Unternehmen

Jobwechsel wegen hoher Mieten: In Großstädten verschärft sich das Ringen um Fachkräfte

Die hohen Mieten in deutschen Großstädten sind einer Studie zufolge eine Hürde für Unternehmen im Ringen um Fachkräfte. Viele Menschen sehen das teure Wohnen als zentralen Nachteil für das Leben in Metropolen. Das geht so weit, dass gut ein Drittel über einen Jobwechsel wegen hoher Mieten nachdenkt – eine Minderheit zieht tatsächlich deshalb um.
23.03.2025 08:42
Aktualisiert: 23.03.2025 09:22
Lesezeit: 2 min

Die hohen Mieten in deutschen Großstädten sind einer Studie zufolge eine Hürde für Unternehmen im Ringen um Fachkräfte.

Hohe Mieten in Großstädten verschärfen Ringen um Fachkräfte

Viele Menschen sehen das teure Wohnen laut einer Umfrage der Beratungsgesellschaft PwC als zentralen Nachteil für das Leben in Metropolen. Das geht so weit, dass gut ein Drittel über einen Jobwechsel wegen hoher Mieten nachdenkt – eine Minderheit zieht tatsächlich deshalb um.

„In deutschen Großstädten herrscht massiver Frust über die Lage auf dem Wohnungs- und Immobilienmarkt“, sagt Bernd Roese, Leiter des PwC-Standorts in Frankfurt. Die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt drohe den Fachkräftemangel in Ballungsräumen noch zu verschärfen.

Resignation bei der Wohnungssuche

Für die Studie wurden im November und Dezember 4.000 Berufstätige in Deutschland zwischen 18 und 65 Jahren aus zwölf Großstädten online befragt – darunter Berlin, Hamburg, München, Essen, Leipzig und Hannover.

Ergebnis der repräsentativen Umfrage: Die große Mehrheit der Menschen bewertet das Leben in der Großstadt als angenehm – etwa die Einkaufsmöglichkeiten, Kultur- und Bildungsangebote, Jobchancen und kurze Arbeitswege. Rund neun von zehn Berufstätigen fühlen sich demnach an ihrem Wohnort wohl.

Doch zugleich sind je zwei Drittel mit den Mieten, den Kosten für Wohneigentum und der Zahl freier Mietwohnungen unzufrieden. Fast 90 Prozent meinen, dass es in Großstädten „reine Glückssache“ ist, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Damit setzte sich im Kern der Trend einer Umfrage aus dem Vorjahr fort.

Umzugsbereitschaft vor allem bei Jungen

Manche Beschäftigte ziehen die Konsequenzen. Jeder Zehnte hat laut Umfrage schon einmal den Job wegen zu hoher Mieten in der Region gewechselt (Vorjahr: 11 Prozent). In der Altersgruppe von 18 bis 34 Jahren sind nach eigener Aussage bereits 18 Prozent wegen teurer Wohnkosten umgezogen. „Selbst Unternehmen, die derzeit alle Stellen besetzt haben, können sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen“, sagt Thomas Veith, Immobilienchef bei PwC Deutschland.

Über einen Jobwechsel wegen hoher Mieten nachgedacht haben bereits 35 Prozent. In der Gruppe der 18- bis 34-Jährigen geben das sogar 43 Prozent an.

Wenn Erwerbstätige einen berufsbedingten Umzug in Erwägung ziehen, sind für 58 Prozent bezahlbare Mieten ausschlaggebend – noch vor der Länge des Arbeitsweges (44 Prozent). Drei Viertel (76 Prozent) würden zudem einen Job ablehnen, wenn die Mieten am künftigen Arbeitsort „viel höher“ sind als am aktuellen.

Hohe Forderungen an Politik und Arbeitgeber

Im Kampf um bezahlbaren Wohnraum sehen die Befragten sowohl Arbeitgeber als auch die öffentliche Hand in der Pflicht. 90 Prozent fordern, die Politik solle Wohnungsbauprogramme stärker auf Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen ausrichten.

Auch die Ansprüche an die Arbeitgeber sind hoch: 81 Prozent befürworten, dass Unternehmen Fahrtkosten übernehmen, 85 Prozent wünschen sich Mietzuschüsse in besonders teuren Regionen. Ähnlich viele befürworten, dass Firmen Betriebswohnungen zur Verfügung stellen und die Ausstattung fürs Homeoffice finanzieren.

Für viele Befragte ist Homeoffice schon Teil der Lösung: 70 Prozent gaben an, dass die Arbeit von zu Hause es ihnen ermöglicht, in einer günstigeren Gegend zu wohnen. Um solche Beschäftigten nicht zu verlieren, seien Unternehmen gut beraten, viel Flexibilität zu ermöglichen und Homeoffice-Angebote nicht zurückzufahren, meint PwC-Experte Roese.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

DWN
Finanzen
Finanzen Ausverkauf bei Chip-Aktien drückt Wall Street ins Minus, während Bessent mit neuen Iran-Sanktionen droht
24.08.2026

Erfahren Sie, welche geopolitischen Entscheidungen und Marktentwicklungen die Wall Street am jüngsten Handelstag ins Wanken brachten.

DWN
Politik
Politik Er soll den Trump-Ballsaal bauen – jetzt führt er geheime Gespräche mit dem Kreml
24.08.2026

Es kommt vor, dass Männer mit minimaler Erfahrung in der diplomatischen Disziplin ausgewählt werden, um schwierige außenpolitische...

DWN
Politik
Politik Unabhängigkeitstag der Ukraine: Neue Militärhilfe und scharfe Worte an Putin
24.08.2026

Kiew begeht seinen Nationalfeiertag mit prominenten Gästen, neuen Rüstungshilfen und einer deutlichen Kampfansage an den Kreml. Zugleich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europäische KI-Gigafabriken: 30 Milliarden zwischen Mega-Fortschritt und Mega-Flop
24.08.2026

Sieben neue KI-Zentren sollen den technologischen Rückstand auf die USA und China verringern. Doch Europas Problem sind nicht nur Chips....

DWN
Politik
Politik Streit um Briefwahl: Was an den Warnungen der AfD dran ist
24.08.2026

Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt stellt die AfD die Sicherheit der Briefwahl infrage. Die Partei spricht über mögliche...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft US-Zölle gegen Kanada: Jetzt schlägt Ottawa zurück
24.08.2026

Donald Trump macht Ernst: Die USA belegen zahlreiche kanadische Waren mit 50 Prozent Zoll, nachdem die Verhandlungen mit Ottawa in letzter...

DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld-Vergleich (08/2026): Diese Banken bieten die besten Tagesgeld-Zinsen
24.08.2026

Ein Tagesgeld-Konto gilt als sichere und flexible Geldanlage. Doch hinter manchem Spitzenangebot verbergen sich nicht selten Bedingungen,...

DWN
Finanzen
Finanzen Online-Broker-Vergleich: Die besten Aktiendepots für Anleger – Tipps zur Anbieterauswahl
24.08.2026

Ein Online-Broker-Vergleich beginnt beim Wertpapierdepot: Ein Depot ist die Eintrittskarte zur Börse, nur mit einem Depot können Anleger...