Panorama

Naturkatastrophen 2024: Versicherer stellt Rekordzahl für Schäden vor

Naturkatastrophen verursachen Schäden in Milliardenhöhe. Der jüngste Versicherungs-Report von Munich Re zeigt, wie hoch die Summe 2024 war. Eine wichtige Rolle spielt dabei zunehmend der Klimawandel, so der weltweit führende Rückversicherer.
11.01.2025 09:47
Aktualisiert: 11.01.2025 14:07
Lesezeit: 2 min

Laut dem Versicherer Munich Re haben Naturkatastrophen im Jahr 2024 überdurchschnittlich hohe Kosten verursacht. Die Schadenssumme nach Wirbelstürmen, Überschwemmungen und Waldbränden im letzten Jahr bezifferte sich weltweit auf einen mittleren dreistelligen Milliardenbetrag.

Geowissenschaftler des führenden DAX-Konzerns im Bereich Rückversicherung führen die hohen Versicherungskosten zunehmend auch auf den Klimawandel zurück, da höhere Temperaturen extreme Wetterereignisse begünstigen. "Die Welt ist so heiß wie nie zuvor", erklärte Chefklimatologe Tobias Grimm. "Das führt zu intensiveren Stürmen, stärkeren Unwettern und vermehrten Überschwemmungen."

Globale Schadenssumme lag 2024 bei 320 Milliarden US-Dollar

Konkret nannte das Unternehmen eine Schadenssumme von 320 Milliarden US-Dollar. Die Zahl umfasste alle globalen volkswirtschaftlichen Verluste, von denen 140 Milliarden versichert waren. Damit übertreffen die Zahlen den inflationsbereinigten Durchschnitt der letzten Jahrzehnte erheblich: Im 30-Jahres-Schnitt lagen die jährlichen Schäden bei 181 Milliarden US-Dollar, im 10-Jahres-Schnitt bei 236 Milliarden, so der Konzern.

Gemessen an den versicherten Schäden war 2024 das drittteuerste Jahr seit 1980, bei den Gesamtschäden rangiert es auf Platz fünf. "Nicht jedes Unwetter ist dem Klimawandel zuzuschreiben", sagte Grimm, "aber der Einfluss des Klimawandels wird immer offensichtlicher."

Die Munich Re dokumentiert seit Jahrzehnten globale Schäden durch Naturkatastrophen, da diese für die Berechnung von Versicherungsbeiträgen entscheidend sind. Als weltweit größter Rückversicherer schützt das Unternehmen Versicherungen vor finanziellen Risiken. Steigende Schäden bedeuten langfristig auch höhere Prämien für Policen, die Naturkatastrophen wie Stürme oder Überschwemmungen abdecken.

Naturkatastrophen: Nordamerika am stärksten betroffen

Versicherungen unterscheiden zwischen "Spitzengefahren" wie Wirbelstürmen oder Erdbeben und alltäglichen Risiken wie Gewittern und Hochwasser. "2024 erlebten wir beides: schadenreiche Hurrikane und eine Häufung von Unwettern und Überschwemmungen", erklärte Grimm. "Das erklärt, warum die Schäden 2024 weit über den Durchschnittswerten der vergangenen Jahre liegen."

Nordamerika bleibt die am schwersten betroffene Region. Hier summierten sich die volkswirtschaftlichen Schäden auf 190 Milliarden US-Dollar. "Das ist sowohl auf Hurrikane als auch auf eine außergewöhnlich intensive Tornadosaison zurückzuführen", erläuterte Grimm. Die beiden Hurrikane "Helene" und "Milton" allein verursachten Schäden in Höhe von 94 Milliarden Euro. Waldbrände in Kalifornien, die aktuell schwere Schäden anrichten, sind in der Statistik des Vorjahres noch nicht berücksichtigt. Allerdings zählt die Munich Re Kalifornien zu den Hochrisikogebieten, in denen der Klimawandel die Gefahr von Waldbränden erhöht.

