Immobilien

Wohneigentumsquote erreicht historischen Tiefstand: Was bedeutet das für die Bürger?

Die Wohneigentumsquote in Deutschland ist 2022 auf nur noch 43,6 Prozent gesunken – ein kontinuierlicher Rückgang. Das Pestel-Institut kritisiert die politische Lage und warnt vor den Folgen steigender Mieten. Besonders für Durchschnittsverdiener ist der Erwerb von Wohneigentum nahezu unmöglich geworden.
18.01.2025 07:55
Lesezeit: 3 min
Wohneigentumsquote erreicht historischen Tiefstand: Was bedeutet das für die Bürger?
Die sinkende Wohneigentumsquote in Deutschland zeigt sich besonders in den Städten, wo die Mieten stetig steigen. (Foto: dpa) Foto: Daniel Bockwoldt

Der ohnehin schon niedrige Anteil der Wohnungseigentümer in Deutschland im europäischen Vergleich ist laut einer neuen Studie weiter gesunken. Im Jahr 2022 wohnten nur noch 43,6 Prozent der Haushalte in den eigenen vier Wänden, was einen Rückgang von gut einem Prozentpunkt im Vergleich zu 2011 darstellt, so das Pestel-Institut unter Berufung auf die Mikrozensus-Zahlen von 2022. Damit ist der langsame, jedoch stetige Anstieg der Wohneigentumsquote in den vergangenen Jahrzehnten gestoppt.

Vorwurf an den Bund: Chance auf Wohneigentum „gleich null“

Im Vergleich zu 19 europäischen Ländern liegt Deutschland laut der Studie auf dem zweitletzten Platz. Lediglich in der Schweiz leben noch weniger Menschen im Eigentum. Matthias Günther, Chef-Ökonom des Pestel-Instituts, führt die Entwicklung auf „politisches Versagen“ zurück und erklärt: „Für Durchschnittsverdiener ist die Chance auf Wohneigentum heute gleich null.“ Die Studie, die auf der Münchener Messe „Bau“ vorgestellt wurde, wurde vom Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) in Auftrag gegeben.

Österreich liegt vor Deutschland

Im Vergleich der 19 europäischen Länder führt die Slowakei mit einer Wohneigentumsquote von rund 90 Prozent. Unter den deutschsprachigen Ländern schneidet Österreich am besten ab, dort liegt die Wohneigentumsquote deutlich über der 50-Prozent-Marke.

Deutschland: Regionale Unterschiede bei der Wohneigentumsquote

Innerhalb Deutschlands gibt es laut dem Pestel-Institut erhebliche regionale Unterschiede: In Leipzig liegt die Eigentumsquote bei nur 13,3 Prozent, was den letzten Platz im Bundesvergleich bedeutet. Der Landkreis Südwestpfalz in Rheinland-Pfalz liegt mit 72,3 Prozent an der Spitze. Auf den Bundesländern betrachtet führt das Saarland mit 58,6 Prozent, gefolgt von Rheinland-Pfalz mit 53,5 Prozent. Auch Baden-Württemberg und Niedersachsen haben mit rund 50 Prozent einen deutlich höheren Anteil an Wohnungseigentümern als der Bundesdurchschnitt. Berlin bildet mit 15,8 Prozent das Schlusslicht, noch hinter Hamburg mit 21,2 Prozent.

Wohneigentumsquote in Städten deutlich niedriger als im ländlichen Raum

Im städtischen Bereich ist die Wohneigentumsquote mit nur 25 Prozent weniger als halb so hoch wie in den ländlichen Regionen. Laut dem Pestel-Institut liegt der durchschnittliche Anteil von Wohnungseigentümern in Landkreisen bei 52,2 Prozent.

Mietanstieg fördert Altersarmut

Ein weiterer negativer Aspekt der Entwicklung sind die stetig steigenden Mieten in den Städten, die zur Altersarmut beitragen. Matthias Günther, Studienleiter, äußerte sich dazu: „Für viele Seniorenhaushalte wird die Miete zur K.O.-Miete“, was bedeutet, dass ältere Mieter sich ihre Wohnungen nicht mehr leisten können und deswegen gezwungen sind, umzuziehen.

Vergleich von Eigentümern und Mietern: Deutliche Unterschiede im Alter

In einer Modellrechnung vergleicht das Institut zwei Haushalte mit gleichem Durchschnittseinkommen, jeweils einem Vollzeit- und einem Teilzeitverdiener, die in einer 100-Quadratmeter-Wohnung leben. Beim Erreichen des Rentenalters bleibt dem Eigentümerhaushalt nach Abzug aller Kosten ein Betrag von 2200 Euro netto zum Leben, während dem Mieterhaushalt lediglich 1450 Euro zur Verfügung stehen. „Die Miete zwingt die Menschen dazu, im Alter den Gürtel erheblich enger zu schnallen“, sagte Günther dazu.

Forderung: Der Bund muss den Erwerb von Wohneigentum fördern

Der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel und das Pestel-Institut fordern gemeinsam, dass der Bund den Erwerb von Wohneigentum stärker unterstützt. „Das Bundesbauministerium hat bislang zielsicher am Wohnungsmarkt und damit am Leben der Menschen vorbei gefördert“, kritisierte BDB-Präsidentin Katharina Metzger.

Erhebungen des Mikrozensus 2022 und die erschwerte Lage auf dem Immobilienmarkt

Die aktuellen Daten des Pestel-Instituts stammen aus dem Mikrozensus 2022. Gleichzeitig deuten Erhebungen von Immobilienverbänden, Banken und Kreditvermittlern darauf hin, dass sich die Lage sowohl für Mieter als auch für Kaufinteressenten in den vergangenen zwei Jahren weiter verschärft hat.

Für Mieter hat sich die Lage seit 2022 deutlich verschärft

Beispielsweise sind laut dem Immobilienverband Deutschland Süd die Neuvertragsmieten in München von Frühjahr bis Herbst 2024 um 4,4 Prozent gestiegen, obwohl der Preisrückgang bei zum Kauf angebotenen Immobilien noch nicht vollständig gestoppt ist. Der Neubau von Eigentumswohnungen und -häusern hat seit 2022 stark nachgelassen, da der gleichzeitige Anstieg von Zinsen und Baukosten den Kauf für viele Interessierte unerschwinglich gemacht hat. Fachleute und Ökonomen erwarten auch im Jahr 2025 einen Rückgang des Wohnungsbaus. Da der Wohnungsbedarf in den Städten weiterhin hoch bleibt, ist mit weiter steigenden Mieten zu rechnen.

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