Finanzen

S&P 500 und die Illusion von sicheren, langfristigen Renditen

Der amerikanische Aktienmarkt befindet sich in turbulenten Zeiten. Angesichts der unvorhersehbaren Handelspolitik von Präsident Donald Trump und der zunehmenden geopolitischen Unsicherheiten geraten viele Investoren mehr und mehr in Sorge.
18.04.2025 16:00
Lesezeit: 3 min
S&P 500 und die Illusion von sicheren, langfristigen Renditen
Die Illusion sicherer Renditen (Foto: pixabay/ geralt).

„Kaufe und vergiss“: Die vermeintlich sichere Strategie

Die Auswirkungen auf den S&P 500-Index sind bereits spürbar: Seit Jahresbeginn hat der Index an Wert verloren. Trotz dieser Rückgänge glauben viele Anleger noch immer an die vermeintliche „sichere“ Rendite des US-Aktienmarkts.

Eine der populärsten Anlagestrategien ist die Investition in den S&P 500 über börsengehandelte Fonds (ETFs), begleitet von dem Rat, diesen Kauf zu „vergessen“. Diese Strategie basiert auf der Annahme, dass der US-Aktienmarkt langfristig stetig wächst und eine der sichersten Anlagemöglichkeiten darstellt. Prominente Investoren wie Warren Buffett empfehlen, einen Großteil des Kapitals in breite Indexfonds zu investieren und sich den langfristigen Wertzuwachs zu zunutze zu machen.

Doch immer mehr Stimmen warnen vor der Vorstellung, dass diese Strategie immer und in jedem Marktumfeld funktioniert. Während die US-Aktienmärkte in der Vergangenheit in den meisten Jahrzehnten ein stetiges Wachstum verzeichneten, ist der Blick auf die historische Entwicklung des Marktes nicht immer so rosig, wie es viele Analysten gerne darstellen.

Nicht immer risikofrei: Historische Verluste und niedrige Renditen

Meir Statman, Professor für Finanzen an der Universität Santa Clara, widerspricht der allgemeinen Vorstellung, dass der US-Aktienmarkt über lange Zeiträume immer höhere Renditen als sicherere Anlagen wie Staatsanleihen bringt. In einer Analyse verweist er auf die realen Renditen von US-Aktien seit 1792, die im Vergleich zu Staatsanleihen über lange Zeiträume eher gemischte Ergebnisse liefern.

„Es gibt die weit verbreitete Annahme, dass US-Aktien auf kurze Sicht Verluste verursachen können, aber langfristig immer Gewinne bringen, wenn sie mindestens 10 Jahre gehalten werden. Leider ist diese Vorstellung falsch“, so Statman. Die historische Datenanalyse zeigt, dass US-Aktien auch über einen Zeitraum von 10 Jahren erhebliche Verluste einfahren konnten. Ein besonders markantes Beispiel ist der Zeitraum von 1999 bis 2009, in dem US-Aktien real rund 37 Prozent an Wert verloren. Auch in anderen Dekaden, etwa während der großen Depression der 1930er Jahre, verzeichneten US-Aktien enorme Verluste.

Rendite und Risiko: Ein schwieriges Zusammenspiel

Die Analyse von Statman stützt sich auf eine Untersuchung von Edward F. McQuarrie, der die realen Renditen von US-Aktien und Staatsanleihen von 1792 bis 2019 verglichen hat. Diese zeigt, dass es nur für einen kurzen Zeitraum nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu den 1980er Jahren eine klare Überlegenheit von Aktien gegenüber Staatsanleihen gab. In den letzten 40 Jahren haben Aktien nur marginal höhere Renditen geliefert, gleichzeitig aber auch deutlich mehr Schwankungen und Risiken.

Ein zentrales Argument von McQuarrie und Statman ist, dass die langfristige Betrachtung von Finanzmärkten oft zu einem verzerrten Bild führt. Insbesondere die Annahme, dass der S&P 500 eine garantierte „sichere“ Anlage ist, stellt sich in einem längeren historischen Kontext als problematisch heraus. Die Frage, wie riskant eine Anlage wirklich ist, hängt stark von der gewählten Betrachtungsweise und dem zeitlichen Horizont ab.

Veränderte Marktbedingungen: Ein „normales“ Wachstum ist nicht garantiert

Die hohe Volatilität der letzten Jahre, die durch politische Instabilität und Handelskonflikte ausgelöst wurde, könnte darauf hinweisen, dass der US-Aktienmarkt nicht mehr die verlässliche Einkommensquelle der Vergangenheit ist. Ein einfaches „Kaufe und vergiss“ könnte in einem Markt, der zunehmend durch geopolitische Risiken und strukturelle Veränderungen geprägt ist, nicht mehr die beste Strategie sein.

„Das Risiko, das mit US-Aktien verbunden ist, wird oft unterschätzt“, so Statman. Gerade in Zeiten, in denen Handelskriege und politische Unsicherheiten die Märkte belasten, könnte die Rendite aus den Märkten nicht mehr ausreichen, um die hohen Risiken zu rechtfertigen. Für langfristig orientierte Anleger könnte es sich daher lohnen, ihre Anlagestrategien regelmäßig zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.

Vorsicht vor der Verlockung einer „sicheren“ Rendite

Der US-Aktienmarkt hat in der Vergangenheit eindrucksvolle Renditen erzielt. Doch eine pauschale Empfehlung, blind in den S&P 500 zu investieren und „zu vergessen“, ist gefährlich. Die Märkte befinden sich in einer Phase erhöhter Unsicherheit, und Anleger sollten sich der Risiken bewusst sein, die mit dieser Strategie verbunden sind. Zwar bleibt der S&P 500 auch weiterhin ein interessanter Investmentbereich, jedoch sollten Investoren nicht die Augen vor der Möglichkeit langfristiger Verluste verschließen. In Zeiten, in denen der Markt zunehmend durch politische und wirtschaftliche Turbulenzen geprägt ist, sollten Anleger gut überlegen, wie sie ihr Portfolio aufstellen und welche Risiken sie bereit sind einzugehen.

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