Wirtschaft

Nach US-Wahl: EU stärkt Wettbewerbsfähigkeit - kommt die Steuer auf Kryptowährungen?

Nach dem deutlichen Wahlsieg von Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl beraten die Regierungschefs der Europäischen Union an diesem Freitag darüber, wie die Wirtschaft Europas zukunftsfähig gemacht werden kann. Im Fokus steht, wie die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen gegenüber der Konkurrenz aus den USA und China verbessert werden kann. Aus EU-Sicht verschaffen beide Länder ihren Unternehmen durch hohe Subventionen Vorteile, was die Wettbewerbsposition Europas schwächt.
08.11.2024 08:14
Aktualisiert: 08.11.2024 08:14
Lesezeit: 2 min

Auf der Agenda des Gipfels in Budapest, an dem Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und seine Kollegen teilnehmen, stehen Themen wie die Stärkung des Binnenmarktes sowie Maßnahmen, um produktiver und innovativer zu arbeiten. Zudem soll über die Verteidigungsbereitschaft Europas und die grüne Transformation der Wirtschaft gesprochen werden. Grundlage für die Diskussion ist eine Analyse von Mario Draghi, dem früheren Chef der Europäischen Zentralbank, die Schwächen und Handlungsoptionen für die EU beleuchtet.

Geopolitische Herausforderungen nehmen zu

Die Aussicht auf Trump als künftigen US-Präsidenten erhöht die Dringlichkeit der Diskussion nach der US-Wahl. Im Wahlkampf kündigte er an, auf Importe aus Regionen wie Europa Zölle zwischen 10 und 20 Prozent erheben zu wollen. Dies soll die Produktion in den USA ankurbeln und das Handelsdefizit verringern. Ökonomen warnen vor einer erneuten Präsidentschaft Trumps, da diese für europäische Unternehmen sowohl wirtschaftliche als auch geopolitische Unsicherheit bringen und das Wachstum auf dem Kontinent beeinträchtigen könnte. Vor allem die deutsche Autoindustrie mit Unternehmen wie Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz, die die USA und China als wichtige Absatzmärkte außerhalb der EU sehen, könnte stark betroffen sein. Sonderzölle würden voraussichtlich zu erheblichen Einbußen führen.

Steuer auf Kryptowährungen? Uneinigkeit bei der Finanzierung

Die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der EU nach der US-Wahl erfordert finanzielle Mittel. Umstritten ist jedoch, wie diese Mittel genau aufgebracht werden sollen. Notwendige Investitionen sollen aus öffentlichen und privaten Quellen finanziert werden, heißt es in einem Entwurf der Abschlusserklärung, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. "Wir sind bereit, alle verfügbaren Instrumente und Mittel zu prüfen und einzusetzen", heißt es seitens der Staats- und Regierungschefs. Damit bleibt die Möglichkeit einer neuen gemeinsamen Schuldenaufnahme eine Option. Deutschland lehnt dies bislang ab, während andere Länder sich dafür aussprechen. Bisher hatte die EU solch eine Finanzierung nur für den Corona-Aufbaufonds in größerem Umfang genutzt.

Die politischen Spitzen sind sich darüber einig, dass die Europäische Investitionsbank sowie der langfristige Haushalt der EU eine zentrale Rolle spielen sollen. Zusätzlich soll an der Einführung neuer Eigenmittel gearbeitet werden, möglicherweise durch eine Steuer auf Kryptowährungen. Um mehr privates Kapital zu mobilisieren, drängen die Regierungschefs auch auf "dringende Fortschritte bei der Kapitalmarktunion". Im Kern geht es darum, bürokratische Hürden innerhalb der EU abzubauen, damit Unternehmen leichter an Kapital gelangen können. "Zudem würden größere Investitionen im Kapitalbereich dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit der EU in kritischen Technologien langfristig zu sichern", so die Staats- und Regierungschefs abschließend.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Wachsende Defizite: Krankenhäuser fürchten neue Milliardenlöcher und Pleiten
04.11.2026

Die Finanzlöcher deutscher Krankenhäuser werden immer tiefer: Eine Welle von Klinik-Insolvenzen wird erwartet. Um gegenzusteuern, wollen...

DWN
Politik
Politik Auch ohne Zuckersteuer: Industrie produziert weniger Zuckergetränke
04.11.2026

Weniger zuckerhaltige Cola und Limonade, mehr Light-Getränke: Die Produktion verschiebt sich. Was die Zahlen über den Durst der Menschen...

DWN
Politik
Politik Schweden bestätigt Taurus-Lieferung: Marschflugkörper erreicht mehr als 500 Kilometer
04.11.2026

Schweden hat erstmals bestätigt, bereits Taurus-Marschflugkörper erhalten zu haben. Die Waffe kann Ziele in mehr als 500 Kilometern...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Erholung bei Chip-Aktien stützt Nasdaq – Anleger warten auf Midterm-Ergebnisse
03.11.2026

Blick auf die Wall Street: Welche Dynamiken jetzt bei Tech-Riesen und Leitindizes die Richtung vorgeben.

DWN
Finanzen
Finanzen 21 Millionen Rentner: Gesetzliche Rente steigt 2027 um mehr als vier Prozent?
03.11.2026

Eine Erhöhung von mehr als vier Prozent steht voraussichtlich für Deutschlands Rentner an. Von 2028 an müssen sich Arbeitnehmer und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Schaeffler-Aktie rutscht ab: Werke und Jobs werden Opfer der Sparmaßnahmen
03.11.2026

Die Krise in der deutschen Industrie setzt sich fort: Der fränkische Autozulieferer Schaeffler will vier deutsche Standorte schließen und...

DWN
Politik
Politik Analyse: Trumps Korruption und Kleptokratie haben ihn eingeholt
03.11.2026

Kurz vor den Zwischenwahlen rückt ein Thema überraschend an die Spitze der Sorgen amerikanischer Wähler: Korruption. Donald Trumps...

DWN
Finanzen
Finanzen Nationale Reserven: Goldkäufe der Notenbanken steigen deutlich
03.11.2026

Notenbanken haben ihre Goldkäufe im dritten Quartal deutlich ausgeweitet, während Anleger weniger Barren und Münzen kauften. Welche...