Politik

Vereinte Nationen fordern Ende des Ukraine-Kriegs – US-Initiative scheitert

Trump wollte die Welt auf einen moskaufreundlichen Ukraine-Kurs einschwören, doch Kiew und die EU-Staaten blockierten dies in der UN-Vollversammlung – ein transatlantischer Graben wird sichtbar. Vielleicht möchte Trump auch deswegen nun mit Selenskyj sprechen?
24.02.2025 19:51
Aktualisiert: 24.02.2025 19:51
Lesezeit: 2 min

Drei Jahre nach Beginn des Ukraine-Kriegs hat die UN-Vollversammlung ein schnelles Ende der Kämpfe gefordert. Gleichzeitig verhinderte das wichtigste Gremium der Vereinten Nationen die Annahme einer ursprünglich russlandfreundlichen Resolution der US-Regierung unter Donald Trump.

Mehrere Änderungsanträge von EU-Staaten, Großbritannien und der Ukraine erhielten die nötige Mehrheit, sodass der US-Text Russland eindeutig als Aggressor benennt. Washington enthielt sich bei der Abstimmung über die eigene Resolution, ebenso wie China. Russland stimmte dagegen. Insgesamt 93 Länder, darunter Deutschland und die meisten EU-Staaten, votierten für den Text. Dies zeigt jedoch einen geringeren Rückhalt für Kiew als bei vorherigen Abstimmungen.

Wie auch bei einer weiteren angenommenen Resolution zur Ukraine gab es zahlreiche Enthaltungen. Viele Staaten distanzierten sich damit vom transatlantischen Streit über den Ukraine-Krieg. In der UN-Vollversammlung offenbarte sich so eine zunehmende diplomatische Kluft zwischen den USA und Europa.

Diplomatische Spannungen bei den Vereinten Nationen

Vor dem Jahrestag des russischen Einmarsches in die Ukraine kam es am East River in New York zu diplomatischen Spannungen. Die Trump-Regierung hatte zu einer Resolution zur Unterstützung Kiews einen russlandfreundlichen Gegenentwurf vorgelegt. Dies spaltete die UN-Mitglieder und reduzierte die Zustimmung zur ukrainischen Vorlage erheblich.

Die ursprüngliche US-Resolution mit dem Titel „Der Weg zum Frieden“ erwähnte Moskau nicht als Aggressor, forderte jedoch ein schnelles Ende des Ukraine-Kriegs. Beobachter werteten das Vorgehen als Annäherung an den Kreml und als Druck auf Kiew, ein ungewolltes Abkommen zu akzeptieren.

Europa setzt entscheidende Änderungen durch

Die EU-Staaten – mit Ausnahme Ungarns und der Slowakei – reichten zusammen mit Großbritannien und der Ukraine Änderungsanträge ein, die zentrale Passagen der ursprünglichen US-Resolution umformulierten. Diese Änderungen wurden mit der erforderlichen Mehrheit angenommen, womit Europa die US-Strategie durchkreuzte. Die finale Resolution fordert nun nicht nur ein rasches Ende des Ukraine-Kriegs, sondern stellt auch klar, dass Russland in die Ukraine einmarschiert ist. Zudem betont sie die territoriale Integrität der Ukraine und fordert einen „umfassenden und dauerhaften Frieden zwischen der Ukraine und Russland im Einklang mit der UN-Charta“.

Laut UN-Experte Richard Gowan von der Denkfabrik Crisis Group konnte sich die europäische Position „besser behaupten, als einige Diplomaten befürchtet hatten.“ Allerdings seien die 73 Enthaltungen bemerkenswert: „Viele Staaten scheinen sich schlicht aus diesem Konflikt heraushalten zu wollen.“

Globaler Süden will Frieden, aber auch Sicherheit

Die USA versuchten, den weltweiten Kurs im Ukraine-Krieg zu beeinflussen. Viele Länder des Globalen Südens fordern schon lange verstärkte Friedensbemühungen, erklärt Experte Gowan. Der US-Vorschlag reflektierte diese Forderung.

Allerdings äußerten zahlreiche UN-Mitglieder Bedenken, dass der Entwurf völkerrechtliche Grundsätze missachte – ein wichtiger Schutz für kleinere Staaten gegen Angriffe. Auch wenn UN-Resolutionen nicht bindend sind, haben sie symbolische Bedeutung als weltweites Meinungsbild.

