Politik

Ehegattennachzug stagniert: Rechtliche Hürden beim Sprachnachweis

Die Zahl der Visa für den Ehegattennachzug nach Deutschland ist rückläufig. Gleichzeitig bestehen weiterhin sprachliche und rechtliche Hürden für nachziehende Partner – trotz politischer Zusagen auf Erleichterung. Besonders der verpflichtende Deutsch-Test bleibt ein Stolperstein.
07.06.2025 11:00
Lesezeit: 1 min

Sprachnachweis bleibt zentrale Voraussetzung

Nach Angaben des Auswärtigen Amts wurden im Jahr 2024 rund 72.500 Visa für Ehegattennachzug erteilt – etwa 4.700 weniger als im Vorjahr. Die Daten stammen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion.

Für die Erteilung eines Visums zum Ehegattennachzug müssen Antragstellende in der Regel grundlegende Deutschkenntnisse auf dem Niveau A1 nachweisen. Ausnahmen gelten etwa für Personen mit Hochschulabschluss oder für bestimmte Gruppen mit anerkanntem Schutzstatus. Wer die Prüfung nicht besteht, hat zunächst keinen Zugang zur Familienzusammenführung. Die aktuelle Bestehensquote liegt bei 62 Prozent – ein leichter Rückgang im Vergleich zu den Vorjahren.

Kritik an ausbleibenden Reformen

Die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Clara Bünger, sieht im aktuellen Verfahren eine Ungleichbehandlung: „Beim Nachzug zu Fachkräften gilt diese Regelung nicht mehr.“ Auch bemängelt sie die fehlende Transparenz zur Anwendung von Härtefallregelungen, für die keine Zahlen vorliegen.

Tatsächlich hatte die Ampel-Koalition im Koalitionsvertrag 2021 angekündigt, den Sprachnachweis künftig auch nach der Einreise zu ermöglichen. Diese Änderung wurde bisher jedoch nicht umgesetzt. Auch beim Familiennachzug für subsidiär Schutzberechtigte blieb es beim bestehenden monatlichen Kontingent von 1.000 Angehörigen – mit Aussicht auf Einschränkungen unter der aktuellen Bundesregierung.

Soziale und rechtliche Anforderungen

Neben dem Sprachnachweis müssen Ehepaare weitere Voraussetzungen erfüllen: ausreichender Wohnraum, gesichertes Einkommen und ein gültiger Aufenthaltstitel auf Seiten der bereits in Deutschland lebenden Person. Nur im sogenannten „privilegierten Ehegattennachzug“ – etwa für anerkannte Flüchtlinge – entfallen diese Anforderungen.

Wer profitiert vom privilegierten Nachzug?

Diese Form des Familiennachzugs erleichtert die Wiedervereinigung für Menschen mit anerkanntem Schutzstatus. Für Menschen mit subsidiärem Schutz galt das bisher ebenfalls – allerdings im Rahmen eines Kontingents. Die Bundesregierung plant nun, diesen privilegierten Zugang für diese Gruppe ganz auszusetzen.

Die meisten Visa für den Ehegattennachzug im Jahr 2024 gingen an syrische Staatsangehörige, gefolgt von Personen aus der Türkei, Indien, dem Kosovo, Russland und dem Iran. Afghanische Ehepartner rangieren weiter unten – mit rund 1.395 ausgestellten Aufenthaltstiteln – trotz der Bedeutung Afghanistans als Herkunftsland vieler Asylsuchender.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
DWN
Finanzen
Finanzen Digitalwährung: Sparkassenverband sieht digitalen Euro kritisch
21.01.2026

Verbandspräsident Hirsch sieht hohe Kosten und keinen Nutzen für Kunden. Außerdem wirft er Fragen zu möglichen Rollenkonflikten bei der...

DWN
Finanzen
Finanzen Ära der Milliardäre: Vermögen von Milliardären legt rasant zu
21.01.2026

Debattenstoff für das Weltwirtschaftsforum in Davos: Seit 2020 wurden Milliardäre inflationsbereinigt um mehr als 80 Prozent reicher....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Neue Unternehmensform EU Inc: EU will Firmen-Registrierung in 48 Stunden möglich machen
21.01.2026

Firmengründer sollen neue Unternehmen in der EU künftig innerhalb von 48 Stunden online anmelden können. Das kündigt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Scott Bessent auf dem Weltwirtschaftsforum: „Die Staats- und Regierungschefs werden nicht eskalieren“
21.01.2026

Die US-Mitgliedschaft in der Nato stehe nicht zur Debatte, und Europa sei selbstverständlich ein Verbündeter. Das sagte US-Finanzminister...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Spitze weist Trump auf dem WEF in Davos zurecht: „Ein Abkommen ist ein Abkommen“
21.01.2026

Die Zoll-Drohungen der USA nach der Grönland-Krise seien ein Fehler – und die Antwort der EU werde „unerschütterlich, geschlossen und...

DWN
Politik
Politik Deutschlands Aufrüstung: Frankreich bewertet Machtverhältnisse in Europa neu
21.01.2026

Deutschlands sicherheitspolitischer Kurs verändert die strategische Ordnung Europas. Welche Folgen hat diese Entwicklung für das...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Netflix übertrifft Erwartungen, doch Aktie fällt
21.01.2026

Netflix gab am Dienstag nach Börsenschluss die Ergebnisse für das vierte Quartal bekannt, die besser ausfielen als erwartet. Die Aktie...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Angst vor Handelskrieg löst Verkaufswelle an der Wall Street aus title
21.01.2026

Die US-Aktienmärkte gaben am Dienstag nach, da die Drohungen von US-Präsident Donald Trump bezüglich Grönland die Handelsspannungen...