Panorama

Spendenbereitschaft Deutschland 2024: Einfluss von Einkommen und Alter auf die Spendenhöhe

Die Spendenbereitschaft in Deutschland ist 2024 gesunken, trotz eines hohen Spendenvolumens von 12,5 Milliarden Euro. Der Rückgang betrifft vor allem die Zahl der Spender, während die durchschnittliche Spendenhöhe und -quote konstant bleibt. Welche Faktoren beeinflussen das Spendenverhalten in Deutschland? Eine Analyse.
24.12.2024 15:18
Lesezeit: 3 min
Spendenbereitschaft Deutschland 2024: Einfluss von Einkommen und Alter auf die Spendenhöhe
Die Spendenbereitschaft in Deutschland bleibt trotz eines Rückgangs bei der Zahl der Spender hoch. (Foto: dpa) Foto: Patrick Pleul

Die Adventszeit ist traditionell eine Phase, in der die Spendenbereitschaft in Deutschland besonders hoch ist. Doch trotz der festlichen Atmosphäre und religiösen Traditionen zeigt sich ein Rückgang bei der Zahl der Spender im Jahr 2024.

Spendenvolumen bleibt hoch, Zahl der Spender sinkt

Im Jahr 2024 liegt das gesamte Spendenvolumen in Deutschland bei 12,5 Milliarden Euro. Diese Zahl zeigt, dass die Spendenbereitschaft in Deutschland weiterhin auf einem hohen Niveau bleibt. Die durchschnittliche Spendenhöhe und -quote pro Person blieb mit etwa 400 Euro nahezu konstant. Es zeigt sich jedoch ein Rückgang bei der Zahl der Spender. Nur noch 45 Prozent der Erwachsenen in Deutschland gaben 2024 eine Spende, was einen Rückgang von 6 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Der Rückgang in der Gesamtspendensumme beläuft sich auf etwa 1,6 Milliarden Euro im Vergleich zu 2023, als noch 14,1 Milliarden Euro gespendet wurden. Diese Veränderung ist unter anderem durch den Zensus 2022 bedingt. Die Spendenbereitschaft in Deutschland ist auch durch die anhaltende russische Invasion in der Ukraine und internationale Krisen beeinflusst, was zu einem „Gewöhnungseffekt“ geführt hat. Trotz der weiterhin andauernden Kriegsereignisse ist das Spendenvolumen insgesamt gesunken. Der Deutsche Spendenrat zeigt sich jedoch optimistisch, dass sich das Spendenverhalten in Deutschland 2024 wieder erholen könnte.

Einfluss von Einkommen und Alter auf die Spendenbereitschaft

Die Spendenbereitschaft in Deutschland variiert stark in Abhängigkeit von sozialem und demografischem Hintergrund. Ein zentraler Faktor ist das Haushaltsnettoeinkommen. Menschen mit niedrigerem Einkommen spenden weniger und seltener. Bei Haushalten mit einem Nettoeinkommen von unter 1.500 Euro lag die Spendenquote bei nur 25 Prozent, während die durchschnittliche Spendenhöhe bei 108 Euro lag. Bei Haushalten mit einem Einkommen über 4.000 Euro war die Spendenbereitschaft deutlich höher: 62 Prozent spendeten im Durchschnitt 524 Euro. Dieses Ungleichgewicht zeigt, wie stark die Spendenbereitschaft in Deutschland vom finanziellen Hintergrund beeinflusst wird. Auch das Alter spielt eine Rolle: Bei den 18- bis 34-Jährigen lag die Spendenquote bei 49 Prozent, während die Spendenbereitschaft bei den 50- bis 64-Jährigen mit 41 Prozent am niedrigsten war. Die Spendenhöhe und -quote sind hier ebenso unterschiedlich.

Weitere soziale Faktoren beeinflussen das Spendenverhalten

Die Spendenbereitschaft in Deutschland hängt auch von weiteren sozio-demographischen Faktoren wie Bildungsstand und Wohnort ab. Menschen mit höherer Bildung sind häufiger bereit zu spenden und geben mehr. So lag die Spendenquote bei Menschen mit höherem Bildungsabschluss um 7 Prozentpunkte höher als bei Personen mit mittlerer Reife. Auch der Unterschied zwischen West- und Ostdeutschland ist bemerkbar: Die Spendenhöhe war im Westen im Durchschnitt 224 Euro höher als im Osten. Männer spendeten im Schnitt auch mehr als Frauen, mit einer Differenz von 203 Euro.

