Panorama

Generation Beta: Eine neue Alterskohorte prägt unsere Zukunft - mehr als nur ein Label?

Seit dem 1. Januar dieses Jahres wird die "Generation Beta" geboren – die nächste Alterskohorte nach der Generation Z. Experten wie Rüdiger Maas und Klaus Hurrelmann werfen einen kritischen Blick auf die Bedeutung solcher Etiketten und beleuchten, wie die neue Generation durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz geprägt werden könnte.
01.02.2025 16:03
Lesezeit: 3 min

Seit dem 1. Januar dieses Jahres werden sie geboren – die Angehörigen der Generation Beta. So berichten es englischsprachige Medien, die sich auf Demografen und Soziologen stützen. Auch in Deutschland findet diese Einteilung zunehmend Beachtung.

Die Generation Beta stellt die nächste Alterskohorte bis etwa 2040 dar. Vor ihr waren die Generationen Alpha und Z (auch Gen Z genannt) die Vorgänger. Doch wie fundiert und sinnvoll sind solche Etiketten eigentlich?

"Es handelt sich eher um populärwissenschaftliche Kategorien", sagt der Generationenforscher Rüdiger Maas, Autor des Buches "Konflikt der Generationen".

Der Soziologe und Jugendforscher Klaus Hurrelmann erklärt: "Die Einteilungen haben sich besonders im Marketing und in der Werbung etabliert, aber auch in der Wissenschaft."

Boomer und Millennials

Alle etwa 15 Jahre erscheint eine neue Generation. Auf die zahlreichen und selbstbewussten Babyboomer folgte von 1965 bis 1979 die Generation X oder Generation Golf, die von hoher Arbeitslosigkeit geprägt war.

Es folgte die Generation Y, auch Millennials genannt, die zwischen 1980 und 1994 oder bis Ende der 90er Jahre geboren wurde. Sie erlebte in ihrer Jugendphase nicht mehr den Ost-West-Konflikt, aber dafür die Terroranschläge vom 11. September 2001 und die Finanzkrise.

Die zwischen 1995 und 2010 Geborenen gehören zur Gen Z, die in den letzten Jahren häufig in den Schlagzeilen war, unter anderem aufgrund von Vorwürfen, es fehle ihr an guter deutscher Arbeitsmoral.

Glaube an Generationen hat etwas von Sternzeichen

Natürlich sind diese Einteilungen teilweise willkürlich – die Kinder, die seit dem 1. Januar zur Welt kamen, unterscheiden sich nicht von denen, die Ende 2024 geboren werden. "Das hat eher etwas von Sternzeichen", meint Maas.

Auch werden häufig Phänomene mit bestimmten Altersgruppen verbunden, die diese gar nicht im Ganzen kennzeichnen. Maas nennt als Beispiel die Gleichsetzung der Gen Z mit Fridays for Future und Nachhaltigkeit. Eine Studie seines Instituts für Generationenforschung zeigt, dass sich nur etwa 15 Prozent der jungen Menschen damit identifiziert haben.

Kriege und technische Neuerungen prägen die Persönlichkeit

Unbestreitbar ist, dass es Generationenunterschiede gibt. Dies zeigt sich schon in alltäglichen Dingen: Die älteren Generationen klingeln noch an Haustüren, anstatt eine WhatsApp-Nachricht zu schicken: "Stehe unten." Sie telefonieren gerne und häufig, anstatt Sprachnachrichten zu senden.

"Die Grundidee von Alterskohorten ist nachvollziehbar", sagt Hurrelmann im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. "Kriege, Umwälzungen und technische Neuerungen hinterlassen Spuren in der Persönlichkeit von Menschen, vor allem in der Jugendzeit, in der sie für ihr Leben geprägt werden. Natürlich ist jeder einzigartig, doch es gibt viele Gemeinsamkeiten." Besonders die Generation, die um 2020 in die Pubertät kam, wurde stark von der Corona-Pandemie beeinflusst.

Heutige Teenager – eine Generation Corona?

"Studien zeigen, dass dies zu erheblicher Verunsicherung geführt hat. Man könnte sogar von einer 'Generation Corona' sprechen." Dabei ist zu beachten, dass die Erfahrungen nicht für alle gleich waren: "Es spielt eine große Rolle, ob man die Pandemie in einem stabilen Elternhaus erlebt hat, in dem die Eltern gut verdienten und Homeoffice möglich war, oder ob die Eltern wirtschaftliche Probleme hatten." Solche Unterschiede werden durch die stereotypen Einteilungen in Generationen leicht übersehen.

