Politik

Bargeldreform: Verschwinden bald die Ein- und Zwei-Cent-Münzen?

Kaum jemand zahlt noch mit Ein- und Zwei-Cent-Münzen – stattdessen verstopfen sie Geldbeutel oder verschwinden in Sparschweinen. Die Bundesbank schlägt daher eine neue Rundungsregel für Deutschland vor. In anderen Euroländern ist das längst Alltag. Doch nicht alle sind begeistert, denn eine europaweite Abschaffung gibt es nicht. Wie würde sich eine Reform auf Verbraucher und den Handel auswirken?
11.03.2025 18:34
Lesezeit: 2 min
Bargeldreform: Verschwinden bald die Ein- und Zwei-Cent-Münzen?
Ist bald Schluss mit den Mini-Münzen? Neuer Vorstoß des von der Bundesbank initiierten "Nationalen Bargeldforums". (Foto: dpa) Foto: Patrick Pleul

Vorstoß zur Abschaffung von Cent-Münzen in Deutschland

Sie häufen sich im Geldbeutel, doch viel lässt sich mit ihnen nicht kaufen. Einige Euroländer verzichten bereits weitgehend auf Ein- und Zwei-Cent-Münzen. Nun liegt ein Vorschlag für Deutschland vor.

Bargeldforum schlägt Rundungsregel vor

Es wäre ein bedeutender Schritt zur Abschaffung von Ein- und Zwei-Cent-Münzen in Deutschland: Bei Barzahlungen soll auf die nächsten fünf Eurocent auf- oder abgerundet werden. Das schlägt das von der Bundesbank initiierte "Nationale Bargeldforum" vor, in dem Einzelhandel, Bankenverbände, Geldtransporteure und Verbraucherschützer vertreten sind.

"Das Bundesfinanzministerium wird gebeten, sich für eine gesetzliche Rundungsregelung in Deutschland einzusetzen und diese voranzutreiben", heißt es in einer von der Bundesbank veröffentlichten Mitteilung. "Die Rundungsregeln sollten in Europa möglichst einheitlich sein."

Kommt eine solche Regelung für Deutschland, bedeutete das in der Praxis: Bei Barzahlung von 4,99 Euro würden künftig 5 Euro fällig, statt 1,02 Euro müsste nur 1 Euro gezahlt werden.

Kleinmünzen sind teuer

"Insgesamt sind die ökonomischen und ökologischen Kosten für Herstellung, Verpackung und Transport der Ein- und Zwei-Cent-Münzen im Verhältnis zu ihrem Nennwert hoch", begründete Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz den Vorstoß. "Wenn wir auf den Umlauf von Ein- und Zwei-Cent-Münzen verzichteten, würde Bargeld für die Nutzerinnen und Nutzer attraktiver. Außerdem wäre der Bargeldkreislauf nachhaltiger und effizienter."

Das im Februar 2024 auf Initiative von Balz gegründete "Nationale Bargeldforum" verfolgt das Ziel, Bargeld als allgemein verbreitetes Zahlungsmittel zu sichern und verfügbar zu halten.

In vielen Ländern wird bereits gerundet

Einige Euroländer versuchen bereits, ohne die kleinsten Cent-Münzen auszukommen. Gänzlich abgeschafft sind sie dort jedoch nicht. Dies könnte nur auf europäischer Ebene beschlossen werden.

In Finnland etwa werden Barzahlungen per Gesetz auf den nächstgelegenen Fünf-Cent-Betrag gerundet – also von 14,97 Euro auf 14,95 Euro. Ein- und Zwei-Cent-Münzen werden dort zwar nicht mehr in Umlauf gebracht, gelten aber weiterhin als gesetzliches Zahlungsmittel. Ein Geschäft in Finnland muss diese nur nicht akzeptieren, wenn es gesondert darauf hinweist. Ähnliche Regelungen gibt es in den Niederlanden, der Slowakei, Irland, Italien, Belgien und Estland.

Viele empfinden Kleinmünzen als störend

Umfragen zufolge sind Ein- und Zwei-Cent-Münzen wenig beliebt: Im jüngsten Eurobarometer, das jährlich von der Europäischen Kommission in allen EU-Staaten in Auftrag gegeben wird, sprach sich die Mehrheit der Befragten für deren Abschaffung aus. Zudem kehren die Kupfermünzen seltener zu den nationalen Zentralbanken des Euroraums zurück – ein Großteil landet in Sparschweinen oder geht verloren.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kennzeichnung im Produktionstempo: Wie Brady die Industrie neu taktet

Produktionslinien laufen schneller denn je, doch die Rückverfolgbarkeit hinkt oft hinterher. Brady setzt genau hier an und zeigt, wie sich...

DWN
Finanzen
Finanzen Neue Prognose der Deutschen Bank: US-Dollar verliert an Stärke
15.04.2026

Die Deutsche Bank sieht eine veränderte Ausgangslage an den Devisenmärkten und rät Marktteilnehmern zu einer Neuausrichtung ihrer...

DWN
Finanzen
Finanzen Finanzspritze vom Bund: Eine Milliarde Euro für Länder und Kommunen
15.04.2026

Der Bund greift hoch verschuldeten Kommunen unter die Arme. Doch nicht nur sie werden entlastet - sondern auch die reichsten Bundesländer.

DWN
Politik
Politik „Strategische Partnerschaft“ mit Deutschland: Mehr Militärhilfe für die Ukraine beschlossen
15.04.2026

Die Militärhilfe für die Ukraine nimmt Fahrt auf. Nach neuen Rüstungskooperationen Deutschlands legt auch Großbritannien nach. Auch die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Heidelberger-Druck-Aktie: Druckmaschinenhersteller steigt in Drohnenabwehr ein
15.04.2026

Das für Druckmaschinen bekannte Unternehmen Heidelberg steigt ins Rüstungsgeschäft ein. Die Traditionsfirma will ihren Standort in...

DWN
Finanzen
Finanzen Riester-Reform: Lohnt sich der alte Vertrag zur Riester-Rente noch?
15.04.2026

Der neu beschlossene Riester-Nachfolger für eine bessere Altersvorsorge bringt höhere Rendite-Chancen als die klassische Riester-Rente,...

DWN
Politik
Politik YouGov-Umfrage: AfD klar stärkste Kraft - Union stürzt auf schlechtesten Wert seit vier Jahren
15.04.2026

In einer YouGov-Umfrage kann sich die AfD deutlich von den anderen Parteien absetzen. Auch Grüne und Linke legen zu. Die einzigen, die...

DWN
Finanzen
Finanzen Kaufkraft-Ranking in Krisenzeiten: Wo die regionalen Einkommen am meisten wert sind
15.04.2026

Das Verhältnis aus Einkommen und Lebenserhaltungskosten entscheidet über die reale Kaufkraft der Haushalte: Wo viel verdient wird, ist es...

DWN
Politik
Politik Tabaksteuer-Erhöhung finanziert Entlastungsprämie 2026: Doch nicht nur Raucher gehen bei der Ausgleichprämie leer aus
15.04.2026

Günstigeres Tanken und eine 1.000-Euro-Prämie: Doch die Entlastungen kommen noch längst nicht bei den Bürgern an. Auch werden viele...