Abstimmung im UN-Sicherheitsrat geplant

Die USA wollten ihre Resolution auch im UN-Sicherheitsrat zur Abstimmung bringen. Ob der Entwurf dort eine Mehrheit von 9 der 15 Mitglieder erhält, war zunächst unklar. Großbritannien und Frankreich hätten ein Vetorecht, nutzen dies aber seit 1989 nicht. Eine angenommene Resolution im Sicherheitsrat wäre völkerrechtlich bindend.

Trump plant baldiges Treffen mit Selenskyj

US-Präsident Donald Trump will sich offenbar in Kürze mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj treffen. Dabei geht es um ein Abkommen, das den US-Zugang zu ukrainischen Rohstoffen regeln soll. Selenskyj wolle das Dokument persönlich unterzeichnen, sagte Trump am Rande eines Treffens mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. „Wir sind einer Einigung sehr nahe“, so Trump.

Er betonte die US-Hilfe für die Ukraine und warnte davor, dass der Krieg zu einem Dritten Weltkrieg eskalieren könnte. Die Verhandlungen über das Abkommen dauern seit Wochen an. Selenskyj hatte zunächst Bedenken wegen ungünstiger Bedingungen und fehlender Sicherheitsgarantien geäußert. Ob eine neue Fassung diese enthält, bleibt unklar. Laut ukrainischen Medien hat Kiew eine endgültige Version des Vertrags bereits an Washington übermittelt. Zuvor hatte Selenskyj während einer G7-Schalte ein rasches Treffen mit Trump gefordert, um Sicherheitsfragen zu klären. Die Erschließung ukrainischer Rohstoffe gilt als strategisch und wirtschaftlich wichtig. Experten betonen, dass die Ukraine seltene Erden für den Wiederaufbau benötigt – viele Lagerstätten befinden sich jedoch in russisch besetzten Gebieten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Seltene Erden: Europa bricht mit Russland, doch der Plan hat einen Haken
23.10.2026

Europa will sich bei Seltenen Erden aus der Abhängigkeit von Russland befreien. Ein Werk in Estland soll dabei eine Schlüsselrolle...

DWN
Politik
Politik Elektronische Patientenakte: Hausärzte warnen vor Kassen-Zugriff auf Patientenakten
22.10.2026

Werden Patienten mit einem neuen Digitalgesetz besser vor Krankheiten geschützt - oder werden sie neuen Risiken anderer Art ausgesetzt?...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: CoreWeave und Sandisk im Tech-Ausverkauf schwer getroffen
22.10.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Auslöser die Wall Street in Aufruhr versetzen und was das für die Märkte bedeutet.

DWN
Technologie
Technologie Enthüllt: Diese US-Techkonzerne wollten den Stromverbrauch ihrer Rechenzentren geheim halten
22.10.2026

Google und Microsoft wollten zentrale Angaben zum Stromverbrauch ihrer irischen Rechenzentren unter Verschluss halten. Die Umweltbehörde...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Hier sind die besten und schlechtesten Rentensysteme der Welt
22.10.2026

Deutschlands Rentensystem gerät zunehmend unter Druck, während Dänemark im weltweiten Renten-Ranking auf den zweiten Platz klettert....

DWN
Politik
Politik Steuereinnahmen steigen: Klingbeil sieht trotzdem keinen neuen Spielraum
22.10.2026

Die neue Steuerschätzung bringt dem Bund Milliarden an zusätzlichen Einnahmen. Für Finanzminister Lars Klingbeil bedeutet das trotzdem...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rüstungsboom statt Autokrise: Mittelstand drängt in die Wehrtechnik
22.10.2026

Deutschlands Wehretat knackt die 100-Milliarden-Euro-Marke und treibt den industriellen Strukturwandel voran. Weil das klassische...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft SpaceX mit Milliardengewinn: Elon Musk plant die größte Fusion aller Zeiten
22.10.2026

Elon Musk meldet einen Milliardengewinn bei SpaceX und denkt bereits über den nächsten historischen Schritt nach. Eine Fusion mit Tesla...