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Insolvenz: Südwestdeutscher Autozulieferer entlässt alle Mitarbeiter

In der deutschen Autobranche kriselt es gewaltig: Immer mehr Zulieferer gehen mit unter. Aktueller Fall ist die Insolvenz der Federnfabrik Erwin Lutz in Baden-Württemberg. Hersteller und Spezialist von technischen Federn und Biegeteilen – Bauteile für die Automobilindustrie und den Maschinenbau. Wie geht es weiter nach der Insolvenz: Aufgabe oder Neustart?
20.09.2024 18:01
Lesezeit: 2 min
Insolvenz: Südwestdeutscher Autozulieferer entlässt alle Mitarbeiter
Die Krise in der Automobil- und Maschinenbauindustrie wird der Federnfabrik Erwin Lutz zum Verhängnis. Der Autozulieferer muss Insolvenz anmelden. (Foto: Federnfabrik Erwin Lutz GmbH)

Bei VW herrscht Krise und auch weitere Hersteller und Qualitätsmarken erleben in Deutschland schwierige Zeiten. Die Pleitewelle rollt weiter und ist inzwischen bei den Autozulieferern angekommen, wie bei der Federnfabrik Erwin Lutz mit Sitz in Eningen unter Achalm bei Reutlingen in Baden-Württemberg.

Deutscher Autozulieferer ist insolvent

Wie unter anderem swp.de und gea.de übereinstimmend berichten, hat der Zulieferer für die Automobil- und Maschinenbauindustrie am Amtsgericht Tübingen einen Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens angemeldet. Wie aus den Insolvenzbekanntmachungen hervorgeht, wurde der Antrag bereits am 9. August vom Amtsgericht angenommen und der Reutlinger Rechtsanwalt Jürgen Sulz zum vorläufigen Verwalter der Insolvenz berufen.

Spezialist für Federn

Die 1966 von Erwin Lutz, zuvor Prokurist beim Reutlinger Hygieneartikel-Großhändler Vogt, gegründete Federnfabrik in Eningen ist auf die Herstellung von technischen Federn und Biegeteilen spezialisiert. Im Sortiment des insolventen Autozulieferers befinden sich verschiedene Federnarten wie Druckfedern, Zugfedern, Drehfedern, Drahtbiegeteile und spezielle Bauteile wie Blattfedern und Magazinfedern. Solche Bauteile kommen unter anderem in der Automobilindustrie und dem Maschinenbau zum Einsatz, die aktuell beide stark zu kämpfen haben.

Alle Mitarbeiter erhielten zuvor die Kündigung

Der Grund für die Insolvenz der Federnfabrik Erwin Lutz geht offenbar auf die gegenwärtige Schieflage der Branchen zurück. „Die Firma Federnfabrik Lutz hat mit erheblichen Umsatzrückgängen zu kämpfen“, erläuterte der Sachverwalter die Gründe für die Insolvenz des Autozulieferers auf Anfrage der Südwest Presse (SWP). Auf Anfrage des Reutlinger Generalanzeiger (GEA) erklärte Sulz. „Die Kunden aus der Automobil- und Maschinenbauindustrie riefen aus großen Rahmenverträgen zuletzt wenig ab.“

Der Autozulieferer mit einer fast 60-jährigen Geschichte musste der Belegschaft zuvor bereits schlechte Nachrichten verkünden. Der Rechtsanwalt aus Reutlingen bestätigte in der SWP, dass bereits vor dem Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens ein Stilllegungsbeschluss für die Fabrik getroffen worden sei und alle 20 Mitarbeiter ihre Kündigungen erhalten haben.

Mitarbeiter erhalten Lohn über das Insolvenzgeld

Auch wenn die Fabrik des insolventen Autozulieferers aus Baden-Württemberg offenbar schließt, werde der Betrieb im Rahmen des Insolvenzantragsverfahrens derzeit fortgeführt. „Die Mitarbeiter erhalten ihren Lohn über das Insolvenzgeld. Dieses wurde bereits für die Monate Juli und August 2024 vorfinanziert und an die Mitarbeiter ausbezahlt“, erläutert Sulz bei der SWP.

Dem vorläufigen Insolvenzverwalter zufolge wurde die bis dahin von den Erben von Erwin Lutz geleitete Federnfabrik inklusive des Firmengrundstückes bereits Mitte 2022 verkauft. Wie aus dem Impressum der Homepage hervorgeht, wird das Unternehmen seitdem durch Tobias Ulrich und Tanja Knörzer vertreten.

Nach Insolvenz: Aufgabe oder Neustart?

Da alle bisherigen Mitarbeiter gekündigt wurden, liegt die Vermutung nahe, dass die Federnfabrik in Eningen durch das Insolvenzverfahren entweder komplett abgewickelt oder aber vollständig neu gestartet werden soll. Über die Zukunftspläne für den insolventen Autozulieferer machte der Sachverwalter zum bisherigen Zeitpunkt allerdings keine Aussagen.

Die neuerliche Insolvenz reiht sich allerdings in einen Trend ein, der seit Jahresbeginn in Deutschland deutlich spürbar ist.

Laut einer aktuellen Analyse der Unternehmensberatung Falkensteg, die IPPEN.MEDIA vorliegt, stieg die Zahl der Großinsolvenzen im ersten Halbjahr 2024 um 41 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum an.

Insolvenz des Autozulieferers kein Einzelfall

„Die Rettung von Unternehmen aus der Insolvenz gestaltet sich zunehmend komplexer. Hohe Zinsen machen den Erwerb insolventer Firmen teurer oder unattraktiv. Ferner schrecken unsichere Umsätze aufgrund der allgemeinen Wirtschaftslage potenzielle Investoren ab“, erklärt Experte Jonas Eckhardt, Partner der Unternehmensberatung Falkensteg.

Weitere Insolvenzen werden erwartet.

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Mirell Bellmann

Mirell Bellmann schreibt als Redakteurin bei den DWN über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zuvor arbeitete sie für Servus TV und den Deutschen Bundestag.

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