Politik

Musk gegen den Staat: Wie ein Tech-Milliardär den US-Haushalt ruinierte

Elon Musk wollte den US-Haushalt wie ein Start-up führen – heraus kam ein Desaster aus Kürzungen, Chaos und gescheiterten Sparzielen. Der Staat ist eben kein Tesla.
04.06.2025 07:05
Lesezeit: 2 min

Musk scheitert mit Sparmission: Chaos im US-Haushalt perfekt

Elon Musks Mission im Weißen Haus ist beendet – zurück bleibt ein Bild des institutionellen Chaos, nicht der versprochenen Effizienz. Sein hochgesteckter Plan zur Reduzierung der Staatsausgaben endete in einem spektakulären Fehlschlag – was kaum überrascht. Denn der Staatshaushalt ist kein Tesla-Budget. Der von Musk geleitete „DOGE“ – das sogenannte „Department of Government Efficiency“ – sollte zwar keine Revolution sein, aber immerhin eine markante Wende im Umgang mit öffentlichen Mitteln bringen. Statt der angekündigten Einsparungen steht das Jahr 2025 jedoch im Zeichen einer neuen Phase fiskalischer Expansion. Das berichtet das Nachrichtenportal Puls Biznesu.

Die Entwicklung der gesamten US-Bundeshaushaltsausgaben unter Donald Trump übertrifft bereits jetzt das Tempo des Vorjahres unter Joe Biden deutlich. Im laufenden Haushaltsjahr liegen die Ausgaben rund 7,5 Prozent über dem Vorjahreswert. Parallel dazu verabschiedete der Kongress ein Steuersenkungsgesetz zugunsten der reichsten Haushalte mit einem kumulierten Volumen von vier Billionen Dollar bis Ende dieses Jahrzehnts.

Keines von Musks mehrfach nach unten korrigierten Sparzielen – von zwei Billionen Dollar jährlich über eine Billion bis hin zu bescheidenen 150 Milliarden – wurde erreicht. Und es gibt keine Anzeichen, dass sich daran etwas ändert. Zwar ist ein Teil der vorgelegten Daten mit Vorbehalt zu betrachten – einige Maßnahmen des DOGE sollten langfristig Einsparungen generieren –, doch selbst unter dieser Prämisse hätten die Staatsausgaben nicht in diesem Maße von der Vorjahreslinie abweichen dürfen, wenn der Plan funktioniert hätte.

Sparwut trifft Bildung, nicht Bürokratie

Die Bilanz von Musks Amtszeit ist vor allem eines: Desorientierung statt Effizienz. Besonders stark zurückgefahren wurden die Ausgaben für Bildung und internationale Hilfe – genau in diesen Bereichen zeigen sich die deutlichsten Rückgänge im Vergleich zum Vorjahr. Pikant dabei: Einer der reichsten Männer der Welt kürzt unter dem Vorwand staatlicher Effizienz ausgerechnet Investitionen in Humankapital und Unterstützungsprogramme für die ärmsten Regionen der Welt – darunter die Subsahara-Staaten.

Gleichzeitig löste Musk institutionelles Chaos aus, indem er mehrere Bundesbehörden auflöste und Zehntausende Stellen im öffentlichen Dienst strich.

Ein politisch unmöglicher Auftrag

Ökonomen hatten von Anfang an geringe Erwartungen: Die Struktur des US-Bundeshaushalts machte die Mission DOGE von Beginn an faktisch unmöglich. Drei Viertel aller Ausgaben (74 Prozent) gelten als nahezu unantastbar – zumindest kurzfristig. Sie entfallen auf den Verteidigungshaushalt, der unter Trump sogar weiter steigen dürfte, auf Sozialprogramme wie Social Security und Medicare, die bei republikanischen Wählern hoch im Kurs stehen, sowie auf Obamacare, das rechtlich geschützt ist. Auch die Schuldendienste, unerlässlich für die fiskalische Glaubwürdigkeit der USA, gehören in diese Kategorie.

