Finanzen

Steuererklärung: Neun Aufwendungen, die fast jeder von der Steuer absetzen kann

Wer weiß, welche Kosten absetzbar sind, kann bares Geld vom Finanzamt zurückbekommen. Ob Kinderbetreuung, Handwerkerkosten oder Versicherungen – es gibt einige Möglichkeiten, die Steuerlast zu senken. Ein Überblick.
27.03.2025 15:11
Lesezeit: 3 min

Jedes Jahr wieder zerbrechen sich Steuerzahler den Kopf darüber, welche Kosten sie bei der Steuererklärung gegenüber dem Finanzamt geltend machen können. Dabei bleiben einige Aspekte fast immer gleich und gelten auch fast für jeden.

Diese 9 Dinge kann fast jeder von der Steuer absetzen

Generell gilt: Der Fiskus erkennt eine ganze Reihe von Aufwendungen an. Sind sie in der Steuererklärung angegeben, senken sie in vielen Fällen die individuelle Steuerlast. „Das führt zumeist dazu, dass das Finanzamt zu viel gezahlte Steuern erstattet“, sagt Tobias Gerauer von der Lohnsteuerhilfe Bayern.

Das sind die 9 gängigsten abzugsfähigen Aufwendungen, die ein jeder und eine jede im Blick haben sollte:

1. Basis-Kranken- und Pflegeversicherung

„Basisbeiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung können Steuerzahlerinnen und Steuerzahler in unbegrenzter Höhe als Sonderausgaben geltend machen“, sagt Gerauer. Das Finanzamt berücksichtigt den Arbeitnehmeranteil zur Kranken- und Pflegeversicherung, kürzt diesen aber pauschal um vier Prozent. Der Grund: Ein Anspruch auf Krankengeld, den Versicherte mit ihrem Beitrag mitzahlen, zählt nicht zum Basisschutz.

Die Angaben gehören in der Steuererklärung in die „Anlage Vorsorgeaufwand“.

2. Rentenversicherung

Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung und zu einer Rürup-Rente lassen sich ebenfalls als Sonderausgaben steuerlich absetzen, allerdings nicht unbegrenzt. Der Höchstbetrag, der sich steuerlich absetzen lässt, wird Jahr für Jahr angepasst. „Für 2024 liegt der Höchstbetrag bei 27.566 Euro für Singles und 55.132 Euro für zusammenveranlagte Ehepaare und Lebenspartnerschaften“, sagt Gerauer.

Die Angaben gehören in der Steuererklärung in die „Anlage Vorsorgeaufwand“.

3. Private Altersvorsorge, etwa Riester-Rente

Beiträge für die Riester-Rente lassen sich in der Steuererklärung als Sonderausgaben bis maximal 2.100 Euro geltend machen. Von dieser Summe zieht das Finanzamt erhaltene Zulagen ab. „Fällt die steuerliche Entlastung höher als die Zulagen aus, mindert dies die Steuern“, sagt Daniela Karbe-Geßler vom Bund der Steuerzahler. Im Behördendeutsch nennt sich das „Günstigerprüfung“, was das Finanzamt automatisch vornimmt.

Die Angaben gehören in der Steuererklärung in die „Anlage AV“.

4. Kinderbetreuungskosten/Schulgeld

Kosten für die Betreuung von gesunden Kindern, die noch nicht 14 Jahre alt sind, können Eltern steuerlich absetzen. „Dies gilt unabhängig davon, ob die Eltern berufstätig sind oder nicht“, so Karbe-Geßler. Jährlich können höchstens Ausgaben von 6.000 Euro pro Jahr und Kind geltend gemacht werden, der Fiskus berücksichtigt davon zwei Drittel (2024), also 4.000 Euro. Ab 2025 lassen sich höchstens 4.800 Euro absetzen.

Hat das Kind eine Behinderung, gilt die Altersgrenze nicht. Besucht es eine kostenpflichtige Schule wie eine Waldorfschule oder eine christliche Schule, sind 30 Prozent der Kosten, aber maximal 5.000 Euro im Jahr als Sonderausgaben absetzbar.

Die Angaben gehören in der Steuererklärung in die „Anlage Kind“.

5. Spenden

Spenden zum Beispiel an kirchliche, mildtätige oder gemeinnützige Organisationen sind steuerlich absetzbar. „Sie sind bis zu 20 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte als Sonderausgaben abzugsfähig“, sagt Gerauer. Wer in einem Jahr so viel gespendet hat, dass die Spenden über den Höchstbetrag von 20 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte hinausgehen, kann den „überschießenden“ Betrag aufs Folgejahr übertragen.

Die Angaben gehören in der Steuererklärung in die „Anlage Sonderausgaben“.

