Technologie

Bundeswehr soll Waffen gegen Drohnen einsetzen dürfen

Die Bundeswehr darf künftig Drohnen abschießen. Damit soll Spionage, Sabotage und Anschlägen vorgebeugt werden. Das Gesetz kommt nächste Woche ins Bundeskabinett.
10.01.2025 13:57
Aktualisiert: 10.01.2025 13:57
Lesezeit: 2 min

Zur Abwehr erheblicher Gefahren soll die Bundeswehr verdächtige Drohnen künftig auch abschießen dürfen. Das sieht ein Entwurf für eine Änderung des Luftsicherheitsgesetzes vor, der den Streitkräften auch "Waffengewalt gegen unbemannte Luftfahrzeuge" ermöglicht, um einen besonders schweren Unglücksfall zu verhindern. Der Entwurf lag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vor und sollte in der kommenden Woche im Bundeskabinett behandelt werden.

Als Begründung heißt es, in Deutschland komme es regelmäßig zu illegalen Flügen unbemannter Drohnen über Einrichtungen der kritischen Infrastruktur. Dazu zählen Anlagen aus Energieversorgung, Telekommunikation, Verkehr und Industrie. Mutmaßlich würden diese Flüge "von einem staatlichen Akteur zu Sabotagezwecken und möglicherweise terroristischen Zielen" durchgeführt.

Zunahme illegaler Drohnenflüge

In jüngster Zeit haben solche Überflüge deutlich zugenommen. Berichte liegen vor von Ausbildungsstätten für ukrainische Soldaten, dem US-Militärflugplatz Ramstein und sicherheitsrelevanten Unternehmen. Die Zugriffsmöglichkeiten von Polizei und Militär bleiben jedoch gering. Nur selten werden die Verursacher gefasst.

Faeser und Pistorius: Maßnahmen gegen Drohnengefahr

Im November umflog eine verdächtige Drohne in Hamburg den britischen Flugzeugträger "Queen Elizabeth", der dort vor Anker lag. Die Bundeswehr bestätigte den Vorfall und entsandte einen Drohnenabwehrtrupp mit dem Störsender "Effektor" HP-47, der jedoch wirkungslos blieb.

Nach Informationen der dpa diskutierten Innenministerin Nancy Faeser und Verteidigungsminister Boris Pistorius (beide SPD) am 16. Dezember über ein härteres Vorgehen gegen Drohnen. Formal geht es um die Unterstützung der Polizeibehörden bei der Gefahrenabwehr im Luftraum.

Das aktuelle Luftsicherheitsgesetz erlaubt der Bundeswehr bisher nur, milde Maßnahmen zu ergreifen: etwa Fluggeräte abdrängen, zur Landung zwingen oder Warnschüsse abgeben. Der Einsatz von Waffengewalt ist bislang verboten, soll aber künftig gegen unbemannte Flugkörper erlaubt werden.

Hohe Hürden für den Waffeneinsatz

Die Hürden für einen solchen Einsatz sollen hoch bleiben. Die Bundeswehr kann die Polizei vor allem unterstützen, wenn katastrophale Schäden oder Gefahren für Leib und Leben drohen. Beispiele sind Flugzeug- oder Eisenbahnunglücke, der Ausfall des Stromnetzes oder Terroranschläge.

Vergangene Entscheidungen des Verfassungsgerichts

2006 stoppte das Bundesverfassungsgericht eine Änderung des Luftsicherheitsgesetzes, die den Abschuss gekaperter Passagierflugzeuge erlauben sollte. Die Richter argumentierten, dies sei mit dem Grundrecht auf Leben und der Menschenwürde nicht vereinbar.

Bei unbemannten Flugkörpern stellt sich die Lage jedoch anders dar. Laut einem Arbeitspapier sei die Anpassung an aktuelle Gefahren im Luftraum gerechtfertigt.

Offene Fragen zur Verantwortlichkeit

Noch bestehen Unklarheiten. Wenn die Bundeswehr die Polizei unterstützt, bleibt die Entscheidungshoheit über Einsätze bei der Polizei. Die genauen Verfahren für eine Zustimmung müssen noch festgelegt werden.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums wollte das Vorhaben am Freitag "weder bestätigen noch dementieren", da es keinen Kabinettsbeschluss gibt und Abstimmungen noch laufen. "Seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine sehen wir eine deutliche Zunahme an Drohnenvorfällen", sagte er. Drohnen würden zunehmend so gebaut, dass sie "weniger anfällig für technische Störungen" seien.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Industrie enttäuscht: Auftragseinbruch um 11,1 Prozent nach Großauftrags-Boom
09.03.2026

Die deutsche Industrie ist mit einer deutlichen Enttäuschung in das Jahr 2026 gestartet. Laut Daten des Statistischen Bundesamtes sanken...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Spritpreise aktuell: Preiszuwachs an Tankstellen verlangsamt sich
09.03.2026

Autofahrer können vorerst leicht aufatmen, da der steile Aufwärtstrend bei den Kraftstoffpreisen an deutschen Tankstellen an Schwung...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preiswende im Kühlregal: Butter wird für Verbraucher wieder teurer
09.03.2026

Nach einer Phase sinkender Preise müssen Kunden in Deutschland für Butter wieder tiefer in die Tasche greifen. Führende Discounter und...

DWN
Politik
Politik Geopolitische Zeitenwende: Von der Leyen fordert radikalen Kurswechsel der EU
09.03.2026

Die alte Weltordnung ist Geschichte: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen drängt angesichts der globalen Instabilität auf eine...

DWN
Politik
Politik Neue EU-Strategie: Brüssels Plan für die Zukunft von Häfen und Werften
09.03.2026

Europas Lebensadern auf dem Prüfstand: Nach langer Wartezeit hat die EU-Kommission ihre neue maritime Strategie enthüllt. In zwei...

DWN
Politik
Politik Pflicht Widerrufsbutton 2026: Was Onlinehändler und Verbraucher jetzt wissen sollten
09.03.2026

Ein neues Gesetz, ein neuer Button, viele offene Fragen: Wer seine Bestellung stornieren oder einen Vertrag widerrufen möchte, soll das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ölpreis-Explosion: G7-Staaten beraten über Freigabe von Notreserven
09.03.2026

Der Druck auf die Zapfsäulen weltweit wächst: Angesichts rasanter Preissprünge am Ölmarkt greifen die G7-Staaten nun zu einem ihrer...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Showdown in Brüssel: Letzte Woche für Musks X vor Rekordstrafe
09.03.2026

Das Ultimatum aus Brüssel steht: Für Elon Musks Nachrichtendienst X beginnt die entscheidende Woche im Machtkampf mit der Europäischen...