Technologie

DeepSeek und die Revolution in der KI: Was steckt hinter dem Erfolg des Start-ups?

DeepSeek, das KI-Modell aus China, hat in nur einem Jahr die Spitze der App-Charts erklommen und die internationalen Tech-Riesen wie OpenAI und Google herausgefordert. Trotz US-Sanktionen, die China von leistungsstarken Chips abschneiden, konnte das Start-up mit vergleichsweise geringen Investitionen ein KI-Modell entwickeln, das dem von ChatGPT und Google Gemini in nichts nachsteht. Doch das Unternehmen kämpft auch mit Problemen wie Zensur und der Inkompatibilität mit europäischen Datenschutzrichtlinien.
29.01.2025 15:10
Aktualisiert: 29.01.2025 15:10
Lesezeit: 2 min
DeepSeek und die Revolution in der KI: Was steckt hinter dem Erfolg des Start-ups?
DeepSeek: Chinas KI-Anwendung sorgt für Aufsehen auf dem internationalen Markt. (Foto: dpa) Foto: Andy Wong

Die chinesische KI-Anwendung DeepSeek hat die Spitze der App-Charts erobert und ein Börsenbeben ausgelöst. Doch worin unterscheidet sich DeepSeek von der Konkurrenz – und wie schlägt es sich in der Praxis?

Erfolgreich trotz US-Sanktionen

Allein die Tatsache, dass die App des erst ein Jahr alten Start-ups DeepSeek in einem Atemzug mit den KI-Modellen von OpenAI, Google und Meta genannt wird, ist bemerkenswert. China ist nach Sanktionen, die US-Präsident Donald Trump während seiner ersten Amtszeit verhängt hat, von der Zufuhr von Hochleistungs-Chips wie dem H100 von Nvidia abgeschnitten und muss sich mit älteren, weniger leistungsstarken Chips begnügen.

DeepSeek hat eigenen Angaben zufolge nur knapp sechs Millionen US-Dollar investiert, um sein KI-Sprachmodell zu trainieren. Im Vergleich dazu hat OpenAI bei ChatGPT mehr als 100 Millionen Dollar investiert. Microsoft und OpenAI äußern den Verdacht, dass sich die Chinesen unrechtmäßig bei den US-Konkurrenten bedient haben. Ein möglicher Datenklau könnte jedoch nicht die einzige Ursache sein, warum DeepSeek mit weniger Aufwand zum Ziel kommt als etablierte KI-Anwendungen.

In einer Liga mit ChatGPT

Fakt ist: DeepSeek kann komplexe Fragen beantworten und schwierige Probleme lösen. Und das offenbar genauso gut wie der US-amerikanische Marktführer OpenAI mit ChatGPT oder Google mit seinem KI-System Gemini. Das chinesische Start-up greift jedoch nicht nur KI-Chatbots an, die Texte erzeugen oder Programmcode schreiben: DeepSeek kann auch mit KI-Bildgeneratoren wie Dall-E und Stable Diffusion mithalten.

Zu den Innovationen, die DeepSeek in seinem KI-Modell R1 umgesetzt hat, gehört das Konzept, Aufgaben in einzelne Argumentationsschritte zu unterteilen. Der Algorithmus von DeepSeek arbeitet dabei mit mehreren kleinen KI-Systemen, die nur bei Bedarf aktiviert werden. Das merken auch die Anwender, weil DeepSeek sich mit diesem mehrstufigen Konzept mehr Zeit für die Antworten lässt als ChatGPT oder Google Gemini.

Transparenz durch Open Source – aber auch Zensur

DeepSeek setzt bei seinem System auf eine quelloffene Lizenz ("Open Source") und hat den Code für seine KI-Modelle auf der Programmier-Plattform Github öffentlich zugänglich gemacht. Die großen US-Player wie OpenAI, Google, Microsoft oder Anthropic behandeln ihren KI-Code hingegen als streng gehütetes Betriebsgeheimnis. Unter den großen US-Tech-Unternehmen hat nur der Facebook-Konzern Meta sein KI-Modell Llama als Open Source veröffentlicht.

Der Open-Source-Ansatz soll Transparenz und Flexibilität fördern. Entwickler können das Modell frei nutzen, modifizieren und in ihre Anwendungen integrieren. Allerdings gibt es bei DeepSeek in puncto Transparenz große Defizite, weil das Start-up der Zensur in China unterliegt. So werden Informationen, die der chinesischen Regierung nicht genehm sind, vom Chatbot unterschlagen – etwa Angaben zum Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989.

