Technologie

Studie: Digitalisierung kommt in Deutschland nicht voran

Die Digitalisierung kommt in Deutschland nach Ende der Corona-Pandemie nur noch langsam voran. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Netzwerk-Ausrüsters Cisco fünf Jahre nach dem Beginn der Pandemie. Ist der Boom vorbei?
08.02.2025 12:42
Aktualisiert: 09.02.2025 14:08
Lesezeit: 2 min

Nachdem Homeoffice, Videokonferenzen und kontaktloses Bezahlen ab 2020 zunächst einen Boom erlebt hatten, gebe es inzwischen in vielen Bereichen kaum noch weitere Fortschritte. „Wir sehen in vielen Bereichen wirklich signifikanten Fortschritt“, sagt Uwe Peter, Chef von Cisco in Deutschland. Etwa beim Ausbau von schnellen Gigabit-Internetanschlüssen, die inzwischen für drei Viertel der Haushalte verfügbar wären. „In anderen Bereichen sehen wir aber auch eine gewisse Digital-Müdigkeit.“

Schnelles Internet kaum gefragt

So habe sich die Zahl der Beschäftigten, die von zu Hause aus arbeiten, von 2019 bis 2021 von 13 auf 25 Prozent fast verdoppelt – gehe seither aber wieder leicht zurück, auf zuletzt noch 23 Prozent. Die Nutzung von Online-Angeboten der Behörden erhöhe sich nach einem merklichen Anstieg im Jahr 2020 kaum noch. Und auch der Einsatz des schnellen Internets bleibe weit hinter den Möglichkeiten zurück: Zwar seien Gigabit-Anschlüsse inzwischen für drei Viertel der Haushalte verfügbar – doch nur jeder neunte sei tatsächliche angeschlossen. Unklar bleibe, ob aus Bequemlichkeit oder aus Kostengründen.

Für die Studie hat Cisco Daten aus verschieden Quellen wie Statistikämtern und Verbänden ausgewertet. Zusätzlich führte das Institut YouGov im Dezember im Auftrag von Cisco eine repräsentative Umfrage unter 2000 Menschen aus ganz Deutschland durch. Ergebnis: Nur 41 Prozent der Befragten stellten bei der Digitalisierung eine Verbesserung gegenüber 2019 fest, 39 Prozent merkten keinen Unterschied, elf Prozent sogar eine Verschlechterung.

Videosprechstunde fällt bei Patienten durch

Klarer Verlierer in der Umfrage ist die Videosprechstunde beim Arzt: Zwei Drittel der Befragten haben sie noch nie genutzt. Bei den digitalen Angeboten der Verwaltung sagte immerhin ein Drittel der Befragten, diese häufiger zu nutzen als vor fünf Jahren. Mehr als jeder Fünfte habe sie dagegen noch nie in Anspruch genommen.

Grund ist nach Einschätzung Peters auch die oft mangelnde Nutzerfreundlichkeit und das nach wie vor geringe Angebot an Behördengängen, die digital erledigt werden können. „Es ist für viele Deutsche einfach normal, den Personalausweis im Bürgeramt zu bestellen, ohne es größer zu hinterfragen.“

Kontaktlos Bezahlen statt mit Bargeld

Nachhaltig verändert hat sich allerdings ein Bereich: der Zahlungsverkehr. 41 Prozent der Befragten sagten, dass sie inzwischen häufiger kontaktlos zahlen. Nur jeder Neunte hat dies noch nie ausprobiert. 84 Prozent der Bürger nutzen der Studie zufolge inzwischen Online-Banking, gegenüber 52 Prozent vor fünf Jahren.

„Da, wo es wirklich Vorteile bringt, sind die Leute auch dabei“, sagt Peter. Und Bargeld ist nur noch mit ganz knappem Vorsprung das beliebteste Zahlungsmittel: Der Anteil am Zahlungsverkehr sank seit 2019 von 84 auf 51 Prozent. Das, so Peter, liege wohl auch an der größeren Akzeptanz von Kartenzahlungen im Einzelhandel. Inzwischen könne man damit fast überall bezahlen. „Das war vor fünf Jahren noch ganz anders.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Die Ökonomie der App-Stores: Welche Branchen das größte Wachstum im mobilen Sektor verzeichnen

Das rasante Wachstum mobiler Apps ist eines der prägenden Merkmale der heutigen digitalen Wirtschaft. Menschen kaufen darüber ein,...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Britische Wirtschaft: Die Heimat des Kapitalismus steckt in der Wachstumsfalle
26.07.2026

Großbritannien wechselt seine Regierungschefs, doch die Wirtschaft bleibt stehen. Seit der Finanzkrise wächst die Heimat des Kapitalismus...

DWN
Politik
Politik Russische Atomtechnik in Deutschland: Was hinter der umstrittenen Kooperation in Lingen steckt
25.07.2026

Die Genehmigung für eine Brennelementefertigung mit russischer Technologie in Niedersachsen wirft weitreichende Fragen auf. Während...

DWN
Finanzen
Finanzen KI und Geldpolitik: Warum die Fed vor einem Zinsdilemma steht
25.07.2026

Künstliche Intelligenz soll die Produktivität steigern und die Inflation bremsen. Doch ausgerechnet der milliardenschwere KI-Boom könnte...

DWN
Politik
Politik Milliardäre besteuern: Die Buchwert-Falle
25.07.2026

Berlin streitet über das Erbe und das Geld der Reichsten. Doch die vermeintliche Lösung des Fiskus entpuppt sich als Sprengsatz für die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Renault Clio im Test: Fast nicht wiederzuerkennen, aber deutlich teurer
25.07.2026

Der neue Clio ist größer, eleganter, technologisch fortschrittlicher und auch teurer als früher. In der bestausgestatteten Version...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Dieselknappheit: Der Welt geht der Treibstoff aus
25.07.2026

Nicht nur Rohöl wird zum geopolitischen Druckmittel. Zerstörte Raffinerien, leere Lager und neue Drohungen der Huthi gefährden zunehmend...

DWN
Finanzen
Finanzen Kreditkarten vor dem Aus: Mastercard plant den radikalen Umbau
25.07.2026

Kreditkartennummern könnten beim Onlinekauf schon bald der Vergangenheit angehören. Mastercard will Europas digitale Zahlungen bis 2030...

DWN
Panorama
Panorama Sinkende Geburtenrate: Wie Smartphones die Menschheit schrumpfen lassen
25.07.2026

Je stärker sich Smartphones verbreiten, desto weniger Kinder werden geboren. Eine neue Untersuchung zeigt, wie digitale Kontakte...