Technologie

Cyberbedrohungen: Unternehmen stehen vor einer Zeitenwende – Sicherheit wird zur wirtschaftlichen Überlebensfrage

Die Weltwirtschaft hat einen neuen, unsichtbaren Frontverlauf – und dieser verläuft mitten durch die digitalen Netzwerke globaler Unternehmen. Was einst als technisches Randthema galt, wird nun zur zentralen Überlebensfrage der Wirtschaft: Cybersicherheit. Und sie wird teuer – sehr teuer.
29.04.2025 18:03
Lesezeit: 2 min
Cyberbedrohungen: Unternehmen stehen vor einer Zeitenwende – Sicherheit wird zur wirtschaftlichen Überlebensfrage
Künstliche Intelligenz macht Angriffe schneller, gezielter, autonomer. (Foto: dpa | Lino Mirgeler) Foto: Lino Mirgeler

Der unsichtbare Feind wird intelligent – und unberechenbar

Cyberangriffe haben sich dramatisch verändert. Früher handelte es sich um vereinzelte Hackerangriffe, heute sind es konzertierte Operationen, häufig KI-gesteuert, oft staatlich gedeckt, und wirtschaftlich verheerend. Laut einer aktuellen Erhebung des Finanztechnologieunternehmens FIS in Kooperation mit Oxford Economics verlieren Unternehmen jährlich im Durchschnitt rund 98,5 Millionen US-Dollar durch Cyberkriminalität, Betrug und ineffiziente Strukturen.

88 Prozent der befragten Führungskräfte gaben an, dass Cyberbedrohungen heute die größte Gefahr für ihr Unternehmen darstellen – noch vor klassischen Risiken wie Regulierung oder Marktschwankungen. Die Angst geht um – und sie ist begründet.

Ein globales Wettrüsten beginnt – die Sicherheitsausgaben explodieren

Der Markt reagiert bereits. Laut IDC werden die weltweiten Ausgaben für Cybersicherheit im Jahr 2025 um über 12 Prozent steigen und bis 2028 die Schallmauer von 377 Milliarden US-Dollar durchbrechen. Kein Unternehmen, kein Konzern, keine Branche kann sich dem entziehen.

In Europa ist Irland ein Beispiel für den massiven Aufbruch: Dort steigen die Ausgaben um 13,3 Prozent – ein Symbol für den Wandel, bei dem Länder um die Rolle als technologische Sicherheitszentren kämpfen. Die wahren Gründe für diesen Anstieg jedoch sind weniger erfreulich: zunehmende Angriffe, staatlich geförderte Cyberoperationen, Wirtschaftsspionage und systemische Angriffsversuche auf kritische Infrastruktur.

Strategiewechsel: Sicherheit wird zur Wachstumsbedingung

Was sich derzeit abspielt, ist keine technologische Innovation – es ist ein Paradigmenwechsel in der Unternehmensführung. Cybersicherheit ist nicht mehr nur ein Schutzmechanismus, sondern Voraussetzung für digitale Geschäftsmodelle, Vertrauen, Marktpositionen – und letztlich für nationale Souveränität. Wie einst die Ölversorgung, wird der digitale Schutzschirm zur strategischen Ressource.

Das betont auch Romain Fouchereau von IDC: „Sicherheit ist kein technisches Anhängsel mehr – sie ist strategischer Imperativ.“ Unternehmen investieren heute nicht mehr nur, um Schäden zu verhindern, sondern um überhaupt marktfähig zu bleiben.

Europa im Nachteil: Reguliert, aber nicht geschützt

Während Westeuropa und die USA zwar gemeinsam über 70 Prozent der globalen Ausgaben stemmen, hinkt Europa in einem entscheidenden Punkt hinterher: Der Kontinent investiert zu häufig reaktiv, nicht strategisch. Geopolitische Risiken – von russischen APT-Gruppen über asiatische Cyberakteure bis hin zu inländischen Terrorzellen – werden zwar erkannt, aber nicht entschlossen genug bekämpft.

Noch immer regiert in vielen Vorstandsetagen das Kostenargument. Doch die Realität lautet: Wer heute bei der Sicherheit spart, zahlt morgen doppelt – mit Daten, Marktanteilen oder dem Unternehmen selbst.

Die Unternehmen stehen vor einem Wettrennen, das sie nicht verlieren dürfen

Die Künstliche Intelligenz macht Angriffe schneller, gezielter, autonomer. Das Gegenmittel ist ebenso klar wie teuer: massive Investitionen in digitale Verteidigung, strategische Planung und personelle Hochrüstung. Wer das ignoriert, spielt mit dem Feuer – in einer Welt, in der der nächste große Krieg nicht mit Panzern, sondern mit Algorithmen gewonnen wird.

Cybersicherheit ist kein Kostenpunkt mehr – sie ist der Preis für den Verbleib im digitalen Spiel.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Edelmetalle in einer neuen Marktphase

Gold über 5.500 US-Dollar, Silber über 100 US-Dollar pro Unze

DWN
Finanzen
Finanzen Finanzabteilungen vor dem Kollaps? Warum 2026 alles ändert
31.01.2026

2026 wird zum Schicksalsjahr für Finanzabteilungen: KI verspricht Effizienz, Regulierung droht mit Sanktionen – und beides trifft jetzt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volvo EX60: Schwedens Antwort auf den BMW iX3 und den Mercedes GLC
31.01.2026

Volvo will sich mit einem neuen Elektro-SUV im Premiumsegment strategisch neu ausrichten. Gelingt es dem Hersteller damit erstmals,...

DWN
Finanzen
Finanzen Trotz niedrigem Kakaopreis: Hoher Schokoladenpreis bremst die Nachfrage
31.01.2026

Obwohl der Kakaopreis seit Monaten deutlich fällt, wird Schokolade spürbar teurer. Während die Umsätze aufgrund des hohen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Macrons kurioser Auftritt in Davos: Sonnenbrille sorgt für Kurssprung der iVision Tech-Aktie
31.01.2026

Macrons Sonnenbrille löste bei seinem Auftritt in Davos eine ungewöhnliche Marktreaktion aus. Die mediale Aufmerksamkeit katapultierte...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Schienengüterverkehr unter Druck: Deutlicher Rückgang der Transportleistungen
31.01.2026

Der europäische Schienengüterverkehr verliert europaweit an Bedeutung. Welche Ursachen stehen hinter dieser Entwicklung und welche Folgen...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Erstarkender Dollar drückt Aktien und Edelmetalle ins Minus
30.01.2026

Die US-Börsen beendeten den Freitag mit Verlusten. Der Dollar legte zu, während die Preise für Gold und Silber drastisch einbrachen.

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 05: Die wichtigsten Analysen der Woche
30.01.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 05 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Panorama
Panorama Solarstrom, Euro, Fastenmonat – das bringt der Februar
30.01.2026

Im kürzesten Monat des Jahres verschwindet eine Währung endgültig aus einem EU-Land, für Urlauber bringt das Erleichterung. Für...