Unternehmen

Externe IT-Dienstleister: So teuer ist das Auslagern wirklich

In ganz Europa setzen Organisationen auf externe IT-Dienstleister – und geraten dabei zunehmend in eine Falle: Der Einkauf orientiert sich am niedrigsten Preis, nicht an der Leistungsfähigkeit. Die Folge sind Sicherheitsrisiken, Datenverluste und wachsende Systeminstabilität. Ein Brancheninsider warnt: IT darf kein Billigprodukt sein.
15.05.2025 12:27
Aktualisiert: 16.05.2025 12:27
Lesezeit: 2 min

Papier ist geduldig – Realität der externen IT-Dienstleister ist komplex

Ob Krankenhaus, Finanzbehörde oder Mittelstandsunternehmen – die Abhängigkeit von stabiler, sicherer und leistungsfähiger IT-Infrastruktur ist existenziell. Doch statt strategischer Planung dominieren bei vielen Organisationen kurzfristige Kostenerwägungen. Für Tomaš Jankovski, Leiter der Serviceabteilung beim Technologiedienstleister Atea, ist das ein struktureller Fehler mit systemischen Folgen.

„Viele Organisationen glauben, dass eine durchdachte technische Spezifikation beim IT-Service-Einkauf ausreicht. Doch das ist ein Irrglaube“, so Jankovski. Eine Spezifikation sei bestenfalls ein Anfang – nicht das Ende. Entscheidend sei nicht, was auf dem Papier steht, sondern wie der Dienstleister nach Vertragsunterzeichnung tatsächlich agiert.

Problematisch wird es, wenn Auftraggeber den billigsten Anbieter wählen – und gleichzeitig hohe Verfügbarkeit, schnelle Reaktionszeiten und höchste Sicherheitsstandards verlangen. „Das ist, als würde man für drei Euro pro Monat den digitalen Arbeitsplatz rund um die Uhr betreuen lassen wollen – inklusive Sicherheitsupdates und First-Level-Support in 15 Minuten“, so der IT-Experte.

Preisillusionen gefährden kritische Infrastruktur

Besonders drastisch äußert sich Jankovski über Dumpingpreise: 3 Euro für Arbeitsplatzsupport, 8 Euro Stundenlohn für IT-Techniker – und 12 Euro für Systemadministratoren. Das sei nicht nur weltfremd, sondern brandgefährlich. „Wer mit solchen Budgetvorgaben einkauft, bekommt keine Profis – sondern jemanden, der im Zweifel bei Google oder ChatGPT nach einer Lösung sucht“, warnt er.

Die Folgen sind fatal: Cyberangriffe auf schlecht gewartete Systeme, Datenlecks, lange Ausfälle und im schlimmsten Fall Kontrollverlust über kritische digitale Dienste – insbesondere im öffentlichen Sektor.

Transparenz nach Vertragsabschluss: Der blinde Fleck

Ein weiterer Fehler: Nachlässigkeit bei der Qualitätssicherung nach Vertragsabschluss. Zwar würden Rechnungen oft akribisch geprüft – doch Service Level Agreements, Performance-Indikatoren und Qualitätstreffen würden stiefmütterlich behandelt. Dabei seien diese Elemente zentral für funktionierendes IT-Servicemanagement.

Organisationen müssten – so Jankovski – viel stärker auf fortlaufende Kontrolle und konstruktive Zusammenarbeit setzen: „Nur wer Servicekennzahlen aktiv verfolgt, kann frühzeitig Schwächen identifizieren und Gegenmaßnahmen einleiten.“

Konsequenz statt Duldung: Warum schlechtes IT-Management Konsequenzen haben muss

Jankovski rät zu Klartextverträgen mit eindeutigen Sanktionen bei Nichterfüllung – und zur konsequenten Trennung, wenn Leistungen nicht stimmen. „Wird der Vertrag nicht erfüllt, muss gekündigt werden. Nur so beenden wir den Teufelskreis der Billigversprechen ohne Substanz.“

In Zeiten wachsender Cyberbedrohungen seien Ausfälle oder Datenverluste nicht mehr nur ärgerlich – sie könnten zu nationalen Sicherheitsrisiken werden. Behörden, Energieversorger oder Gesundheitseinrichtungen müssten ihre IT-Dienstleister daher mit der gleichen Ernsthaftigkeit prüfen wie sicherheitsrelevante Infrastruktur.

Fazit: IT ist keine Kostenstelle – sondern strategisches Kapital

In einer zunehmend digitalisierten Welt ist IT kein Anhängsel der Verwaltung, sondern das Rückgrat moderner Wertschöpfung. Wer hier auf Billiganbieter setzt, spart kurzfristig – und zahlt langfristig mit Ausfällen, Imageschäden und hohen Folgekosten. Nur anspruchsvolle Auftraggeber zwingen den Markt zur Qualität.

Der Trend zu Niedrigpreisvergabe im IT-Dienstleistungssektor untergräbt die digitale Resilienz europäischer Organisationen. Wer nachhaltige Ergebnisse will, braucht klare Qualitätsstandards, harte Vertragsbedingungen und konsequente Leistungskontrolle. Billigangebote ohne Substanz müssen nicht nur erkannt, sondern aktiv vom Markt verdrängt werden – im Interesse von Stabilität, Sicherheit und Souveränität.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Forschungsstandort Europa 2026: Zwischen Exzellenz und Sparzwang
25.05.2026

Europa forscht stark, doch Kürzungen bei Horizon Europe bedrohen den Anschluss an USA und China. Was das für Talente, Patente und...

DWN
Politik
Politik Weltbekannter Professor sieht gefährliche Veränderung bei Trump
25.05.2026

Francis Fukuyama sieht Trump politisch geschwächt, aber gerade deshalb gefährlich. Für Dänemark und Grönland könnte die nächste...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI-Arbeitsmarkt: Wer durch KI ersetzt wird, zahlt jahrelang
25.05.2026

KI soll Unternehmen schneller, schlanker und profitabler machen. Doch für Beschäftigte, die durch neue Technologien ihren Job verlieren,...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktienempfehlungen: Günstige Aktien trotz KI-Hype, Zinsrisiko und Rüstungsboom
25.05.2026

Viele Anleger jagen weiter den teuersten KI-Gewinnern hinterher, doch Morningstar sieht die spannendere Chance woanders. Zehn globale...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Hyundai Kona im Test: Futuristisch, mutig und anders
25.05.2026

Der Hyundai Kona sieht aus, als wolle er nicht jedem gefallen. Genau das macht ihn spannend, denn hinter der mutigen Form steckt ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Klimarisiken in Europa: Warum der Mittelstand besser vorsorgen muss
25.05.2026

Klimarisiken und Nachhaltigkeit werden für Europas Mittelstand zu entscheidenden Faktoren für Finanzierung, Wettbewerbsfähigkeit und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Veggie-Burger-Boom verliert an Tempo: Fleischersatz in Deutschland erstmals rückläufig
25.05.2026

Pflanzliche Fleischalternativen haben den Lebensmittelmarkt in Deutschland stark verändert. Doch nach Jahren kräftigen Wachstums sinkt...

DWN
Technologie
Technologie Meta: WhatsApp-Inkognito-Modus kommt für KI-Unterhaltungen
25.05.2026

Meta erweitert WhatsApp um neue KI-Funktionen und verspricht dabei mehr Datenschutz. Nutzer sollen künftig inkognito mit der Meta AI...