Inkompatibel mit europäischem Datenschutz

Problematisch ist auch, dass bei DeepSeek die Daten auf Servern in China gespeichert sind. Die Europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) erlaubt nur den Datenaustausch mit Staaten, deren Datenschutz dem Niveau in der Europäischen Union entspricht. Für China gibt es kein Abkommen mit der EU, das den Datenaustausch auf einer rechtlich sicheren Basis ermöglicht.

„Frei“ wie in „Freibier“

Unterschiede gibt es auch bei den Geschäftsmodellen. Bei DeepSeek sind alle Angebote für Endanwender bislang kostenlos. Im übertragenen Sinne lockt DeepSeek mit „frei“ wie in „Freibier“, nicht wie in „freier Rede“.

Bei OpenAI und Google sind dagegen die leistungsstärksten KI-Modelle nicht „frei“, sondern nur mit einem Bezahlabo nutzbar. Für „ChatGPT Plus“ verlangt OpenAI derzeit 20 Dollar pro Monat und bietet schnellere Antwortzeiten sowie bevorzugten Zugang, auch bei hoher Auslastung. Beim Abo „ChatGPT Pro“ werden sogar 200 Dollar pro Monat fällig. Dafür erhalten Nutzer Zugriff auf die leistungsfähigsten Modelle und können längere Videos mit der KI „Sora“ generieren lassen.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Positive Nachrichten für den XRP ETF: Moon Hash Automatic Income Plan

Analysten prognostizieren einen potenziellen Kurssprung bei XRP, der einen raschen Marktwechsel hin zur intelligenten...

X

DWN Telegramm

Verzichten Sie nicht auf unseren kostenlosen Newsletter. Registrieren Sie sich jetzt und erhalten Sie jeden Morgen die aktuellesten Nachrichten aus Wirtschaft und Politik.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Ihre Informationen sind sicher. Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten verpflichten sich, Ihre Informationen sorgfältig aufzubewahren und ausschließlich zum Zweck der Übermittlung des Schreibens an den Herausgeber zu verwenden. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht. Der Link zum Abbestellen befindet sich am Ende jedes Newsletters.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Vertrauensverlust im Mittelstand: Wirtschaft zweifelt an Merz:
15.12.2025

Das Vertrauen des deutschen Mittelstands in die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) nimmt deutlich ab. Laut einer aktuellen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft 63.000 Jobs bedroht: Ostdeutsche Chemiebranche drängt auf Rettungsplan
15.12.2025

Die Chemieindustrie in Ostdeutschland steht unter Druck: Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften haben der Bundesregierung einen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bahnhofstoiletten bleiben kostenpflichtig: DB sieht keinen Spielraum
15.12.2025

Kostenlose Toiletten an Bahnhöfen sind in Deutschland selten. Laut Bundesregierung sieht die Deutsche Bahn aus Kostengründen keine...

DWN
Finanzen
Finanzen Barzahlen wird zur Ausnahme: Bundesbank sieht Akzeptanzlücken
15.12.2025

Bargeld ist in Deutschland nach wie vor beliebt, doch in Ämtern und Behörden stößt man damit nicht immer auf offene Türen. Die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bauern protestieren gegen niedrige Butterpreise bei Lidl
15.12.2025

Mit Traktoren demonstrieren Landwirte in Baden-Württemberg gegen aus ihrer Sicht ruinöse Milch- und Butterpreise. Im Fokus der Kritik...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI revolutioniert Unternehmen: Wie Künstliche Intelligenz Verhandlungen effizienter macht
15.12.2025

Künstliche Intelligenz verändert zunehmend die Arbeitsweise in Unternehmensbereichen, in denen bislang menschliche Erfahrung dominierte....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Verdi erhöht Druck auf Momox: Warnstreik in Leipzig geht weiter
15.12.2025

Im Tarifkonflikt beim Online- und Versandhändler Momox Services setzt die Gewerkschaft Verdi ihre Proteste fort. Für Montag und Dienstag...

DWN
Politik
Politik Ukraine-Gipfel in Berlin: Wege zu einem möglichen Friedensschluss
15.12.2025

In Berlin könnten die Gespräche über ein Ende des Krieges in der Ukraine in eine entscheidende Phase treten. Die wichtigsten...