Politik

Grönland-Übernahme? Dänemark zieht Lehren aus Trumps Forderungen

Donald Trumps Forderung nach Grönland schockierte viele, doch Dänemarks Regierung sieht darin eine Chance. Europa müsse seine Verteidigungsbereitschaft überdenken und sich unabhängiger von den USA machen. Der Vorstoß habe wichtige Diskussionen angestoßen. Eine Umfrage zeigt: Auch auf Grönland selbst herrscht klare Ablehnung gegenüber den Plänen aus Washington.
30.01.2025 05:58
Aktualisiert: 30.01.2025 07:35
Lesezeit: 1 min

Dänemark: Trumps Grönland-Interesse als Weckruf für Europa

Der US-Präsident habe einen entscheidenden Punkt angesprochen, sagt Dänemarks Außenminister. Der Verteidigungsminister spricht von einem befreienden Weckruf.

Zwei führende Minister der dänischen Regierung erkennen den umstrittenen Grönland-Aussagen von US-Präsident Donald Trump positive Aspekte ab. Trump sende ein sehr klares Signal an Europa, dass die Zeiten vorbei seien, in denen man darauf vertrauen konnte, dass die USA die sicherheitspolitischen Kosten tragen, sagte Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen der Zeitung "Politiken".

"Diesen Weckruf halte ich in vielerlei Hinsicht für befreiend", betonte er. "Denn nun bekommen wir eine Debatte über Europas Verteidigungsbereitschaft, nicht nur darüber, in welchem Maß wir erwarten, dass die Amerikaner weiterhin für unsere Sicherheit sorgen."

Außenminister Lars Løkke Rasmussen sieht ebenfalls eine mögliche positive Folge der turbulenten Situation um Trumps Begehrlichkeiten. Trump habe in der Vergangenheit häufiger wichtige Punkte angesprochen, und selten hätten seine Aussagen nichts mit der Realität zu tun, sagte Løkke der Zeitung "Berlingske".

Umfrage: Klare Mehrheit auf Grönland gegen US-Übernahme

Trump hat in den vergangenen Wochen wiederholt sein Interesse an Grönland bekundet, das zwar weitgehend autonom ist, aber offiziell zum Königreich Dänemark gehört. Er schloss dabei weder wirtschaftlichen noch militärischen Druck aus, um die Kontrolle über die größte Insel der Welt zu erlangen. Die dänische Regierung um Ministerpräsidentin Mette Frederiksen bemüht sich seither um einen diplomatischen Balanceakt, um Trumps Forderungen zurückzuweisen, ohne den wichtigsten Verbündeten und Handelspartner des Landes vor den Kopf zu stoßen.

Auf Grönland selbst deutet eine Befragung darauf hin, dass eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung dagegen ist, dass ihre Insel US-Territorium wird: Rund 85 Prozent von knapp 500 repräsentativ ausgewählten Befragten sprachen sich in einer Umfrage im Auftrag von "Berlingske" und der grönländischen Zeitung "Sermitsiaq" dagegen aus, aus der sogenannten Reichsgemeinschaft mit Dänemark auszutreten und stattdessen Teil der USA zu werden. Nur sechs Prozent waren demnach dafür, neun Prozent zeigten sich unentschlossen. Grönland hat knapp 57.000 Einwohner.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Trumps Verrat wird weitergehen
22.10.2026

Trump nähert sich Putin an, während Russland seine Angriffe auf die Ukraine ausweitet und nach Darstellung des Autors sogar die NATO...

DWN
Politik
Politik Heizkosten-Schock in Polen: Droht deutschen Haushalten ein ähnlich teurer Winter?
22.10.2026

In Polen warnen Wohnungsgenossenschaften ihre Bewohner bereits vor hohen Heizkosten. In einzelnen Fällen verschlingt die Wärmeversorgung...

DWN
Technologie
Technologie Fitness-Tracking im Alltag: Warum wir ständig unsere Daten kontrollieren und welche Risiken lauern
22.10.2026

Schritte, Schlaf, Kalorien oder Trinkmenge: Apps und Wearables machen den eigenen Alltag messbar wie nie zuvor. Für viele vermittelt das...

DWN
Politik
Politik Schufa-Score vor dem BGH: Wie transparent muss die Berechnung sein?
22.10.2026

Der Schufa-Score kann darüber entscheiden, ob Verbraucher einen Kredit bekommen oder auf Rechnung einkaufen dürfen. Doch wie der wichtige...

DWN
Technologie
Technologie Enthüllt: Diese US-Techkonzerne wollten den Stromverbrauch ihrer Rechenzentren geheim halten
22.10.2026

Google und Microsoft wollten zentrale Angaben zum Stromverbrauch ihrer irischen Rechenzentren unter Verschluss halten. Die Umweltbehörde...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: KI-Aktien erhalten Auftrieb nach positivem Auftakt der Berichtssaison
21.10.2026

Neue Rekordhochs und überraschende Bilanzen: Erfahren Sie, welche Entwicklungen die US-Märkte aktuell beflügeln.

DWN
Finanzen
Finanzen Die Schuldenbombe unter der Motorhaube der KI tickt immer lauter. Wo könnte es zuerst krachen?
21.10.2026

Investoren zahlen immer höhere Preise für Schutz vor Zahlungsausfällen. Entscheidend wird sein, wer die Verluste trägt, falls die...

DWN
Finanzen
Finanzen Analyse: Bei der Luxusaktie zeichnet sich eine Wende ab
21.10.2026

Nach mehreren Jahren schwacher Verkäufe und sinkender Gewinne sind die Erwartungen an den Luxuskonzern deutlich zurückgegangen. Die...