Die bittere Mathematik des Staates

Übrig bleibt ein Restposten von 26 Prozent des Haushalts – und selbst dieser besteht zu großen Teilen aus politisch sensiblen Feldern wie Leistungen für Veteranen (12 Prozent des Gesamthaushalts) oder Basisinfrastruktur, etwa Autobahnen, Flugsicherung und Justizwesen (14 Prozent).

Die Haushaltsarithmetik ist somit unerbittlich: Um Einsparungen in der Größenordnung von ein bis zwei Billionen Dollar jährlich zu realisieren, müsste man weite Teile des staatlichen Apparats demontieren – jenseits von Verteidigung und Sozialstaat. Ein derartiger Kahlschlag käme einem politischen Selbstmord gleich.

Wenn Konzernlogik auf Staatsrealität trifft

Elon Musk versuchte, den Staatshaushalt wie ein privatwirtschaftliches Unternehmen zu führen – und ignorierte dabei den grundlegenden Unterschied: Ein Staat kann nicht auf seine Kernfunktionen verzichten, wie ein Konzern, der unrentable Projekte einstellt. Wo Unternehmen flexibel sind, ist der Staat an Verantwortung gebunden.

Fazit: Effizienz als Trugbild

Was als Feldzug für Effizienz begann, endete als Lehrstück in politischer Realitätsverweigerung. Musks kurzer Ausflug in die Staatspolitik zeigt: Visionäre Ideen aus dem Silicon Valley scheitern an der komplexen Wirklichkeit staatlicher Haushaltsführung.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Elektroautos sollen Strom verkaufen: Neuer Markt für Fahrer und Energieversorger
05.10.2026

In Deutschland wird die gesetzliche Grundlage für eine breite Einführung des V2G-Systems vorbereitet. Elektroautos sollen künftig nicht...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Portfolio übernimmt das Depot: Kann Claude den S&P 500 schlagen?
05.10.2026

Ein Redakteur überlässt 1.000 Euro echtem Geld einer künstlichen Intelligenz. Claude darf Aktien kaufen und verkaufen, Risiken eingehen...

DWN
Politik
Politik Das Land, das blutiges Gold über die Welt verteilt
05.10.2026

Die Vereinigten Arabischen Emirate sind ein Drehkreuz für einen bedeutenden Teil des weltweiten Goldhandels. Das hat Dubai den Spitznamen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Niedriglohnland Deutschland: Wo es millionenfach niedrige Löhne gibt
05.10.2026

Wenn Arbeit nicht vor Armut schützt: In der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt arbeiten Millionen Menschen an der Schwelle zum...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lexus ES: Dieser Japaner greift Audi, BMW und Mercedes an
05.10.2026

Der Lexus ES will dort angreifen, wo Audi, BMW und Mercedes seit Jahrzehnten den Ton angeben. Die neue japanische Luxuslimousine setzt...

DWN
Politik
Politik BND-Chef Jäger warnt vor Russlands "Schattenkrieg" gegen Deutschland
05.10.2026

Sabotage, Desinformation und Einflussnahme auf Wahlen: Deutschlands Geheimdienste zeichnen ein beunruhigendes Bild russischer Aktivitäten....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gasspeicher nur zu 58 Prozent gefüllt: Was das für den Winter bedeutet
05.10.2026

Deutschland startet mit ungewöhnlich niedrigen Gasvorräten in die Heizperiode. Die Speicher sind nach Angaben der Bundesnetzagentur nur...

DWN
Finanzen
Finanzen Anthropic-IPO: Warum Anleger trotz Claude-Boom vorsichtig sein sollten
05.10.2026

Anthropic wächst in atemberaubendem Tempo und könnte zu den wertvollsten Technologiekonzernen der Welt aufsteigen. Doch hinter dem...