Überschwemmungen in Valencia verursachten allein über 4 Milliarden US-Dollar

Auch in Europa steigen die Schäden durch Naturkatastrophen langfristig. 2024 beliefen sich die Gesamtschäden in Europa auf 31 Milliarden US-Dollar, davon waren 14 Milliarden versichert. "Die Überschwemmungen in Valencia verursachten allein über 4 Milliarden US-Dollar an versicherten Schäden", berichtete Grimm.

"Extreme Wetterereignisse machen vor keiner Region halt", so Grimm weiter. Ein Beispiel sei die Überschwemmung in Dubai im April 2024 – einem Wüstenstaat, in dem normalerweise nur geringe Niederschläge verzeichnet werden. "Der Klimawandel zeigt seine Wirkung. Er macht sich weltweit bemerkbar", betonte er.

Zahl der Todesopfer nach Naturkatastrophen sinkt dank Prävention

Die Zahl der Todesopfer war 2024 mit 11.000 vergleichsweise niedrig. Grimm führte dies auf Präventionsmaßnahmen zurück, insbesondere in Regionen wie Ost- und Südostasien, die ihre Schutzsysteme gegen Taifune und Erdbeben erheblich verbessert haben.

Langfristige Prognosen für Naturkatastrophen sind schwierig, doch die ungewöhnlich hohen Wassertemperaturen in den Weltmeeren könnten eine aktive Wirbelsturmsaison im nächsten Sommer begünstigen. "Die Temperaturen der Ozeane sind ein Schlüsselfaktor bei der Entstehung tropischer Wirbelstürme", sagte Grimm. "Je wärmer das Wasser, desto mehr Feuchtigkeit kann verdunsten und desto intensiver werden die Regenfälle. Eine Abkühlung der Ozeane ist derzeit nicht in Sicht."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Panorama
Panorama Immer mehr Deutsche ziehen nach Polen: Das steckt hinter dem Trend
07.11.2026

Deutsche kommen längst nicht mehr nur nach Polen, um ihr Auto zu betanken oder deutlich günstiger im Supermarkt einzukaufen. Sie kommen...

DWN
Finanzen
Finanzen Poker um EZB-Spitze: Wer folgt auf Christine Lagarde?
07.11.2026

Die Eurostaaten suchen nach einem neuen Präsidenten für die Europäische Zentralbank. Schon in wenigen Tagen könnte über die Nachfolge...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KfW-ifo-Mittelstandsbarometer: Mittelstand hofft auf Aufschwung – doch beim Personal bleibt die Bremse angezogen
07.11.2026

Deutschlands Mittelstand gewinnt wieder Zuversicht: Das Geschäftsklima hat sich im Oktober zum sechsten Mal hintereinander verbessert....

DWN
Technologie
Technologie Dacia Duster im Test: Wenn die Reichweite an der Grenze zur Unwahrscheinlichkeit liegt
07.11.2026

1.410 Kilometer Reichweite, Allradantrieb und drei Antriebstechnologien in einem Auto: Der Dacia Duster Hybrid 4x4 verspricht erstaunlich...

DWN
Politik
Politik Schweden bestätigt Taurus-Lieferung: Marschflugkörper erreicht mehr als 500 Kilometer
07.11.2026

Schweden hat erstmals bestätigt, bereits Taurus-Marschflugkörper erhalten zu haben. Die Waffe kann Ziele in mehr als 500 Kilometern...

DWN
Finanzen
Finanzen 26 Prozent an einem Tag: Warum Duolingo plötzlich an meinen Chipaktien vorbeizieht
07.11.2026

Für meine Chipaktien war es ein schlechter Börsentag: Nvidia, Micron und Iren gerieten deutlich unter Druck. Ganz anders Duolingo. Die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Polestar 5 im Test: Angriff auf Porsche und Audi – mehr Luxus für weniger Geld?
07.11.2026

Mit dem Polestar 5 wollen die Schweden Porsche und Audi im Luxussegment angreifen. Bis zu 884 PS, 678 Kilometer Reichweite und elektrisch...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Wertvollste Marken 2026: Apple ist auf Platz eins, Tesla hat am meisten verloren
07.11.2026

Welche Unternehmen führen das Ranking der wertvollsten Marken 2026 an, welche gewinnen besonders stark und welche verlieren an Bedeutung?...