Wirtschaft

Apple und Meta im Visier – Brüssel greift hart durch

Apple und Meta sollen zusammen 700 Millionen Euro zahlen – wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das neue EU-Digitalgesetz. Die Kommission will damit ein Zeichen setzen und erstmals das Gesetz über digitale Märkte durchsetzen. Doch die betroffenen Konzerne wehren sich mit Nachdruck und warnen vor politischen Folgen für das transatlantische Verhältnis.
23.04.2025 15:23
Lesezeit: 2 min
Apple und Meta im Visier – Brüssel greift hart durch
700 Millionen Euro Strafe für Apple und Meta: Die EU greift erstmals mit dem neuen Digitalgesetz durch – und trifft auf Widerstand aus den USA. (Foto: dpa) Foto: Hannes P. Albert

EU-Kommission: 700 Millionen Euro Strafe für Apple und Meta

Brüssel nimmt erneut US-Techfirmen ins Visier und verhängt Strafen gegen Apple sowie die Facebook-Mutter Meta. Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Die EU-Kommission belegt die US-Technologiekonzerne Apple und Meta mit Geldbußen von 500 Millionen beziehungsweise 200 Millionen Euro. Nach Auffassung der Behörde haben die Unternehmen gegen europäisches Digitalrecht verstoßen. Gegen die Entscheidungen können sie rechtlich vorgehen.

Apple kündigt juristische Schritte an

Apple kündigte bereits an, juristisch gegen die Strafe vorzugehen. Konkret sollen die US-Konzerne laut Kommission gegen das sogenannte Gesetz über digitale Märkte (DMA) verstoßen haben. Die Verordnung soll unter anderem sicherstellen, dass marktbeherrschende Unternehmen keine Wettbewerber benachteiligen. Es ist das erste Mal, dass die Kommission Bußgelder auf Basis des DMA verhängt.

Apple spricht von unfairem Vorgehen

Apple hält das Vorgehen der Kommission für unfair. Der Konzern werde gezwungen, Technologien kostenfrei bereitzustellen. "Wir haben Hunderttausende von Entwicklungsstunden investiert und Dutzende von Änderungen vorgenommen, um diesem Gesetz zu entsprechen", erklärte Apple. Trotz zahlreicher Treffen ändere die Kommission immer wieder die Zielvorgaben.

Politischer Zündstoff zwischen EU und USA

Die Strafen könnten sich auf die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen den USA und der EU auswirken. Der republikanische Vorsitzende der US-Handelskommission (FTC), Andrew Ferguson, sagte kürzlich bei einer Veranstaltung, es wirke, als sei der Digital Markets Act (DMA) eine Form der Besteuerung amerikanischer Unternehmen. Die EU-Kommission hat in den vergangenen Jahren wiederholt hohe Strafen gegen US-Techfirmen verhängt.

EU-Kommission weist Zusammenhang mit Zollstreit zurück

Die Brüsseler Behörde betont hingegen regelmäßig, dass Verfahren gegen US-Konzerne nicht im Zusammenhang mit aktuellen Spannungen mit Washington wegen des Zollstreits stehen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen brachte Ende vergangener Woche unabhängig davon Abgaben auf Werbeeinnahmen großer Online-Plattformen ins Gespräch.

Kommission: Apple behindert App-Entwickler

Im Verfahren wirft die EU-Kommission Apple vor, App-Entwickler daran zu hindern, Nutzern Angebote außerhalb des App-Stores zugänglich zu machen. Verbraucher könnten nicht im vollen Umfang von alternativen und günstigeren Angeboten profitieren, da Apple Entwickler davon abhalte, über solche Offerten direkt zu informieren.

Pay-or-consent: Kritik an Metas Modell

Die Strafe gegen Meta bezieht sich laut Kommission auf dessen sogenanntes Pay-or-consent-Modell. Bereits im Juli hatte die Behörde mitgeteilt, dass sie dieses Modell für nicht EU-rechtskonform halte.

Meta führte neue Optionen ein

Im Zentrum steht die Wahlmöglichkeit für Facebook- und Instagram-Nutzer zwischen einer monatlich kostenpflichtigen, werbefreien Variante und einer kostenlosen Version mit personalisierter Werbung. Diese Auswahl biete nicht ausreichend Spielraum, sich für einen Dienst mit geringerer Nutzung persönlicher Daten zu entscheiden.

Nach Angaben der Kommission hat Meta im November 2024 eine neue Version des personalisierten Werbemodells eingeführt. Diese enthalte eine Option, bei der weniger personenbezogene Daten verwendet werden sollen. "Die Kommission prüft derzeit diese neue Option." Die Strafe beziehe sich auf den mutmaßlichen Verstoß zwischen März 2024 und November 2024.

Höhere Strafen wären möglich gewesen

Wer gegen das DMA verstößt, muss mit harten Konsequenzen rechnen. Der Gesetzestext erlaubt Geldbußen von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Im Wiederholungsfall kann dieser Satz auf 20 Prozent steigen.

Für das vergangene Jahr meldete Apple einen Umsatz von knapp 400 Milliarden US-Dollar (rund 370 Milliarden Euro). Bei Meta belief sich der Wert nach Unternehmensangaben auf rund 165 Milliarden US-Dollar.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Panorama
Panorama Schießerei in Jugendeinrichtung in Stade: Fünf Tote
29.06.2026

In einer Jugendeinrichtung im niedersächsischen Stade sind Schüsse gefallen. Ein Großeinsatz der Polizei in der Innenstadt läuft. Es...

DWN
Finanzen
Finanzen Airbus bekommt Rekordsumme: EU-Förderbank zahlt drei Milliarden 
29.06.2026

Die Europäische Investitionsbank soll Prioritäten der EU finanzieren helfen - etwa bei Sicherheit und Verteidigung. Die Förderbank...

DWN
Finanzen
Finanzen Ausgaben für Verteidigung: Höchster Anstieg staatlicher Investitionen seit 2000
29.06.2026

Die staatlichen Investitionen in Deutschland steigen 2025 so stark wie seit 25 Jahren nicht. Vor allem in einem Bereich fließt mehr Geld....

DWN
Politik
Politik Grüne: Regierung muss beim Hitzeschutz dringend handeln
29.06.2026

Die Regierung tut nach Ansicht der Grünen zu wenig, um die Menschen vor Hitze zu schützen. Die Oppositionspartei verlangt Klimaanlagen...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Prognose: Deutsche Bank senkt Erwartungen deutlich
29.06.2026

Eine weitere Großbank hat ihre Goldpreis-Prognose nach unten korrigiert. Die Experten der Deutschen Bank haben ihre Erwartungen für den...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Norwegens Ölfonds-Chef warnt: Wer KI nicht versteht, sollte als CEO gehen
29.06.2026

Nicolai Tangen verwaltet den größten Staatsfonds der Welt und zählt zu den einflussreichsten Investoren überhaupt. Im Interview...

DWN
Technologie
Technologie KI-Boom: Südkorea steckt Hunderte Milliarden in seine Chip-Industrie
29.06.2026

Mit einem Rekord-Investitionspaket wollen Samsung und SK Hynix Südkoreas Technologiestärke sichern. Präsident Lee Jae Myung spricht von...

DWN
Politik
Politik Rentenreform: Minijobs sollen wegfallen - was bedeutet das?
29.06.2026

Die Rentenkommission schlägt der Bundesregierung vor, Minijobs weitgehend abzuschaffen. Die bisher „geringfügig Beschäftigten“...