Unternehmen

In die falsche Richtung: Gesamtmetall-Präsident Wolf erwartet weiteres Rezessionsjahr

Die Metall- und Elektroindustrie steckt in der Krise. Auch für 2025 erwartet Branchenpräsident Stefan Wolf keine Trendwende. Für die nächste Regierung hat er klare Forderungen - und ein Wunschbündnis.
31.12.2024 09:24
Aktualisiert: 31.12.2024 09:24
Lesezeit: 2 min
In die falsche Richtung: Gesamtmetall-Präsident Wolf erwartet weiteres Rezessionsjahr
Ein Mitarbeiter nimmt an einem Hochofen eine Probe des flüssigen Roheisens. Thyssenkrupp Steel hat im November angekündigt, dass die Zahl der Arbeitsplätze im Stahlbereich innerhalb von sechs Jahren um 11.000 auf dann noch 16.000 Stellen schrumpfen soll. (Foto: dpa) Foto: Federico Gambarini

Der Präsident des Branchenverbands Gesamtmetall, Stefan Wolf, blickt mit Sorge auf die Situation in der Metall- und Elektroindustrie. „Unsere Branche hat im vergangenen Jahr rund 45.800 Arbeitsplätze verloren“, sagte er zum Jahresausklang. Mehr als ein Drittel der Branchenmitglieder hätten im Dezember mit dem Abbau weiterer Arbeitsplätze geplant. „Ich befürchte, dass wir auch 2025 einen weiteren Stellenabbau erleben werden“, betonte der Präsident.

Branche auch nächstes Jahr in der Rezession

Die Auftragsbestände würden von den Unternehmen derzeit so schlecht beurteilt wie auf den Höhepunkten der Finanzkrise 2009 oder der Corona-Pandemie 2020. „Für 2024 erwarten wir daher insgesamt einen Produktionsrückgang von 6,5 Prozent“, sagte Wolf. Auch im kommenden Jahr sei keine Trendumkehr zu erwarten, sondern erneut ein Minus von 2,5 Prozent im Vergleich zu diesem Jahr. „Das heißt, wir bewegen uns in die falsche Richtung.“

Aufgabe der nächsten Bundesregierung sei es deshalb, Deutschland wieder zu einem wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort zu machen. „Und dazu gehören natürlich die richtigen politischen Rahmenbedingungen“, sagte der Funktionär.

Gesamtmetall fordert unter anderem den Abbau von Bürokratie insbesondere über eine Abschaffung des deutschen Lieferkettengesetzes. Es brauche Steuersenkungen und eine Begrenzung der Sozialversicherungsbeiträge auf 40 Prozent. Es brauche außerdem geringere Energiekosten vor allem über die Steuerung der Netzentgelte.

Wolf hofft auf schwarz-gelbe Koalition

Für die nächste Bundesregierung hat Wolf daher eine Wunschkoalition. „Meine Wunschkoalition ist natürlich Schwarz-Gelb, denn nur so kann die notwendige Wirtschaftswende in unserem Land gelingen“, sagte er. Mindestens aber brauche es ein liberales Element im Parlament. „Das war immer gut und ich glaube, wir brauchen das auch in der Zukunft, gerade angesichts der erstarkenden rechten und linken Ränder im Parlament.“

Für die Überwindung der Krise sieht Wolf indes auch die Betriebe in der Pflicht. „Eine Rolle spielt sicher auch, dass manche Unternehmen in der Vergangenheit vielleicht das eine oder andere nicht schnell genug und effizient genug angegangen sind“, sagte er, speziell mit Blick auf den derzeitigen Stellenabbau in der Automobilindustrie.

Für die Produktion elektrischer Motoren brauche es weniger Menschen als beim Verbrenner. Zudem seien zum Teil auch Stellen doppelt besetzt und nicht zuletzt könnten mittelfristig viele Verwaltungsaufgaben auch über Anwendungen der Künstlichen Intelligenz vereinfacht oder ersetzt werden. „Unternehmen und Beschäftigte müssen sich auf die Veränderungen einstellen“, sagte Wolf.

Protektionismus hat sich nie positiv ausgewirkt

Den Amtsantritt Donald Trump und die damit verbundene Gefahr von höheren Zöllen für Industrieprodukte auch aus Europa betrachte er mit „großer Sorge“. „Protektionistische Maßnahmen können kurzfristig für ein Land positiv sein, aber haben sich langfristig noch nie positiv ausgewirkt“, betonte der Präsident.

Wenn mit China und den USA zudem die zwei wichtigsten Märkte für die deutsche Industrie wegbrächen oder schrumpften, führe das zu schweren Ertragsproblemen. „Und ich sehe auch keinen Substitutionsmarkt. Wir haben Exporte von 9 Milliarden Euro in die Mercosur-Länder und 100 Milliarden Euro in die USA. Das zeigt schon die Verhältnisse.“ Auch die Hoffnung, dass Indien schnell zum Zukunftsmarkt werden könnte, habe sich bisher nicht bestätigt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

DWN
Immobilien
Immobilien Baubranche: Iran-Krieg lässt Kosten für Hausbauer steigen
24.04.2026

Beton, Stahl, Dämmstoffe: Viele Baumaterialien haben sich mit dem Krieg im Nahen Osten deutlich verteuert. Das belastet Hausbauer. Die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Druschba-Pipeline im Fokus: Russland greift in Öltransport ein
24.04.2026

Russland verschärft den Druck auf Europas Energieversorgung und rückt eine zentrale Pipeline erneut ins Zentrum geopolitischer...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lufthansa streicht freien Handgepäckkoffer
24.04.2026

Neuer Spartarif bei Lufthansa: Nur noch ein kleiner Rucksack oder eine Laptop-Tasche gratis – wer mehr will, zahlt drauf. Was das für...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Millionenhaftung nach Fehlurteil: Stiftung Warentest unterliegt vor Gericht
24.04.2026

Ein fehlerhaftes Testurteil kommt die Stiftung Warentest teuer zu stehen: Das Oberlandesgericht Frankfurt hat dem Rauchmelder-Hersteller...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ritter Sport streicht Stellen: Schokoladenhersteller erstmals von Stellenabbau betroffen
24.04.2026

2025 war kein einfaches Jahr für den Schokoladenhersteller Ritter Sport. Hohe Kosten für Kakao, Energie und Logistik drückten die Firma...

DWN
Technologie
Technologie KI als Jobvernichter: Welche Jobs gefährdet sind und welche nicht
24.04.2026

Künstliche Intelligenz macht viele Arbeitsplätze überflüssig. Doch nicht alle Branchen sind betroffen und es entstehen auch ganz neue...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street gibt nach und Ölpreis schießt in die Höhe, da die Spannungen um Hormus steigen
23.04.2026

Ein turbulenter Handelstag wirft Fragen auf: Erfahren Sie, welche treibenden Kräfte die globalen Märkte aktuell in Atem halten.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Neue Energiepläne der EU: Unsicherheit im Markt für Solaranlagen und Wärmepumpen
23.04.2026

Die EU-Energiepolitik setzt verstärkt auf Förderprogramme für Wärmepumpen und Solaranlagen, doch in der Installationsbranche wächst...