Betrieben der Metall- und Elektroindustrie bundesweit fort. Wie der Vorstand der Gewerkschaft in Frankfurt berichtet, nahmen insgesamt rund 71.000 Menschen an den Protesten teil.
29.10.2024 17:07
Lesezeit: 2 min

Da bei den regionalen Tarifverhandlungen der dritten Runde in Kiel und Hannover keine Annäherung erzielt wurde, wird die Gewerkschaft auch am Mittwoch die Warnstreiks der Metaller fortführen. Besondere Aktionen sind für die Tarifregionen Küste sowie Mitte (Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland) geplant.

In Kiel, bei Ford in Köln und in Stuttgart bei Porsche kamen Tausende zu kraftvollen Demonstrationen zusammen. In Ingolstadt versammelten sich rund 5.000 Auszubildende der Metallindustrie aus Bayern, um für eine monatliche Vergütungserhöhung um 170 Euro zu protestieren. Für die übrigen Beschäftigten fordert die IG Metall eine Gehaltserhöhung von sieben Prozent.

VW-Sparpläne überschatten Tarifverhandlungen

Drastische Sparmaßnahmen des Autobauers VW werfen einen Schatten auf die Warnstreiks und Verhandlungen. Laut Betriebsrat stehen dort Werksschließungen, Stellenabbau und Lohnkürzungen zur Diskussion, auch wenn Details seitens des VW-Vorstands bislang unbestätigt bleiben. Die Krise des führenden deutschen Autobauers ist zudem Thema beim Gipfel der Industrie im Kanzleramt.

In der Nacht demonstrierten unter anderem Beschäftigte des möglicherweise von Schließung bedrohten VW-Werks in Osnabrück. Laut einem Sprecher der IG Metall versammelten sich dort rund 250 Mitarbeitende. "Die Beschäftigten geben ihren dauerhaften Preisdruck an der Kasse über Warnstreiks jetzt an die Arbeitgeber zurück: für eine schnelle Lösung mit Substanz", so die neue Tarifvorständin der IG Metall, Nadine Boguslawski. Das Werk in Osnabrück mit etwa 2.500 Angestellten fällt nicht unter den VW-Haustarifvertrag, in dem bis Ende November Friedenspflicht gilt.

Ein weiterer Fokus der Warnstreiks der Metaller lag auf dem Getriebe-Standort des Autozulieferers ZF in Saarbrücken, der zuletzt einen Stellenabbau angekündigt hatte. Rund 2.500 Menschen kamen kurz nach Mitternacht zu einer Demonstration zusammen. Dort sollen bis Ende des nächsten Jahres 1.800 Arbeitsplätze abgebaut werden. Insgesamt plant ZF, in den kommenden vier Jahren bis zu 14.000 Stellen in Deutschland zu streichen.

Gewerkschaft und Arbeitgeber: Uneinigkeit bei den Forderungen

Die IG Metall fordert deutliche Lohnerhöhungen und verweist auf die nach Jahren hoher Inflation gesunkene Kaufkraft der Beschäftigten. Die Gewerkschaft strebt eine Lohnsteigerung von sieben Prozent innerhalb eines Jahres an, während die Metallarbeitgeber 3,6 Prozent über 27 Monate bieten. Die erste Stufe von 1,7 Prozent soll im Juli 2025 wirksam werden. Unternehmen argumentieren mit schwachen Produktionszahlen und Auftragsrückgängen.

In Hannover dauerte die Verhandlungsrunde keine Stunde. Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber in Niedersachsen, Wolfgang Niemsch, äußerte Enttäuschung: "Das stoische Festhalten an einmal aufgestellten Forderungen, untermauert durch erste Warnstreiks, entspricht nicht dem Wesen von Tarifverhandlungen. Erst recht nicht, wenn eine Seite bereits ein Angebot auf den Tisch gelegt hat." Die IG Metall schüre Erwartungen, die der Lage der Branche nicht gerecht würden.

Die regionalen Tarifverhandlungen setzen sich am Mittwoch, den 30. Oktober, in Bayern fort. Weitere Verhandlungen folgen am Donnerstag, den 31. Oktober, in Böblingen für Baden-Württemberg, in Neuss für Nordrhein-Westfalen und in Mainz für Mitte (Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland).

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Welche Funktionen sind 2026 bei Trading-Plattformen wirklich wichtig?

Trading-Plattformen entwickeln sich rasant weiter. Im Jahr 2026 geht es längst nicht mehr nur darum, Wertpapiere oder andere...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Agenten außer Kontrolle: Unternehmen unterschätzen die wahre Rechnung
02.08.2026

KI-Agenten sollen selbstständig arbeiten, Entscheidungen treffen und Unternehmen produktiver machen. Doch während Manager vor allem auf...

DWN
Panorama
Panorama Warum die Welt besser ist, als viele denken: Zehn wenig bekannte Trends
02.08.2026

Kriege, Katastrophen und wirtschaftliche Krisen bestimmen die Nachrichten. Doch während die Schlagzeilen den Eindruck eines globalen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Algerien: Wenn ein Gebrauchtwagen teurer ist als ein Neuwagen
02.08.2026

Algerien will weniger abhängig von Öl und Gas werden und setzt auf eine eigene Autoindustrie. Nach Jahren des Mangels, explodierenden...

DWN
Finanzen
Finanzen Adieu Frankreich, adieu Deutschland: Wohin Europas Reiche ziehen
02.08.2026

Politische Unsicherheit, hohe Steuern: Das sind die wichtigsten Gründe, warum Reiche die zwei stärksten Länder Europas verlassen. Wohin...

DWN
Finanzen
Finanzen Neue Entwürfe für die Euro-Banknoten: Stimmen Sie für Ihren Favoriten ab!
01.08.2026

Die Europäische Zentralbank hat zehn Entwürfe für neue Euro-Banknoten vorgestellt. Bürger können bis zum 21. September über ihr...

DWN
Panorama
Panorama Bahn, Solarstrom und Ganztag: Das ändert sich im August
01.08.2026

Mit dem Start in den August treten mehrere Neuerungen in Kraft, die Millionen Menschen in Deutschland betreffen. Ob auf der Schiene, im...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft In europäischen Fabriken gehen die Lichter aus: Wer schließt sie, wer entlässt Mitarbeiter?
01.08.2026

VW, Bosch, BASF, Evonik, ThyssenKrupp, Michelin: In der Automobil-, Chemie- und Stahlindustrie reihen sich Werksschließungen, Entlassungen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Der beste Freund des Recruiters: Tiere im Büro ziehen Talente stärker an als Boni
01.08.2026

Viele Unternehmen holen ihre Beschäftigten zurück ins Büro. Doch klassische Benefits verlieren an Zugkraft. Eine neue Studie zeigt: Für...