Wirtschaft

CO2-Emissionen: Bedarf an fossilen Brennstoffen bleibt hoch

Die globalen CO2-Emissionen steigen weiter an – trotz einiger Fortschritte in Ländern wie Deutschland und den USA. 2024 könnte ein neuer Höchststand erreicht werden. Die internationale Klimaforschung fordert rasches Handeln, um die Erwärmung zu verlangsamen und langfristige Klimaschäden zu vermeiden.
13.11.2024 13:36
Aktualisiert: 13.11.2024 13:36
Lesezeit: 2 min
CO2-Emissionen: Bedarf an fossilen Brennstoffen bleibt hoch
Steigende CO2-Emissionen weltweit: Fossile Brennstoffe sorgen 2024 für einen neuen Höchststand. (Foto: dpa) Foto: Julian Stratenschulte

Anstatt den Verbrauch von Öl, Gas und Kohle zu senken, verbrennt die Menschheit weiterhin vermehrt fossile Brennstoffe. Die fossilen CO2-Emissionen werden laut der Forschungsinitiative Global Carbon Project in diesem Jahr voraussichtlich ein neues Rekordniveau erreichen.

Ein klares Anzeichen für einen Höhepunkt der fossilen Emissionen sei nicht erkennbar, sagte Judith Hauck vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. Sie ist eine der rund 120 Mitautorinnen und Mitautoren des aktuellen Berichts Global Carbon Budget 2024. Den Berechnungen zufolge dürften die fossilen CO2-Emissionen dieses Jahr um 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr steigen und etwa 37,4 Milliarden Tonnen betragen.

Pierre Friedlingstein, Erstautor von der University of Exeter, richtete sich an die Weltklimakonferenz in Baku, Aserbaidschan: "Die Staats- und Regierungschefs, die sich auf der COP29 treffen, müssen die CO2-Emissionen fossiler Brennstoffe drastisch und schnell reduzieren, um die Erwärmung deutlich unter zwei Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu halten."

Einige Länder mit ersten Fortschritten

Hauck wies darauf hin, dass in 22 Ländern, darunter auch Deutschland und die USA, die Emissionen klimaschädlicher Gase gesenkt wurden, obwohl die Wirtschaft gewachsen ist. "Es zeigt sich ein Trend, der Hoffnung macht, auch wenn er für uns zu langsam verläuft."

In China, das fast ein Drittel der weltweiten CO2-Emissionen verursacht, erwarten die Forschenden für dieses Jahr nur noch einen Anstieg von etwa 0,2 Prozent. Dies könnte den Wendepunkt anzeigen, so Niklas Höhne vom NewClimate Institute. China investiere stark in Elektromobilität, was zu einem Rückgang des Ölverbrauchs geführt habe.

Allerdings bleibe die Nachfrage nach Energie in China und weltweit hoch, etwa durch den zunehmenden Einsatz von Klimaanlagen und Künstlicher Intelligenz, so Höhne. Trotz des weiteren Ausbaus fossiler Energieinfrastruktur wächst parallel auch der Anteil erneuerbarer Energien, unter anderem dank günstiger Solartechnologien. "Das gibt Anlass zur Hoffnung, dass fossile Energien bald vom Markt verdrängt werden."

CO2-Aufnahme durch Land und Ozean

Die Forschenden untersuchten auch, wie viel des ausgestoßenen CO2 wieder absorbiert wird. Mehr als die Hälfte des von Menschen erzeugten CO2 wird von Ozeanen, Pflanzen und Böden aufgenommen. "Beide CO2-Senken sind durch die Klimaveränderungen beeinträchtigt", erklärte Hauck.

Laut Bericht nahmen Landökosysteme 2023 etwa 27 Prozent weniger CO2 auf als 2014, unter anderem aufgrund geringerer Niederschläge und höherer Temperaturen in bestimmten Gebieten. Auch die Meere absorbierten rund sechs Prozent weniger CO2, was vor allem an veränderten Windmustern liegt, die die Ozeanzirkulation beeinflussen.

Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre wird laut Bericht in diesem Jahr voraussichtlich 422,5 ppm (parts per million) erreichen, was über 50 Prozent mehr ist als vor Beginn der Industrialisierung. Um den CO2-Gehalt zu senken, müsse die Welt aufhören, CO2-Emissionen zu erzeugen, betonte Julia Pongratz von der Ludwig-Maximilians-Universität München. "Jede Tonne CO2 hat langfristige Auswirkungen."

Die Zeit wird knapp

Es bleiben nur wenige Jahre, um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen und so die schlimmsten Klimafolgen zu vermeiden, warnte Pongratz. "Unsere beste Schätzung zeigt, dass wir in sechs Jahren eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit haben, die 1,5-Grad-Marke zu überschreiten." Das bedeute, dass die Welt in sechs Jahren netto keine CO2-Emissionen mehr verursachen dürfe, um das Ziel zu erreichen. "Uns läuft die Zeit davon."

Das Jahr 2023 wird laut dem Klimadienst Copernicus im Durchschnitt wahrscheinlich über 1,5 Grad wärmer sein als das vorindustrielle Niveau. Das Pariser Klimaziel gilt aber nur dann als verfehlt, wenn der Durchschnitt langfristig über dieser Schwelle liegt.

Pongratz erläuterte, dass die Temperaturen weiter steigen, solange die Welt nicht netto bei null CO2-Emissionen ist. "Mit allen gravierenden Folgen, die wir in den letzten zwölf Monaten vermehrt durch Brände und Überschwemmungen erlebt haben."

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