Unternehmen

Stellenabbau bei Zulieferer Schaeffler: 2.800 Arbeitsplätze gestrichen - Arbeitslosigkeit steigt weiter in Deutschland!

Kahlschlag für die Automobilbranche in Deutschland: Der Zulieferer Schaeffler, eines der zehn größten Unternehmen weltweit in der Branche, muss Personal reduzieren. Kurz nach der Fusion mit Vitesco werden Tausende Stellen abgebaut, alleine 2.800 Arbeitsplätze in Deutschland. Welche zehn Standorte betroffen sind.
05.11.2024 14:24
Aktualisiert: 05.11.2024 16:00
Lesezeit: 3 min

Der in Herzogenaurach ansässige Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler hat den Abbau von 4.700 Arbeitsplätzen in Europa angekündigt, darunter 2.800 in Deutschland. Schaeffler, das weltweit etwa 120.000 Mitarbeiter beschäftigt, erhofft sich von diesem Umbau Einsparungen von jährlich rund 290 Millionen Euro bis zum Jahr 2029.

Die Umsetzung der angekündigten Maßnahmen würden das Unternehmen rund 580 Millionen Euro kosten. Diese ergäben sich aus Rückstellungen und Verlagerungskosten. Klaus Rosenfeld, Vorsitzender des Vorstands der Schaeffler AG, erklärte, dass die angekündigten Pläne sozialverträglich und mit Augenmaß umgesetzt würden.

Nach Vitesco-Übernahme: Schaeffler streicht Tausende Jobs

Nach der Ankündigung von Schaeffler, trotz satten Gewinnen im dreistelligen Bereich europaweit 4700 und deutschlandweit 2.800 Stellen abzubauen, ist nun klar: Zehn deutsche Standorte sind von den Stellenabbau betroffen, ebenso fünf weitere in Europa. Betriebsrat und IG Metall sind schockiert über die massiven Einsparmaßnahmen.

Konkret geht es laut IG Metall um: Berlin, Hameln, Herzogenaurach, Homburg, Karben, Nürnberg, Regensburg, Schwalbach, Schweinfurt und Steinhagen. Die Standorte Hameln und Steinhagen seien sogar insgesamt in Frage gestellt. Weitere Informationen dazu will Schaeffler bis Ende des Jahres bekannt geben. Hauptsächlich sollen die Pläne zwischen 2025 und 2027 umgesetzt werden.

Rund 700 Jobs in Unterfranken betroffen

Besonders schwer in Bayern scheint das Wälzlagerunternehmen am Standort Schweinfurt betroffen zu sein. Dort sollen rund 700 Arbeitsplätze gestrichen werden. Das teilt die IG Metall in Schweinfurt mit. Am Standort Schweinfurt sind rund 5.500 Leute beschäftigt. Das Unternehmen hat laut IG Metall am Vormittag die Beschäftigten informiert. Betroffen seien nach Angaben des Arbeitgebers zu gleichen Teilen die indirekt beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Verwaltung, Forschung und Entwicklung sowie der Produktion.

300 Stellen in der Oberpfalz betroffen

Etwa 300 der betroffenen Stellen sind in der Oberpfalz. Vor einem Monat hatte der Autozulieferer Schaeffler den Regensburger Technologiekonzern Vitesco übernommen, eine Abspaltung von Continental. Nun will Schaeffler die Synergien der Fusion nutzen und doppelte Jobs abbauen. Betroffen sind Beschäftigte in der Verwaltung, aber auch im Bereich Forschung und Entwicklung. 600 Stellen sollen wegfallen, etwa zu gleichen Teilen an den Standorten Regensburg und Herzogenaurach.

Stellenabbau: Schaeffler machte vor der Fusion Gewinn

Ein wesentlicher Grund für den angekündigten Umbau ist laut Welt die Integration des Automobilzulieferers Vitesco, der vor etwa einem Monat übernommen wurde. Sie führt dazu, dass zahlreiche Arbeitsplätze in der Verwaltung wegfallen. Gleichzeitig verzeichnete Schaeffler einen Gewinn- und Umsatzrückgang. Konkret gingen die Erlöse im dritten Quartal währungsbereinigt um 1,1 Prozent auf knapp vier Milliarden Euro zurück. Der Betriebsgewinn vor Sondereffekten sank um 44,9 Prozent auf 187 Millionen Euro.

Während das Geschäft mit Ersatzteilen für Fahrzeuge deutlich zulegte, mussten sowohl die Industriesparte als auch das Autogeschäft einen Rückgang hinnehmen. Erst in den letzten Jahren hatte Schaeffler durch mehrere Zukäufe sein Geschäft ausgeweitet. Jetzt trifft der Umbau vor allem die Werke, die im Zuge dieser Übernahmen zu dem Unternehmen kamen. So sollen beispielsweise die Aktivitäten von Melior Motion in Hameln, das erst 2022 übernommen wurde, eingestellt werden.

Reduktion des Geschäfts mit Verbrennertechnik

Die Autosparte ist ebenfalls von den Umstrukturierungen betroffen. Schaeffler plant eine schrittweise Reduktion des Geschäfts mit Verbrennertechnik, und auch die Bereiche für Elektroautos müssen sich anpassen. Das Unternehmen war ursprünglich von einem stärkeren Wachstum in diesem Segment ausgegangen, sieht sich jedoch mit einem hohen Wettbewerbsdruck konfrontiert, der die Preise belastet.

Bereits Ende November kündigte Schaefflers Vorstandsvorsitzender Klaus Rosenfeld im Gespräch mit der Wirtschaftswoche an, dass es nach der Fusion „auch personelle Anpassungen geben“ werde. Weiter erklärte er im Interview, dass er ein starkes Wachstum des Elektromobilitätsgeschäfts erwarte und betonte, dass die Transformation zur E-Mobilität „weiter richtig bleibt“.

Betriebsrat: Stellenabbau bei Schaeffler unverhältnismäßig

Die angekündigten Maßnahmen seien nicht verhältnismäßig, heißt es in einer Mitteilung des Gesamtbetriebsrates von Schaeffler. Die Gewerkschaft IG Metall verlangte von der Unternehmensführung, andere Möglichkeiten auszuloten. „Ich fordere das Unternehmen auf, mit der Arbeitnehmerseite Gespräche über Alternativen zum Stellenabbau aufzunehmen“, sagte Bezirksleiter Horst Ott.

Schaeffler hatten den geplanten Abbau damit begründet, dass das Industriegeschäft etwa mit Lagern für Windräder, zuletzt rückläufig gewesen sei. Außerdem sei die weltwirtschaftliche Lage schwierig und verzögere die Transformation hin zu E-Mobilität.

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Mirell Bellmann schreibt als Redakteurin bei den DWN über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zuvor arbeitete sie für Servus TV und den Deutschen Bundestag.

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