Unternehmen

Nun glaubt es auch der Betriebsrat: VW will mindestens drei Werke schließen

Seit Wochen ringen VW und Betriebsrat um die Zukunft und mögliche und Entlassungen. Jetzt liegen laut Betriebsrat konkrete Pläne auf dem Tisch. Die Arbeitnehmerverteter geben sich uneinsichtig und kämpferisch. Der Kanzler micht sich auch ein - es dürften keine Arbeitsplätze wegfallen.
28.10.2024 14:17
Aktualisiert: 28.10.2024 14:17
Lesezeit: 3 min
Nun glaubt es auch der Betriebsrat: VW will mindestens drei Werke schließen
Beschäftigte von Volkswagen sind am Werkstor in Zwickau zu einer Infoveranstaltung des Betriebsrates zusammengekommen. Die Volkswagen Mitarbeiter sagen dem Management in Wolfsburg den Kampf an. (Foto: dpa) Foto: Hendrik Schmidt

Volkswagen will nach Angaben des Betriebsrats in Deutschland mehrere Werke schließen und zehntausende Arbeitsplätze abbauen. "Der Vorstand will in Deutschland mindestens drei VW-Werke dichtmachen", sagte Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo bei einer Informationsveranstaltung für die Belegschaft in Wolfsburg. Alle verbleibenden Standorte sollten zudem schrumpfen, fügte sie hinzu. Über diese Pläne habe der Konzern nun die Arbeitnehmerseite informiert.

Cavallo kündigte Widerstand gegen die Pläne an. "Ich kann nur alle Vorstände und alle an der Unternehmensspitze warnen: Legt Euch nicht mit uns, mit der VW-Belegschaft an", sagte sie unter dem Beifall der Mitarbeiter. "Ihr steht ganz kurz vor der Eskalation!" Die Friedenspflicht endet bei VW Ende November, danach sind auch Streiks möglich.

Den Konzern forderte Cavallo erneut auf, eine Gesamtperspektive für VW vorzulegen und nicht nur einzelne Sparmaßnahmen. "Mit uns wird es keine Salamitaktik geben. Keine Teillösungen und keine faulen Kompromisse. Uns geht es um ein Gesamtpaket für alle drei Themenbereiche. Alles Andere wird mit uns nicht zu machen sein!"

IG Metall fordert Erhalt der Standorte

Niedersachsens IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger erklärte in einer ersten Stellungnahme: "Wir wollen Standorte, Auslastung und Beschäftigung langfristig absichern. Wenn die Chefetage den Abgesang Deutschlands einläuten will, müssen sie mit Widerstand rechnen, den sie sich so nicht ausmalen kann!"

Als besonders gefährdet gilt laut Betriebsrat das Werk in Osnabrück, das kürzlich einen erhofften Folgeauftrag von Porsche verloren hatte. Zudem plane der Vorstand betriebsbedingte Kündigungen, sagte Cavallo. Laut Betriebsrat droht der Verlust von zehntausenden Arbeitsplätzen. Ganze Abteilungen sollten geschlossen oder ins Ausland verlagert werden.

Betriebsrat: Kein Werk ist sicher

"Alle deutschen VW-Werke sind von diesen Plänen betroffen. Keines ist sicher!", sagte Cavallo. Nähere Angaben macht sie nicht. VW beschäftigt in Deutschland rund 120.000 Mitarbeiter, davon rund die Hälfte in Wolfsburg. Insgesamt betreibt die Marke VW in Deutschland zehn Werke, davon sechs in Niedersachsen, drei in Sachsen und eins in Hessen. VW hatte im September die seit mehr als 30 Jahren geltende Beschäftigungssicherung aufgekündigt. Ab Mitte 2025 wären betriebsbedingte Kündigungen möglich.

Am Mittwoch kommen Konzern und die Gewerkschaft IG Metall zu ihrer zweiten Verhandlungsrunde über den VW-Haustarif zusammen. Bereits in der ersten Runde im September hatte VW die Forderungen der IG Metall nach sieben Prozent Erhöhung zurückgewiesen und stattdessen auf Einsparungen gedrängt. Nähere Angaben hatte VW dazu bisher nicht gemacht. Laut Cavallo fordert VW nun zehn Prozent Lohnkürzung sowie Nullrunden in den kommenden beiden Jahren. VW hatte Anfang September angekündigt, Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen nicht länger auszuschließen.

