Politik

Scholz in Paris bei Macron: „Europa wird sich nicht ducken“

Zwei Tage nach der Vereidigung Trumps stimmen Scholz und Macron sich ab, wie sie mit dem Kurswechsel in der US-Politik umgehen wollen. Sie zeigen sich zunächst einmal einig.
22.01.2025 17:16
Aktualisiert: 22.01.2025 17:16
Lesezeit: 2 min
Scholz in Paris bei Macron: „Europa wird sich nicht ducken“
Bundeskanzler Olaf Scholz nimmt neben Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, an einem Pressestatement nach dem gemeinsamen Gespräch in Paris teil. (Foto: dpa) Foto: Michael Kappeler

Bundeskanzler Olaf Scholz und der französische Präsident Emmanuel Macron haben sich gemeinsam dafür ausgesprochen, dem neuen Kurs der US-Regierung unter Präsident Donald Trump mit einem selbstbewussten und geeinten Europa zu begegnen. „Wir sind stark, wir stehen zusammen“, sagte Scholz zwei Tage nach der Vereidigung Trumps bei einem Kurzbesuch in Paris. „Europa wird sich nicht ducken und verstecken, sondern ein konstruktiver und selbstbewusster Partner sein.“ Auf dieser Basis wolle man mit Trump zusammenarbeiten.

Er sei sich mit Macron einig: „Europa muss stark und widerstandsfähig sein, in einer Welt, die - um es ganz vorsichtig auszudrücken - in Bewegung ist.“ Präsident Trump werde eine „Herausforderung“ werden, bei der man auf das stabile Fundament der transatlantischen Partnerschaft aufbauen wolle.

Macron: Europa muss seine Rolle „komplett ausspielen“

Macron sagte, es liege nun mehr denn je „an uns Europäern und somit an unseren beiden Ländern, ihre Rolle komplett auszuspielen, um ein geeintes, starkes und souveränes Europa zu sichern.“ Es gehe um ein Europa, dass sich der transatlantischen Verbindung verbunden fühle, aber auch seine eigenen Interessen verteidigen könne.

Dafür müssten auch die Verteidigungsausgaben steigen, mahnte Macron. Europa müsse bei der Verteidigung vor allem eigene industrielle Grundlagen schaffen. „Die Priorität der Europäer muss heute mehr denn je unser Europa und allen voran unsere Wettbewerbsfähigkeit, unser Wohlstand, unsere Sicherheit sein.“

Trump hat erste Pflöcke eingerammt

Der Anlass für den Besuch war das 62. Jubiläum des Élysée-Vertrags über die deutsch-französische Freundschaft. Im Mittelpunkt stand aber der Amtsantritt Trumps, der schon in seiner Antrittsrede erste Pflöcke eingerammt hat, die auch Europa betreffen. Unter anderem bekräftigte er, dass er Importzölle plane, um die einheimische Wirtschaft zu stärken. Ob und wann er sie auch gegen Europa richten werde, ließ er aber offen. Außerdem kündigte Trump das Pariser Klimaschutzabkommen und die Mitgliedschaft in der Weltgesundheitsorganisation auf.

Macron: Agenda für Europa verstärken

Macron sprach sich dafür aus, die Zusammenarbeit mit Deutschland weiter zu verstärken und die Entwicklung Europas gemeinsam voranzutreiben. „Deutschland und Frankreich wollen in der Tat diese Agenda, die wir für Europa festgelegt haben, beschleunigen“, sagte er.

Deutschland und Frankreich schritten Hand in Hand voran und seien von der Zusammenarbeit überzeugt. „Angesichts der Herausforderungen und der manchmal aufkommenden Sorgen ist das Paar, das wir bilden, solide.“ Es habe sich in den vergangenen 62 Jahren gezeigt, „dass wir gemeinsam die Fähigkeit haben und auch unsere Partner überzeugen können, indem wir neue Projekte für dieses Europa vorantreiben.“ Nötig seien in den aktuellen Zeiten mehr Ehrgeiz, Kühnheit und mehr Unabhängigkeit.

Scholz gegen Strafzahlungen für europäische Autokonzerne

Scholz sprach sich erneut gegen Strafzahlungen für europäische Autokonzerne aus, die intensiv in die E-Mobilität investiert haben, aber noch nicht ausreichend Fahrzeuge dieser Art verkaufen. Zudem warb er für einen europäischen Gipfel, um die Stahlindustrie zu schützen, und den Bürokratieabbau in Europa weiter voranzutreiben.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI-Chips aus Sachsen: Infineon eröffnet im Juli neue Chipfabrik in Dresden
20.02.2026

Es ist die größte Investition in der Unternehmensgeschichte von Infineon. Fünf Milliarden Euro investiert Deutschlands größter...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Krka Generika: Wie Innovationen Preise und Märkte revolutionieren
20.02.2026

Der slowenische Pharmakonzern Krka entwickelt Generika, die den Markt verändern und Patienten besser versorgen sollen. Trotz fallender...

DWN
Politik
Politik NATO unter Druck: USA drängen auf Ende der Irak-Mission und Truppenabbau im Kosovo
20.02.2026

Die USA drängen in der NATO auf einen Kurswechsel und stellen Auslandseinsätze zunehmend infrage. Steht das Bündnis vor einer...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB verhängt Millionenstrafe gegen US-Großbank J.P. Morgan
20.02.2026

Die EZB nimmt das amerikanische Geldhaus ins Visier, weil es den Aufsehern über Jahre falsche Zahlen gemeldet habe. Damit hat J.P. Morgan...

DWN
Politik
Politik KEF-Bericht: Kommt eine neue Empfehlung zum Rundfunkbeitrag?
20.02.2026

Eine Expertenkommission legt einen neuen Bericht zum Rundfunkbeitrag vor. Diesmal könnte auch eine aktualisierte Empfehlung zur...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Breite Allianz für faire Bezahlung: Mehrheit fordert Tarifpflicht bei Staatsaufträgen
20.02.2026

In der Debatte um die Verwendung öffentlicher Gelder zeichnet sich ein deutlicher Stimmungsumschwung ab: Eine große Mehrheit der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Konjunktureller Frühling: Unternehmensstimmung in der Eurozone überrascht positiv
20.02.2026

Die Wirtschaft in der Eurozone startet mit unerwartetem Rückenwind in das Frühjahr, da sich die Stimmung in den Unternehmen im Februar...

DWN
Politik
Politik Pakt für den Sozialstaat: Grüne signalisieren Union und SPD Reformbereitschaft
20.02.2026

Die Fraktionsspitze der Grünen zeigt sich offen für einen parteiübergreifenden Schulterschluss, um den deutschen Sozialstaat grundlegend...