6. Gewerkschaften/Berufsverbände

Mitgliedsbeiträge an Gewerkschaften oder Berufsverbände lassen sich als Werbungskosten steuerlich absetzen. Zu den Gewerkschaften gehören etwa die IG Metall oder Verdi, zu den Berufsverbänden zum Beispiel Ärzte- oder Rechtsanwaltskammern. „Auch Beiträge zur Industrie- und Handelskammer oder zur Handwerkskammer lassen sich beim Finanzamt geltend machen“, sagt Karbe-Geßler.

Die Angaben gehören in der Steuererklärung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in die „Anlage N“.

7. Kontoführungsgebühren

Die Kosten für ein Girokonto erkennt das Finanzamt ebenfalls steuerlich an. „Ohne Nachweis akzeptiert der Fiskus pauschal 16 Euro“, sagt Karbe-Geßler. Wer höhere Ausgaben fürs Girokonto hat, sollte diese angeben – und auf Nachfrage des Finanzamts auch belegen können.

Die Angaben gehören in der Steuererklärung in die „Anlage N“.

8. Handwerkerkosten

Wer die Wohnung von einer Fachfirma renovieren oder Anlagen im Haus warten lässt, kann bis zu 1.200 Euro Steuern sparen. „Es werden 20 Prozent der Kosten von maximal 6.000 Euro anerkannt“, sagt Gerauer. Abziehbar sind die Lohn-, Fahrt- und Maschinenkosten des Handwerkers, sofern sie in der Rechnung separat ausgewiesen und unbar beglichen worden sind.

Die Angaben gehören in der Steuererklärung in die „Anlage Haushaltsnahe Aufwendungen“.

9. Haushaltshilfe

Putzen, Waschen, Bügeln, Schneefegen & Co. – alle, die mit solchen und ähnlichen Haushaltsaufgaben einen Dienstleister beauftragen, können die Kosten hierfür gegenüber dem Fiskus geltend machen. „20 Prozent von maximal 20.000 Euro pro Jahr, also bis zu 4.000 Euro jährlich, erkennt das Finanzamt an“, sagt Gerauer. Dabei muss die Haushaltshilfe nicht fest angestellt sein – auch die Kosten für die gelegentliche Unterstützung durch die Hilfe sind steuerlich absetzbar.

Die Angaben gehören in der Steuererklärung in die „Anlage Haushaltsnahe Aufwendungen“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft ESG-Investitionen unter Druck: Was der amerikanische Rückzug für europäische Anleger bedeutet

Die Entscheidung mehrerer grosser amerikanischer Vermögensverwalter, sich aus ESG-bezogenen Investitionsallianzen zurückzuziehen, hat in...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Dynamik des US-Marktes verlangsamt sich, während Anleiherenditen steigen
15.05.2026

Erfahren Sie, welche treibenden Kräfte aktuell die Märkte bewegen und was Anleger jetzt unbedingt beachten sollten.

DWN
Politik
Politik Geheimdienstbericht: Versteckt sich Paranoider Putin wirklich in einem Bunker?
15.05.2026

Wladimir Putin steht in Russland zunehmend für ein System, das Kontrolle, Abschottung und Misstrauen zum Machtprinzip erhebt. Wie tief hat...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Berliner KI-Unternehmen Unframe will Datenchaos in Firmen ordnen
15.05.2026

Unframe will Unternehmen helfen, verstreute Informationen in nutzbare Arbeitsabläufe zu übersetzen. Im Fokus stehen Datenanalyse,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Welthandel unter Druck: Golfkrise belastet den globalen Containerverkehr
15.05.2026

Die Golfkrise verschärft die Spannungen im Containerverkehr und lenkt Handelsrouten zunehmend in Richtung Afrika. Welche Folgen hat diese...

DWN
Politik
Politik Trump und Xi demonstrieren Einigkeit: Doch hinter den Kulissen dominieren harte Konflikte
15.05.2026

Beim Treffen von Donald Trump und Xi Jinping dominieren höfliche Gesten und gegenseitiges Lob. Dennoch verfolgen Washington und Peking...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs rutscht unter 24.000 Punkte: Berichtssaison verliert an Schwung
15.05.2026

Während die US-Börsen von der KI-Euphorie profitieren, zeigt sich der DAX-Kurs vor dem Wochenende deutlich schwächer. Anleger richten...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 20: Die wichtigsten Analysen der Woche
15.05.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 20 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis auf tiefstem Stand seit April: Warum Anleger plötzlich nervös werden
15.05.2026

Der Absturz beim Goldpreis am Freitag überrascht die Anleger. Und auch der Silberpreis steht vor dem Wochenende deutlich unter Druck. Vor...