Was die Generation Beta erleben wird

Maas erklärt: "Von einer neuen Generation kann man sprechen, wenn sich die Lebensbedingungen deutlich verändern." Die Generation Z – geboren zwischen 1995 und 2010 – ist beispielsweise die erste Generation, die von Anfang an mit Social Media und dem Cyberraum vertraut ist. Die Auswirkungen dieser Entwicklung sind kaum abzuschätzen.

"Die Angehörigen der Generation Z fassen ihr Smartphone 4000- bis 5000-mal am Tag an und entsperren es Hunderte Male", sagt Maas. "Man kann wohl sagen, dass noch nie in der Geschichte ein Objekt so oft genutzt wurde."

Für die, die seit dem 1. Januar den Namen "Generation Beta" tragen, erwartet Maas, dass sie noch stärker digitalisiert sein werden, vor allem durch den Einfluss von Künstlicher Intelligenz (KI). "Sie werden überwiegend in Berufen arbeiten, die es heute noch gar nicht gibt. Sie werden in einen Arbeitsmarkt eintreten, in dem es keine Erfahrungswerte gibt und niemanden, der sie einarbeitet – sie sind die Ersten."

In einer Welt, in der es immer schwieriger wird, zu wissen, welchen Daten man vertrauen kann, wird die Unterscheidung zwischen echten und KI-generierten Inhalten immer wichtiger. Maas ist überzeugt: "Die Lebensrealität der heutigen Babys wird durch KI nicht einfacher, sondern deutlich komplexer und herausfordernder."

Hurrelmann meint, dass man über die Generation Beta noch nicht viel Verlässliches sagen kann – abgesehen von einem Punkt: Es wird voraussichtlich eine sehr kleine Generation werden, da die Geburtenzahlen sinken. "Schon bei der aktuellen Bundestagswahl waren 60 Prozent der Wahlberechtigten 50 Jahre oder älter. Die Generation Beta wird daran nichts ändern."

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mindestlohn: Lohnerhöhungen führen zu Preissteigerungen und Stellenabbau
21.01.2026

Schritt für Schritt steigt der Mindestlohn in Deutschland - das führt zu einer Welle von Lohnerhöhungen. Wie die Unternehmen nun...

DWN
Politik
Politik Kabinett bringt digitales Führungszeugnis auf den Weg
21.01.2026

Wer ehrenamtlich Fußball-Nachwuchs trainiert, braucht es, wer als Kaufhausdetektiv arbeitet auch: Das Führungszeugnis soll künftig...

DWN
Finanzen
Finanzen Steuererklärung 2025: Fristen, Formulare, Fallstricke – so vermeiden Sie typische Fehler
21.01.2026

Die Steuererklärung 2025 muss kein Stressfaktor sein – wenn Sie frühzeitig die richtigen Unterlagen sammeln. Viele verschenken jedes...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mehr arbeiten - wofür? Arbeit als Sinn des Lebens verliert an Bedeutung
21.01.2026

Kanzler Merz fordert mehr Leistung, mehr Einsatz, mehr Arbeitsstunden: Doch für viele Menschen steht das Ziel, mit Freude eine sinnvolle...

DWN
Finanzen
Finanzen Ära der Milliardäre: Vermögen von Milliardären legt rasant zu
21.01.2026

Debattenstoff für das Weltwirtschaftsforum in Davos: Seit 2020 wurden Milliardäre inflationsbereinigt um mehr als 80 Prozent reicher....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Stahlbranche: Stahlproduktion 2025 gesunken - Krise dauert an
21.01.2026

Strompreise, Importdruck, schwache Nachfrage: Warum die deutsche Stahlbranche auch 2025 unter massiven Problemen leidet – und was die...

DWN
Finanzen
Finanzen Digitalwährung: Sparkassenverband sieht digitalen Euro kritisch
21.01.2026

Verbandspräsident Hirsch sieht hohe Kosten und keinen Nutzen für Kunden. Außerdem wirft er Fragen zu möglichen Rollenkonflikten bei der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Neue Unternehmensform EU Inc: EU will Firmen-Registrierung in 48 Stunden möglich machen
21.01.2026

Firmengründer sollen neue Unternehmen in der EU künftig innerhalb von 48 Stunden online anmelden können. Das kündigt...