Politik

Konzernchefs fordern Politikwechsel in Wirtschaft und Migration

Die Vorstandschefs von Deutsche Bank, Siemens und Mercedes-Benz setzen sich in einem gemeinsamen Appell für ein offenes Deutschland ein. Gleichzeitig fordern sie eine grundlegend neue Ausrichtung in der Wirtschaft. Auch die Migrationspolitik ziele bisher zu wenig darauf ab, Fachkräfte für Unternehmen zu gewinnen.
06.02.2025 10:53
Aktualisiert: 06.02.2025 10:53
Lesezeit: 2 min

Angesichts der zuletzt intensivierten Migrationsdebatte äußern sich die Chefs von Deutsche Bank, Siemens und Mercedes-Benz. Sie plädieren für eine offene Haltung gegenüber der Zuwanderung von Fachkräften und fordern einen tiefgreifenden wirtschaftspolitischen Kurswechsel in Deutschland.

Siemens-Chef Roland Busch warnte im Vorfeld der Bundestagswahl am 23. Februar vor einer "massiven Zunahme fremdenfeindlicher Positionen" und betonte: "Die Bundestagswahl darf keine Protestwahl werden." Ohne eine stabile Demokratie seien weder Wohlstand noch Wachstum möglich.

Mercedes-Chef: Illegale Migration deckt nicht Bedarf an Fachkräften - "Brauchen die besten Köpfe"

Busch sprach sich für eine offene Gesellschaft aus und warnte vor zunehmender politischer Polarisierung. Das Thema Zuwanderung sei zu komplex für einfache Lösungen. "Die Parteien der Mitte müssen an einem Strang ziehen und sich zusammensetzen."

Deutschland benötige dringend mehr Arbeits- und Fachkräfte, so Busch. Entscheidend sei aber, dass die Zugewanderten "extrem schnell" in den Arbeitsmarkt integriert würden. "Wir haben Menschen aus der ganzen Welt, die bei uns arbeiten. Wir schätzen das sehr."

Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius hob den wachsenden Fachkräftemangel hervor und kritisierte, dass in der Zuwanderungsdebatte unterschiedliche Themen vermischt würden. "Illegale Immigration ist nicht das Gleiche wie Fachkräfte für das Land zu gewinnen. Wir brauchen für Wachstum die besten Köpfe."

Bürokratie-Abbau, Förderung von KI und MINT-Fächern in Schulen

In der Wirtschaftspolitik sprach sich Källenius mit Blick auf drohende Handelskonflikte für Freihandel aus. Zudem sei eine "Inventur bei Bürokratie" in Europa notwendig – Vorschriften müssten kritisch überprüft werden. Die Industrie brauche außerdem wettbewerbsfähige Energiepreise.

Ähnlich äußerte sich Siemens-Chef Busch. Er forderte ein Moratorium für neue europäische Regulierungen. Stattdessen sei eine gezielte Förderung neuer Technologien wie Künstlicher Intelligenz notwendig, ebenso wie massive Investitionen in die Infrastruktur. In den Schulen sollten naturwissenschaftlich-mathematische Fächer stärker gefördert werden, während deutsche Universitäten im Bereich Informatik aufholen müssten.

Deutsche-Bank-Chef: Europa muss geschlossen auftreten

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing forderte mit Blick auf eine mögliche Wiederwahl von US-Präsident Donald Trump ein geeinteres Europa. Notwendig sei unter anderem ein harmonisierter europäischer Binnenmarkt für Kapital und Produkte. Die EU mit ihren rund 450 Millionen Einwohnern müsse geschlossen auftreten. Zudem sei ein Bürokratieabbau, insbesondere für den Mittelstand, dringend erforderlich.

Der Aufruf wurde im Rahmen der Initiative "Wir stehen für Werte" veröffentlicht – einer Wirtschaftsallianz aus rund 40 großen deutschen Unternehmen und Organisationen, die zur Europawahl 2024 gegründet wurde. Zu den Unterstützern gehören unter anderem Volkswagen, BMW, BASF und Allianz. Die Unternehmen bekennen sich zu "Vielfalt, Offenheit und Toleranz".

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Yen-Intervention erschüttert die EZB und stellt Europas Vertrauen auf die Probe
10.08.2026

Washington stützt den Yen und greift dafür ausgerechnet auf Euro zurück. Dass die EZB erst nach der Intervention informiert wurde,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europa erhitzt sich: Wegen sinkender Flüsse werden Kraftwerke gestoppt
10.08.2026

Über Europa zieht bereits die vierte Hitzewelle dieses Jahres hinweg. Die Hitze wird nicht nur mit Tausenden zusätzlichen Todesfällen in...

DWN
Politik
Politik Rente, Haushalt, Wahlen - welche Probleme auf Merz warten 
10.08.2026

Das Regierungsviertel in Berlin döst noch vor sich hin. Doch ein stürmischer Herbst kündigt sich an: Auf den Kanzler warten nicht nur...

DWN
Finanzen
Finanzen Bankenkrise Europa: Krieg wird zur größten Gefahr für das Finanzsystem
10.08.2026

Europas größte Banken halten militärische Konflikte inzwischen für die gefährlichste Bedrohung ihrer Bilanzen. Eine neue Untersuchung...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Unternehmer Stihl vor Tarifrunde: 35-Stunden-Woche nicht mehr zeitgemäß
10.08.2026

Rückkehr zur 40-Stunden-Woche – für dasselbe Gehalt? Nikolas Stihl sieht die 35-Stunden-Woche als Luxus vergangener Tage. Wie seine...

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnungsmangel treibt Preise: Mieten in Deutschland steigen deutlich
10.08.2026

Für Mieter gibt es weiter kaum eine Atempause: Ihre Wohnkosten ziehen kräftig an. Auch bei den Immobilienpreisen geht es bergauf. Die...

DWN
Finanzen
Finanzen Rüstungsbeschaffung: Top-Ökonom wirft Pistorius falsche Investitionen vor
10.08.2026

Droht das Milliarden-Programm für die Bundeswehr zu verpuffen? Top-Ökonom wirft Pistorius fatale Fehlplanung bei der Rüstungsbeschaffung...

DWN
Politik
Politik Regeln für Familiennachzug zu streng: keine Migrationswende mit der SPD
10.08.2026

Gut ein Jahr nach dem vorläufigen Stopp des Familiennachzugs für Geflüchtete mit eingeschränktem Status hat die SPD-Fraktion die...