Wirtschaft

Russland unter Druck: EU verschärft Sanktionen gegen Kreml

Trotz der Bemühungen von US-Präsident Donald Trump ist ein Ende des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine weiterhin nicht in Sicht. Die EU-Staaten reagieren nun mit neuen Sanktionen.
20.05.2025 13:48
Aktualisiert: 20.05.2025 14:04
Lesezeit: 2 min

Angesichts des anhaltenden Kriegs gegen die Ukraine haben die EU-Staaten ein neues Sanktionspaket gegen Russland beschlossen. Das mittlerweile 17. Paket sieht unter anderem eine weitere Verschärfung der Maßnahmen gegen die sogenannte russische Schattenflotte vor, die Öl und Ölprodukte transportiert. Das teilte EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas nach einer Ministerrunde in Brüssel mit.

Darüber hinaus werden Dutzende weitere Unternehmen ins Visier genommen, die entweder bestehende Sanktionen umgehen oder die russische Rüstungsindustrie unterstützen. „Je länger Russland Krieg führt, desto härter ist unsere Reaktion“, erklärte Kallas auf sozialen Netzwerken.

Bereits in Planung ist ein 18. Sanktionspaket, das unter anderem die Wiederaufnahme des Betriebs der Nord-Stream-Gaspipelines verhindern soll. Außerdem sind eine Senkung des Preisdeckels für russisches Öl sowie weitere Sanktionen gegen den russischen Finanzsektor und gegen Schiffe der Schattenflotte vorgesehen.

„Wladimir Putin spielt offenbar weiter auf Zeit“

Hintergrund der schnellen Verschärfung ist, dass Friedensbemühungen zuletzt keine Ergebnisse brachten und die Forderungen des Westens nach einer sofortigen Waffenruhe nicht erfüllt wurden. „Wladimir Putin spielt offenbar weiter auf Zeit“, sagte der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius in Brüssel. Für ihn ist die Konsequenz klar: vor allem weitere Sanktionen gegen den russischen Energiesektor sind nötig. „Das wirksamste Sanktionsmittel ist das weitere Abschneiden der Geldzuflüsse aus Energieverkäufen“, so Pistorius. „Der Geldstrom, der bereits geschrumpft ist, muss noch mehr auf ein Rinnsal reduziert werden.“

Mit dem aktuellen Paket wird rund 200 weiteren Schiffen das Einlaufen in EU-Häfen verboten. Die Betreiber können zudem keine Dienstleistungen mehr von europäischen Unternehmen in Anspruch nehmen. Neue Ausfuhrbeschränkungen treffen etwa 30 weitere wirtschaftliche Akteure. Dutzende Personen und Unternehmen dürfen künftig gar keine Geschäfte mehr in der EU tätigen und müssen mit Vermögenssperrungen rechnen.

Angst vor einer Ölkatastrophe

Die Sanktionen gegen die Schiffe zielen nicht nur auf die Einschränkung russischer Exporte, sondern auch auf den Umweltschutz ab. Russland wird seit langem vorgeworfen, um einen westlichen Preisdeckel für Ölexporte zu umgehen, Schiffe einzusetzen, die nicht im Besitz westlicher Reedereien sind oder von westlichen Versicherungen gedeckt werden.

Experten warnen vor großen Risiken für die Schifffahrt und die Umwelt. Viele Tanker seien überaltert, hätten technische Mängel und seien zeitweise ohne automatisches Identifizierungssystem unterwegs.

Das bisher letzte EU-Sanktionspaket gegen Russland wurde im Februar verabschiedet – passend zum dritten Jahrestag des Kriegsbeginns.

Die Wirksamkeit der Sanktionen wird jedoch kontrovers diskutiert. Kritiker bezweifeln, dass sie Putins Politik wesentlich beeinflussen. Befürworter argumentieren, dass die Maßnahmen die russische Wirtschaft erheblich schwächen und den Staat vor große Einnahmeverluste stellen. Ohne diese Sanktionen hätte Russland den Krieg möglicherweise schon lange für sich entschieden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Hier sind die besten und schlechtesten Rentensysteme der Welt
22.10.2026

Deutschlands Rentensystem gerät zunehmend unter Druck, während Dänemark im weltweiten Renten-Ranking auf den zweiten Platz klettert....

DWN
Politik
Politik Steuereinnahmen steigen: Klingbeil sieht trotzdem keinen neuen Spielraum
22.10.2026

Die neue Steuerschätzung bringt dem Bund Milliarden an zusätzlichen Einnahmen. Für Finanzminister Lars Klingbeil bedeutet das trotzdem...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rüstungsboom statt Autokrise: Mittelstand drängt in die Wehrtechnik
22.10.2026

Deutschlands Wehretat knackt die 100-Milliarden-Euro-Marke und treibt den industriellen Strukturwandel voran. Weil das klassische...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft SpaceX mit Milliardengewinn: Elon Musk plant die größte Fusion aller Zeiten
22.10.2026

Elon Musk meldet einen Milliardengewinn bei SpaceX und denkt bereits über den nächsten historischen Schritt nach. Eine Fusion mit Tesla...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Verbrenner-Aus in der EU: Lockerung nimmt erste Hürden im Europaparlament
22.10.2026

Das geplante Verbrenner-Aus könnte weniger strikt ausfallen als bislang vorgesehen. Im Europaparlament haben sich erste Ausschüsse für...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mittelschicht in Deutschland: Ab welchem Einkommen Sie wirklich dazugehören
22.10.2026

Viele Deutsche halten sich für durchschnittliche Verdiener, obwohl sie längst zu den oberen Einkommensgruppen gehören. Eine neue Studie...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Barclays streicht 5.000 Stellen: KI soll Produktivität erhöhen
22.10.2026

Die britische Großbank Barclays baut Tausende Arbeitsplätze ab. Ein Teil der Einsparungen wird ausdrücklich mit höherer Effizienz durch...

DWN
Finanzen
Finanzen Investor Felix: Ich überlege schon, mein Portfolio für Weihnachten einzukaufen
22.10.2026

Seit längerer Zeit beobachte ich einen bestimmten Sektor und warte geduldig auf den richtigen Zeitpunkt zum Kaufen. Vielleicht ist er...