Wirtschaft

Star-Investorin: „Wir erleben eine neue Generation von KI-Gründern“

US-Chaos, Trump und Kapitalflucht: Europas KI-Talente kehren dem Silicon Valley den Rücken – und bauen die Tech-Giganten der Zukunft vor der eigenen Haustür.
06.06.2025 14:40
Lesezeit: 2 min
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Star-Investorin: „Wir erleben eine neue Generation von KI-Gründern“
KI verändert das Spielfeld – und beschleunigt alles. (Foto: dpa | Julian Stratenschulte) Foto: Julian Stratenschulte

Europas KI-Gründer fordern das Silicon Valley heraus

Die Weltlage ist angespannt – doch Spotify-Veteranin und Investorin Sophia Bendz blickt optimistisch in die Zukunft. Sie war eine der ersten Geldgeberinnen des KI-Start-ups Sana Labs, das inzwischen mit über 670 Millionen Euro bewertet wird.

„Wir haben eine völlig neue Generation von KI-Gründern“, erklärt Bendz im Interview mit Mitt i bruset. In jüngster Zeit hätten mehrere schwedische KI-Unternehmen weltweit für Aufsehen gesorgt. So zählt Lovable zu den am schnellsten wachsenden Unternehmen der Welt, während sowohl Legora als auch Listen Labs kürzlich Großinvestitionen verzeichnen konnten.

Bendz investiert ihr Vermögen aus der Spotify-Zeit gezielt in Start-ups und war die erste, die in Sana, ein auf Künstliche Intelligenz spezialisiertes Unternehmen, investierte.

KI verändert das Spielfeld – und beschleunigt alles

„Künstliche Intelligenz bedeutet einen fundamentalen Umbruch“, sagt sie. „Man kann heute Unternehmen schneller aufbauen – mit deutlich stärkeren Innovationen. Im Moment gründen viele talentierte Menschen neue Firmen. Einige wachsen in kürzester Zeit enorm. Als Investorin muss man daher extrem wachsam sein.“

Gleichzeitig sei es schwieriger geworden, realistische Bewertungen vorzunehmen – zu schnell veränderten sich die Rahmenbedingungen. „Alle Branchen sind betroffen – besonders aber jene neuen Unternehmen, die von Anfang an als ‚AI first‘ positioniert sind.“

Als Partnerin beim Wagniskapitalgeber Cherry Ventures hat Sophia Bendz kürzlich einen Fonds mit einem Volumen von rund 804 Millionen Euro aufgelegt, der gezielt in europäische Start-ups investieren soll.

„99 Prozent dessen, was wir uns aktuell anschauen, sind ‚AI first‘-Firmen. Ein aktuelles Beispiel ist ein Start-up, das KI-Agenten für die Personalrekrutierung einsetzt. Das Potenzial für Kostensenkungen ist riesig – ebenso die Effizienzgewinne, etwa im Gesundheitswesen.“

Neue Technologie verändert das Verbraucherverhalten

Ein weiterer Umbruch zeichne sich im Verhalten der Konsumenten ab:

„Wie werden Marken künftig wahrgenommen, wenn Suchmaschinen keine Rolle mehr spielen und stattdessen ChatGPT oder Perplexity zum Einsatz kommen? Und wie funktioniert Online-Marketing, wenn es KI-Agenten sind, die Produkte finden und auswählen?“, fragt sie.

Europas Talente drängen in den Vordergrund

Sophia Bendz engagiert sich im Founders House in Stockholm – einem Netzwerk, das jungen Gründerinnen und Gründern Raum gibt, ihre Ideen umzusetzen. Einige dort seien gerade einmal 15 Jahre alt und arbeiteten Seite an Seite, oft bis tief in die Nacht.

„Sie sind ehrgeizig und hoch motiviert. Auf technischer Ebene passiert derzeit unglaublich viel. Es herrscht ein starker Austausch, etwa zu den neuesten KI-Modellen.“

USA nicht länger Vorbild

Lange Zeit war der technologische Fortschritt fest in US-amerikanischer Hand. Doch laut Bendz beginnt sich das zu ändern.

„Die Amerikaner sind stark im Storytelling – und viele großartige Unternehmen stammen von dort. Aber inzwischen wirkt die USA nicht mehr wie eine Inspirationsquelle. Ungewissheit und Chaos dominieren. Einen Präsidenten wie Trump, der nicht an demokratische Grundwerte glaubt, halte ich für eine Gefahr – für die Menschen, den Planeten und auch für die Wirtschaft.“

Europa auf dem Sprung

„Ich glaube, dass Europa jetzt seinen Moment hat. Es ist an der Zeit, hier richtig große Unternehmen aufzubauen. Lange fehlte es an Selbstvertrauen – dabei haben wir mehr Ingenieure und Entwickler pro Kopf als die USA.“

Sophia Bendz beobachtet zudem eine Trendwende: Immer mehr Gründer*innen verzichteten bewusst auf den frühen Sprung nach Amerika – viele kehrten inzwischen sogar aus den USA zurück.

„Gründer sagen heute: Ich will zurück nach Europa – ich will nicht dort bleiben. Die Talente wollen lieber hier etwas aufbauen.“

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