Der Kanzler und seine beschränkte Sicht der Lage

Die Bundesregierung hat den VW-Konzern dazu aufgefordert, Jobs zu erhalten. Man müsse noch abwarten, was Volkswagen selbst dazu erklärt, sagte ein Regierungssprecher in Berlin mit Blick auf Angaben des Betriebsrats, nach denen VW Werke schließen und Zehntausende Stellen abbauen will. Die Haltung von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) dazu sei aber klar - "nämlich, dass mögliche falsche Managemententscheidungen aus der Vergangenheit nicht zu Lasten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gehen dürfen". Es gehe darum, Arbeitsplätze zu erhalten und zu sichern.

SPD-Bundestagsfraktionsvize Verena Hubertz hat VW ebenfalls vor einem Job-Abbau gewarnt. "Wenn falsche Management-Entscheidungen getroffen werden, darf das nicht dazu führen, dass die Beschäftigten dafür hinhalten müssen", sagte sie, "Gerade jetzt muss die Sozialpartnerschaft bei VW ihre Wirkung zeigen. Ich erwarte mir von der Unternehmensführung, ihrer Verantwortung für die Beschäftigten in dieser Ausnahmelage gerecht zu werden."

Hubertz sagte mit Blick auf die Konjunkturkrise in Deutschland und den anstehenden "Industriegipfel", Kanzler Olaf Scholz (SPD) mache die wirtschaftliche Entwicklung richtigerweise zur Chefsache und führe am Dienstag vertrauliche Gespräche mit der Wirtschaft und Gewerkschaften. "Es geht uns darum, Arbeitsplätze zu sichern und dafür zu sorgen, dass Zukunftsinvestitionen in Deutschland stattfinden. Das sollte auch Ansinnen aller in dieser Koalition sein. Das geht mit einem effektiven Senken des Strompreises durch niedrigere Netzentgelte, Impulsen für Wachstum und weniger Bürokratie. Auch gezielte Maßnahmen für die Elektromobilität sind wichtige Signale."

Und was sagen Unternehmen und Management?

VW verteidigt seinen Sparkurs gegen Kritik der Arbeitnehmervertreter. Zu den von Betriebsratschefin Cavallo genannten Plänen für Werksschließungen hält sich der Konzern aber weiter bedeckt. "Fakt ist: Die Lage ist ernst und die Verantwortung der Verhandlungspartner ist enorm", sagte Personalvorstand Gunnar Kilian laut einer Mitteilung. "Ohne umfassende Maßnahmen zur Wiedererlangung der Wettbewerbsfähigkeit werden wir uns wesentliche Zukunftsinvestitionen nicht leisten können."

Konkrete Angaben zu den zuvor von Betriebsratschefin Daniela Cavallo genannten Plänen zu Werkschließungen, Lohnkürzungen und Stellenabbau machte Kilian nicht. "Wir halten an dem mit der Mitbestimmung vereinbarten Grundsatz fest, die Diskussion um die Zukunft der Volkswagen AG zuerst intern mit unseren Verhandlungspartnern zu führen", sagte er. Für die am Mittwoch anstehende Tarifrunde kündigte der Konzern "konkrete Vorschläge zur Senkung der Arbeitskosten" an.

"So wie bisher können wir nicht weitermachen"

Markenchef Thomas Schäfer begründete den Schritt mit hohen Kosten an den heimischen Standorten. "So wie bisher können wir nicht weitermachen", so Schäfer. "Wir sind an den deutschen Standorten nicht produktiv genug und liegen aktuell bei den Fabrikkosten 25 bis 50 Prozent über dem, was wir uns vorgenommen haben. Damit sind einzelne Werke doppelt so teuer wie der Wettbewerb." Ziel bleibe, die Umsatzrendite bis 2026 auf 6,5 Prozent zu steigern. Nur so ließen sich die notwendigen Investitionen in die Zukunft finanzieren.

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