Wirtschaft

Fachkräfte dringend gesucht: In diesen Berufen fehlen die meisten

Trotz der wirtschaftlichen Flaute sind in Deutschland zuletzt 530.000 Fachkräftestellen unbesetzt geblieben sind. Bis 2027 soll diese Zahl gar auf 728.000 Stellen steigen, laut einer Studie des Instituts für Wirtschaft (IW). Wo am dringendsten Personalbedarf gedeckt werden muss und welche Maßnahmen es braucht.
31.12.2024 06:01
Lesezeit: 3 min

Der zunehmende Fachkräftemangel war lange Zeit durch eine hohe Nachfrage am Arbeitsmarkt getragen, die sich jetzt leicht abgeschwächt hat durch die ungünstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Unternehmen in Deutschland und auch durch die Unsicherheiten durch die Krisenherde. Obwohl die Zahl offener Stellen bis Mitte 2024 um 4,2 Prozent zurückging und die Arbeitslosigkeit um 8,9 Prozent angestiegen ist, bleibt der Fachkräftemangel ein großes Problem und die Unternehmen suchen weiterhin oft vergeblich qualifizierte Mitarbeiter.

Gesundheits-, Sozial- und Elektrobranchen sowie das Handwerk leiden besonders

Bereits seit vielen Jahren ist insbesondere die Situation in den Gesundheits- und Sozialberufen, in den Elektro- und Technikbranchen und im Handwerk stark angespannt. Außerdem fehlen auch Verkäufer. Und nicht nur die betroffenen Branchen leiden, der Fachkräftemangel ist auch mittlerweile für die Menschen im Alltag spürbar. Insgesamt 30 Prozent aller fehlenden Fachkräfte fehlen allein in den gerade genannten Branchen, wie aus einer Studie des Instituts für Wirtschaft (IW) hervorgeht.

Kinderbetreuung und -erziehung in Not

Angeführt wird die Liste der fehlenden Fachkräfte vom Notstand in der Kinderbetreuung und -erziehung. Im Mittel konnten in den Jahren 2023 und 2024 21.000 Stellen in diesen Berufen nicht besetzt werden. Deshalb fehlen auch ca. 300.000 Kitaplätze für die ganz Kleinen unter drei Jahren.

Die Folgen sind fatal – auch für den Arbeitsmarkt. Insbesondere in Westdeutschland müssen Eltern die Betreuung häufig privat organisieren und ihre Arbeitszeit reduzieren, um sich selbst um den Nachwuchs zu kümmern. In Ostdeutschland ist die Betreuungssituation besser, sodass viele Eltern mit kleinen Kindern trotzdem in Vollzeit arbeiten können.

Bei Sozialarbeit und –pädagogik sieht es nicht besser aus

18.000 Stellen blieben auch zuletzt im Bereich Sozialarbeit und Sozialpädagogik unbesetzt. Fast dreiviertel aller offenen Stellen konnten nicht Arbeitssuchenden, die eine entsprechende Qualifikation besaßen, besetzt werden. Die Fachkräfte fehlen in Kinder- und Jugendheimen, bei der schulischen Sozialarbeit und bei der Begleitung in den Berufseinstieg.

Die Unterstützung von jungen Menschen in Schule Ausbildung und Einstieg ins Erwerbsleben bleibt also auf der Strecke. Das zeigt sich auch in den Qualifikationen der Jugend - 2,86 Millionen junge Menschen unter 35 Jahre hatten 2002 keine berufliche Qualifikation – ein neuer Höchststand.

Gesundheitsberufe, Kranken- und Altenpflege sowie Physiotherapie auch unterbesetzt

Auch in den Gesundheitsberufen und in der Pflege fehlt es hinten und vorne an Fachkräften. Das ist insbesondere vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung in Deutschland alarmierend. Von den offenen Stellen in der Physiotherapie konnten neun von zehn Stellen zuletzt nicht besetzt werden.

Elektronikbranchen und Handwerk suchen händeringend

In der Elektrobranche sieht es ebenfalls düster aus. Alleine in der Bauelektrik fehlen im Jahresdurchschnitt 18.000 Fachkräfte, die eine spezifische Berufsausbildung haben – und das trotz der miserablen Lage der Bauwirtschaft zur Zeit. Acht von zehn Stellen blieben unbesetzt. Der Fachkräftemangel in diesem Bereich verschärft die Wohnungsmarktlage zusätzlich, da sich Bauvorhaben auch durch den Fachkräftemangel verzögern. In Deutschland werden jährlich an die 300.000 neue Wohnungen benötigt.

