Finanzen

Vermögen: Jeder vierte deutsche Haushalt verfügt über keinerlei Ersparnisse

Einer Erhebung der Direktbank ING zufolge, verfügen 23,5 Prozent aller Deutschen über keinerlei Kapital, über das sie kurzfristig verfügen können. Befragte geben an, aufgrund von niedrigem Einkommen und steigenden Lebenshaltungskosten nicht sparen zu können. Das Ende vom Land der Sparer?
21.02.2025 14:44
Lesezeit: 2 min

Die Menschen in Deutschland sind in Summe so reich wie nie – doch fast jeder vierte private Haushalt hierzulande verfügt nach eigenen Angaben nicht über Ersparnisse.

Nichtsparer: Zu viel Ausgaben, zu wenig Einnahmen

Die wirtschaftlichen Aussichten in Deutschland sind nach wie vor schlecht. Es droht das dritte Rezessionsjahr in Folge. Vielen privaten Haushalten ist es jedoch nicht möglich, sich hierfür zu wappnen. Einer Erhebung der Direktbank ING zufolge, verfügen 23,5 Prozent aller Bürger über keinerlei Kapital, über das sie kurzfristig verfügen können. Befragte geben an, aufgrund von niedrigem Einkommen und steigenden Lebenshaltungskosten nicht sparen zu können.

Der Anteil der Nichtsparer ist in den letzten Jahren dennoch kontinuierlich gesunken und liegt nun deutlich unter dem Wert von vor fünf Jahren, als er noch über 30 Prozent betrug.

Sparrekord geht an vielen Haushalten vorbei

Zugleich kletterte der Anteil der Menschen in Deutschland, die nach eigenen Angaben über Ersparnisse verfügen, in der jüngsten Erhebung aus dem Dezember mit 70,7 Prozent erstmals über die 70-Prozent-Marke. Verantwortlich hierfür seien insbesondere die wirtschaftlichen Unsicherheiten, die immer mehr Menschen zur Kaufzurückhaltung und zum Sparen animieren.

Es scheine sich bei diesem Rekordwert aber „vor allem um ein Vorsichtssparen in Zeiten unsicherer wirtschaftlicher Aussichten zu handeln und weniger um einen Ausdruck einer auf breiter Basis verbesserten finanziellen Lage“, schlussfolgern die Volkswirte der ING Deutschland.

Fast drei Viertel der Befragten (71,9 Prozent) legen nach eigenen Angaben vor allem deswegen Geld zurück, weil sie sich für mögliche Schwierigkeiten wappnen wollen. Auch Urlaub/Reisen (46,4 Prozent) oder anstehende größere Ausgaben (43,5 Prozent) werden in der Umfrage vielfach als Gründe dafür genannt, Geld zurückzulegen.

Rücklagen aber nur für ein paar Monate

Bei mehr als der Hälfte der Befragten mit Ersparnissen würden diese nach deren Einschätzung mindestens ein halbes Jahr lang ausreichen, wenn das Einkommen wegfallen sollte. Vier von zehn Befragten (40,7 Prozent) gehen davon aus, dass sie ein Jahr oder länger von ihren Rücklagen zehren könnten.

Dennoch sind die privaten Haushalte in Deutschland in Summe so reich wie nie: Zahlen der Bundesbank zufolge summierte sich das Geldvermögen der Privathaushalte in Deutschland zum Ende des dritten Quartals 2024 auf den Rekordwert von 9.004 Milliarden Euro. Volkswirte rechnen im laufenden Jahr mit einem weiteren Anstieg bis knapp unter die Marke von zehn Billionen Euro.

Die Bundesbank berücksichtigt in ihrer Auswertung Bargeld und Bankeinlagen, Wertpapiere wie Aktien und Fonds sowie Ansprüche gegenüber Versicherungen, nicht jedoch Immobilien. Wie die gigantische Summe verteilt ist, geht aus diesen Daten nicht hervor.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Die Ökonomie der App-Stores: Welche Branchen das größte Wachstum im mobilen Sektor verzeichnen

Das rasante Wachstum mobiler Apps ist eines der prägenden Merkmale der heutigen digitalen Wirtschaft. Menschen kaufen darüber ein,...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Immobilien
Immobilien Neues Heizungsgesetz: Was das Gebäudemodernisierungsgesetz für Eigentümer und Mieter bedeutet
25.07.2026

Die Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz hat eines der umstrittensten Gesetzesvorhaben der jüngeren deutschen Geschichte...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: SpaceX verzeichnet Rekordtief; Aktien legen bei sinkendem Ölpreis leicht zu
24.07.2026

Ein turbulenter Handelstag an den US-Börsen bringt überraschende Wendungen und herbe Verluste für ein bekanntes Imperium.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Digitale Barrieren als Geschäftsrisiko: Wie Accessiway den klassischen Audit-Zyklus ergänzen will
24.07.2026

Trotz gesetzlicher Vorgaben bleibt digitale Barrierefreiheit für viele Anbieter ein ungelöstes Problem. Accessiway will mit einer neuen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutsche Dynastie verdient Milliarden mit der Aufrüstung Europas
24.07.2026

Die zurückhaltenden Eigentümer des Panzerherstellers KNDS stammen aus Familien, die den deutschen Unternehmenszweig über Jahrzehnte...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Insolvenz angemeldet: Der tiefe Fall des Batterieherstellers Varta
24.07.2026

Das Traditionsunternehmen Varta steht vor dem Trümmerhaufen seiner ambitionierten Expansionspläne: Nach dem Verlust wichtiger Großkunden...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft DIW-Studie warnt: AfD-Politik würde Bürger in Sachsen-Anhalt teuer zu stehen kommen
24.07.2026

Eine Umsetzung der Wirtschaftspolitik der AfD hätte für die Menschen in Sachsen-Anhalt gravierende finanzielle Einbußen zur Folge. Zu...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Griechenland blockiert EU-Sanktionspaket gegen Russland: Interessen eines Milliardärs stehen auf dem Spiel
24.07.2026

Es ist ein Streit um das 21. Sanktionspaket gegen Russland entbrannt. Griechenland protestiert gegen das geplante EU-Verbot für den...

DWN
Finanzen
Finanzen Vermögenssteuer: Als die Mittelschicht noch Häuser kaufte und die Reichen höhere Steuern zahlten
24.07.2026

Deutschland erlebt die größte Vermögensanhäufung seiner Geschichte – und gleichzeitig wird Eigentum für viele Menschen immer...