Politische Zugehörigkeit beeinflusst das Spendenverhalten

Die politische Ausrichtung hat ebenfalls Auswirkungen auf die Spendenbereitschaft in Deutschland. Anhänger der Grünen gaben mit 609 Euro pro Person am meisten, während Anhänger der AfD mit nur 364 Euro deutlich weniger spendeten. Dieser Unterschied wird noch größer, wenn man Faktoren wie Alter, Einkommen und Bildung berücksichtigt. Wähler der Grünen spendeten in 59 Prozent der Fälle, was deutlich höher war als die 28 Prozent der AfD-Anhänger. Die Spendenhöhe variierte zudem signifikant zwischen den verschiedenen politischen Lagern, wobei Sympathisanten der Linken durchschnittlich 265 Euro weniger spendeten als Unionsanhänger.

Vertrauen in Spendenorganisationen als wichtiger Faktor

Ein entscheidender Aspekt für die Spendenbereitschaft in Deutschland ist das Vertrauen in die Organisationen, die Spenden sammeln. Hilfsorganisationen, die mit transparenten und verantwortungsvollen Kampagnen agieren, sind erfolgreicher darin, Spender zu gewinnen. Das Deutsche Spendensiegel spielt dabei eine zentrale Rolle, indem es Spendern hilft, vertrauenswürdige Organisationen auszuwählen. Seriöse Organisationen haben eine Verwaltungskostenquote von 10 bis 20 Prozent, die als angemessen gilt. Diese Transparenz trägt dazu bei, das Vertrauen in die Spendenorganisationen zu stärken.

Der emotionale Einfluss auf die Spendenbereitschaft

Ein weiteres wichtiges Element des Spendenverhaltens in Deutschland ist der emotionale Antrieb. Menschen spenden oft impulsiv und bevorzugen es, für konkrete Einzelschicksale zu spenden, die eine stärkere emotionale Bindung hervorrufen. Der sogenannte „Identifiable Victim Bias“ erklärt, warum individuell erzählte Geschichten häufiger zur Mobilisierung von Spenden führen als abstrakte Zahlen. Allerdings kann die ständige Konfrontation mit globalen Krisen auch zu einer gewissen Abstumpfung führen und die Spendenbereitschaft in Deutschland verringern. Effektives Spenden würde nicht nur den Organisationen finanziell helfen, sondern auch Zeit und Engagement von Freiwilligen fördern, was in diesen Zahlen nicht erfasst wird. Das zeigt, dass die Spendenbereitschaft in Deutschland zusammen mit ehrenamtlichem Engagement ein Ausdruck der Solidarität in Krisenzeiten bleibt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Haushalt vor Neuordnung: Europäischer Rechnungshof zweifelt an Reform
02.05.2026

Der geplante EU-Haushalt stellt die Finanzordnung der Europäischen Union vor einen tiefen Umbau und ruft den Europäischen Rechnungshof...

DWN
Politik
Politik Island wägt EU-Beitritt neu ab: Fischerei wird zum Schlüsselthema
02.05.2026

Die EU verstärkt ihre Annäherung an Island und bringt dabei insbesondere die Fischereiregeln erneut in die politische Debatte ein....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Phänomen Zeitarmut: Wenn Arbeit die Lebenszeit auffrisst - 5 hilfreiche Strategien
02.05.2026

Mehr Arbeiten? Der Tag hat nur 24 Stunden - warum immer mehr Menschen an ihre Grenzen stoßen und Berufstätigen bis zum Feierabend oft...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ford Tourneo Custom PHEV im Test: Großraum-Van fährt auch elektrisch
02.05.2026

Ein großer Van, der auch elektrisch fährt. Kann der Ford Tourneo Custom PHEV den Diesel ersetzen?

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Militärlogistik im Wandel: Lkw-Hersteller drängen in die Rüstungsindustrie
02.05.2026

Die Militärindustrie eröffnet europäischen Lkw-Herstellern neue Geschäftsfelder, in denen Nutzfahrzeuge zu vernetzten Einsatzsystemen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Studie der Allbright Stiftung: Frauenquote in Familienunternehmen bleibt niedrig
02.05.2026

Der Frauenanteil in den Führungsetagen deutscher Familienunternehmen stagniert seit Jahren auf niedrigem Niveau. Trotz wachsender Debatten...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kapitalmärkte im Umbruch: Anleger prüfen den Dollar als Leitwährung
02.05.2026

Die globale Finanzordnung gerät unter Druck, während die Rolle des Dollars als Leitwährung zunehmend hinterfragt wird. Welche Folgen hat...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Spirit stürzt ab, aber die Wall Street schließt größtenteils im Plus
01.05.2026

Ein turbulenter Handelstag bringt überraschende Wendungen und unerwartete Gewinner für Anleger.