Ähnlich dramatisch ist die Lage im Maschinenbau, trotz der aktuell schwierigen Wirtschaftssituation und Auftragslage. Im Bereich der elektrischen Betriebstechnik sind 14.000 Stellen für Fachkräfte unbesetzt. In der Maschinenbautechnik zusätzlich 12.500.

Auch im Verkauf und in der Kraftfahrzeugtechnik fehlt qualifiziertes Personal. Das zeigt sich auch auf Verbraucherebene in Form von fehlender Fachberatung und längeren Wartezeiten bei Autoreparaturen.

Qualifizierung ist der Schlüssel

In Deutschland gibt es ein großes Potenzial bei ungelernten Kräften – hier übersteigt das Arbeitsangebot die Nachfrage am Arbeitsmarkt deutlich. Über bildungspolitische Maßnahmen könnten viele von ihnen über Qualifizierungen nach und nach zu Fachkräften ausgebildet werden. Gerade die fast 3 Millionen jungen Menschen ohne berufliche Qualifikation sollten hierbei in den Fokus rücken.

Aber auch ein späteres Renteneintrittsalter hilft bei der Sicherung der Fachkräfte. Hierzu gibt es eine Reihe von attraktiven Arbeitsmodellen, in denen Rente und Arbeiten miteinander verbunden werden können. Auch eine bessere Betreuungsinfrastruktur für junge Familien hilft dabei, Eltern wieder gemeinsam in die Vollzeitarbeit zu bringen. Daran muss gearbeitet werden.

Letztendlich soll auch das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz helfen, ausländische Fachleute anzuwerben, was bei der allgemeinen demografischen Entwicklung in Deutschland ebenfalls eine wichtige Maßnahme ist.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Der wachsende Trend zu flexiblen Konsumausgaben bei deutschen Verbrauchern

Deutsche Haushalte verändern ihr Ausgabeverhalten grundlegend. Wo früher feste Sparpläne und monatliche Budgets den Alltag bestimmten,...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall-Street-Händler halten sich vor Inflationsbericht zurück
11.08.2026

Welche Impulse jetzt die Kurse bewegen und warum Anleger gespannt auf die neuen Daten blicken

DWN
Technologie
Technologie Nvidia holt die Wall Street ins KI-Geschäft
11.08.2026

Hunderte Milliarden Dollar fließen in den Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz. Der Chipriese Nvidia, der davon...

DWN
Politik
Politik Geleaktes Dokument zeigt, dass den USA Waffen fehlen: Was wir wissen
11.08.2026

Trumps Krieg gegen Iran leert die amerikanischen Lager für Langstreckenraketen. Das zeigen ein Leak und Berichte aus anonymen Quellen in...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Hotels verlieren Gäste: Deutsche bleiben häufiger zu Hause
11.08.2026

Im Juni gab es in deutschen Hotels weniger Übernachtungen – vor allem inländische Gäste blieben aus. Im Halbjahr bleibt die Branche...

DWN
Finanzen
Finanzen Insiderhandel oder nicht? Trump verkauft seine Truth-Posts mit Zeitvorsprung an Firmen
11.08.2026

Wer Trumps Posts früher liest, kann an den Finanzmärkten Millionen bewegen – und genau dafür zahlen Händler bis zu 100.000 Dollar im...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Dürre macht Sprit teurer: Lokale Engpässe möglich
11.08.2026

Die Dürre erreicht die Tankstelle: Sinkende Rheinpegel verteuern den Transport von Benzin und Diesel. Drohen jetzt regionale Engpässe,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI bei der Jobsuche: Warum ChatGPT Ihre Bewerbung ruinieren kann
11.08.2026

Eine Bewerbung in nur einer Minute, perfekt formuliert und ohne mühsames Ringen um jedes Wort. Künstliche Intelligenz hat die Jobsuche...

DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld-Vergleich (08/2026): Diese Banken bieten die besten Tagesgeld-Zinsen
11.08.2026

Ein Tagesgeld-Konto gilt als sichere und flexible Geldanlage. Doch hinter manchem Spitzenangebot verbergen sich nicht selten Bedingungen,...