Unternehmen

Insolvenz: Möbelhersteller Nolte macht dicht - rund 240 Beschäftigte verlieren ihre Existenz

Abschied von Schlafzimmern made in Germany: Der Möbelhersteller Nolte in Germersheim wird sein Werk voraussichtlich schließen. Der geplante Insolvenzplan scheitert an der fehlenden Finanzierung. Die Marke bleibt – doch „Schlafzimmer aus Germershein“ gehören jetzt der Vergangenheit an.
07.05.2025 17:58
Aktualisiert: 08.05.2025 08:33
Lesezeit: 2 min
Insolvenz: Möbelhersteller Nolte macht dicht - rund 240 Beschäftigte verlieren ihre Existenz
Schließung des Traditionswerks Nolte Möbel: Das Germersheimer Unternehmen teilt in einer Pressemitteilung mit: „Die Produkte werden auch viele Jahre nach Produktionsende die hohen Ansprüche der Kunden erfüllen.“ (Foto: dpa)

Nolte Möbel begründet die Schließung mit einer stark rückläufigen Auftragslage. Das Unternehmen ist in Germersheim in Rheinland-Pfalz ansässig.

Germersheim: Möbelhersteller Nolte schließt

Die Belegschaft des Germersheimer Traditionsunternehmens wurde am Dienstag über die Schließung informiert, so der Zweite Bevollmächtigte der Gewerkschaft IG-Metall in Landau, Harald Lange. Für die rund 240 Frauen und Männer bedeute das, dass sie voraussichtlich ab Ende Juni arbeitslos sind. Einige Mitarbeitende seien aber auch direkt "freigestellt", also nach Hause geschickt worden, so Lange.

Möbel Nolte in Germersheim drosselt Produktion seit 1. Mai

Das Unternehmen teilte mit, dass es die Möbelproduktion in Germersheim ab dem 1. Mai schrittweise herunterfahren werde. Man werde noch alle Aufträge abarbeiten. Bis Ende Juni könnten zudem auch noch neue Aufträge angenommen werden. Danach ist wohl Schluss.

Keine Chance zur Rettung von Nolte?

Nolte Möbel hatte in den vergangenen Jahren eine große Umstrukturierung hinter sich gebracht. In Germersheim produziert das Familienunternehmen heute noch Schlafzimmermöbel. Im November 2023 musste es Insolvenz anmelden.

Ab Februar 2024 lief das Insolvenzverfahren. Seitdem suchte das Nolte Möbel vergeblich nach einem Investor und hat bereits eine Kündigungswelle hinter sich.

Dazu schreibt das Unternehmen: „Das erarbeitete Szenario zur Beendigung des Insolvenzverfahrens durch einen Insolvenzplan ist allerdings ohne Investor nicht umsetzbar. Auch weiterer massiver Personalabbau wurde geprüft und durchgeführt.“

IG-Metall-Sprecher Lange sagte dem SWR, noch im Februar habe die Auftragslage in Germersheim gut ausgesehen. Er hält es zwar für unwahrscheinlich, schließt aber nicht völlig aus, dass sich die Auftragslage nochmals erholen könnte.

Nolte Möbel drückt es so aus: „Ab Juli können bei unveränderten Bedingungen keine Aufträge mehr angenommen werden.“

Nolte-Küchen nicht von Schließung betroffen

Vom Aus ist aber nur der Nolte Möbel in Germersheim betroffen, die Schlafzimmer baut. Darauf weißt die Dachgesellschaft der Nolte Gruppe hin.

Unter ihr vereinen sich Tochtergesellschaften wie Nolte Küchen, Express Küchen, Drum sowie die Nolte Holding International. Die Nolte Möbel GmbH & Co. KG und die Unternehmen der Nolte Gruppe seien bereits seit 2020 organisatorisch getrennt.

Abschied von Schlafzimmern made in Germany

Das Bedauern und der Schmerz über die Schließung des Traditionswerks wird selbst in der ansonsten sachlichen Pressemitteilung deutlich. Das Germersheimer Unternehmen schreibt hier: „Nolte Möbel bedanken sich für das in Nolte-Möbel Produkte gesetzte Vertrauen. Die Produkte werden auch viele Jahre nach Produktionsende die hohen Ansprüche der Kunden erfüllen."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Lageroptimierung als Wettbewerbsfaktor im Mittelstand

In Zeiten steigenden Wettbewerbsdrucks, globaler Lieferketten und wachsender Kundenerwartungen wird die Effizienz interner Prozesse zu...

 

DWN
Finanzen
Finanzen Renk-Aktie: Dividende und Ausblick unter Druck
05.03.2026

Die Renk-Aktie schwankt weiter trotz Rekordumsätzen und stabiler Dividende. Analysten sehen Chancen für Investoren in einem geopolitisch...

DWN
Politik
Politik Putin-Gas: EU wird der Hahn abgedreht, Russland prüft vorzeitiges Embargo
05.03.2026

Putin erwägt, Gaslieferungen an die EU vorzeitig zu stoppen. Ein solches Vorgehen könnte die Energiepreise massiv anheizen.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Überverantwortung im Job: Wenn Engagement zur Dauerbelastung wird – diese Lösungen gibt es
05.03.2026

Überverantwortung im Job gilt oft als Tugend: engagiert, gewissenhaft, verlässlich. Doch wer dauerhaft mehr trägt, als eigentlich...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin und KI: Warum Maschinen die Cyberdevise bevorzugen
05.03.2026

Bitcoin behauptet sich als bevorzugtes Geld der Künstlichen Intelligenz – Fiatgeld verliert deutlich. Die Studie des BPI offenbart,...

DWN
Finanzen
Finanzen Bundesbank macht Verlust von 8,6 Milliarden Euro
05.03.2026

Die Bundesbank schreibt erneut Milliardenverluste, eine Auszahlung an den Bund bleibt aus. Die Geldpolitik der EZB hinterlässt tiefe...

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg: Auswirkungen auf Russlands Krieg in der Ukraine
05.03.2026

Der Iran-Krieg überschattet den Ukraine-Konflikt und verunsichert Kiew wie Moskau. Besonders Waffenlieferungen und Drohnenstrategien...

DWN
Finanzen
Finanzen Merck-Aktie und US-Geschäft: Währungsprobleme und Generika belasten Ergebnis
05.03.2026

Die Merck-Aktie gerät unter Druck: Schwacher Dollar und Generika bremsen das Wachstum. Anleger müssen sich auf sinkende Gewinne und...

DWN
Politik
Politik China: Niedrigstes Wachstumsziel seit mehr als drei Jahrzehnten
05.03.2026

Chinas Wirtschaft verliert an Tempo – und die Führung in Peking senkt erstmals seit Jahrzehnten ihre Erwartungen. Das neue Wachstumsziel...