Wirtschaft

Konkurrenz aus China: Deutsche Autozulieferer fürchten um Existenz

Die Krise in der Autoindustrie setzt auch deren Zulieferer unter Druck. Laut einer Umfrage rechnen zwei Drittel der Firmen in den kommenden zwei Jahren mit einer Marktbereinigung – also damit, dass Anbieter vom Markt verschwinden. Standortverlagerungen ins Ausland spielen dagegen keine große Rolle.
10.06.2025 13:23
Lesezeit: 2 min
Konkurrenz aus China: Deutsche Autozulieferer fürchten um Existenz
Eine rote Ampel leuchtet am Bosch-Werk Hildesheim. Der Automobilzulieferer Bosch will mehr Stellen streichen als bislang bekannt. (Foto: dpa) Foto: Alicia Windzio

Die Krise in der Autoindustrie setzt auch deren Zulieferer unter Druck. Laut einer Umfrage rechnen zwei Drittel der Firmen in den kommenden zwei Jahren mit einer Marktbereinigung - also damit, dass Anbieter vom Markt verschwinden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Befragung der Beratungs- und Prüfungsgesellschaft Baker Tilly unter Führungskräften deutscher Autozulieferer.

Konkurrenz aus China: Autozulieferer fürchten um Existenz

67 Prozent der Befragten gaben an, dass sie in zwei Jahren mit weniger Konkurrenten als heute rechnen. Nur 20 Prozent rechnen damit, dass neue Anbieter – vor allem aus China – auf den Markt drängen. Konkurrenz aus Asien gilt aber schon heute als große Herausforderung. Gut die Hälfte der Befragten (51 Prozent) attestiert den dortigen Firmen bereits jetzt einen „einen uneinholbaren Vorsprung bei Schlüsseltechnologien“.

Eigene Lage besser als die der Branche

Deutlich negativ fällt auch die Einschätzung der Branchenlage aus: 79 Prozent halten sie für „eher schlecht“ oder sogar „sehr schlecht“. Deutlich positiver äußerten sich die Befragten mit Blick auf das eigene Unternehmen: 78 Prozent sprachen hier von einer „eher“ oder sogar „sehr guten“ Lage. „Die Wahrnehmung klafft drastisch auseinander“, sagt Baker-Tilly-Experte Jannik Bayat. „Die Industrie scheint die Risiken zwar zu erkennen, aber diesen im eigenen Unternehmen nicht entschieden genug zu begegnen.“

Als große Herausforderung nannten 56 Prozent der Befragten den hohen Investitions- und Kostendruck. 60 Prozent beklagten zudem, dass wegen der geopolitischen Veränderungen und möglicher Handelskonflikte derzeit keine verlässlichen Planungen mehr möglich seien. Zugleich stellten 55 Prozent fest, dass sich das Zeitfenster für die Transformation der Branche sogar schneller als bislang angenommen schließe.

Zukunftsfähig auch ohne Verbrenner

Eine Gefahr für das eigene Unternehmen sieht die Mehrheit darin aber nicht. 75 Prozent halten das eigene Geschäftsmodell für weitgehend unabhängig vom Wechsel der Antriebstechnologie. Der Grund: Die von ihnen gefertigten Teile würden in E-Autos ebenso wie in Verbrennermodellen gebraucht.

Standortverlagerungen ins Ausland spielen dagegen keine große Rolle. Nur 17 Prozent Befragten halten diesen Schritt für geboten, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Für die Untersuchung wurden im März und April 100 Führungskräfte deutscher Autozulieferer befragt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kennzeichnung im Produktionstempo: Wie Brady die Industrie neu taktet

Produktionslinien laufen schneller denn je, doch die Rückverfolgbarkeit hinkt oft hinterher. Brady setzt genau hier an und zeigt, wie sich...

DWN
Technologie
Technologie Novo Nordisk-Aktie: KI von OpenAI soll Pharmaentwicklung beschleunigen
15.04.2026

Novo Nordisk treibt den Einsatz von KI in der Pharmaindustrie voran und setzt dabei auf eine Kooperation mit OpenAI. Kann künstliche...

DWN
Politik
Politik Deutschlands Photovoltaik-Ausbau: Wie Solarstrom Europas Energiemarkt stabilisiert
15.04.2026

Deutschlands Photovoltaik-Ausbau gewinnt in einem angespannten geopolitischen Umfeld strategisch an Bedeutung für den europäischen...

DWN
Politik
Politik YouGov-Umfrage: AfD klar stärkste Kraft - Union stürzt auf schlechtesten Wert seit vier Jahren
15.04.2026

In einer YouGov-Umfrage kann sich die AfD deutlich von den anderen Parteien absetzen. Auch Grüne und Linke legen zu. Die einzigen, die...

DWN
Finanzen
Finanzen Neue Prognose der Deutschen Bank: US-Dollar verliert an Stärke
15.04.2026

Die Deutsche Bank sieht eine veränderte Ausgangslage an den Devisenmärkten und rät Marktteilnehmern zu einer Neuausrichtung ihrer...

DWN
Finanzen
Finanzen Finanzspritze vom Bund: Eine Milliarde Euro für Länder und Kommunen
15.04.2026

Der Bund greift hoch verschuldeten Kommunen unter die Arme. Doch nicht nur sie werden entlastet - sondern auch die reichsten Bundesländer.

DWN
Politik
Politik „Strategische Partnerschaft“ mit Deutschland: Mehr Militärhilfe für die Ukraine beschlossen
15.04.2026

Die Militärhilfe für die Ukraine nimmt Fahrt auf. Nach neuen Rüstungskooperationen Deutschlands legt auch Großbritannien nach. Auch die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Heidelberger-Druck-Aktie: Druckmaschinenhersteller steigt in Drohnenabwehr ein
15.04.2026

Das für Druckmaschinen bekannte Unternehmen Heidelberg steigt ins Rüstungsgeschäft ein. Die Traditionsfirma will ihren Standort in...

DWN
Finanzen
Finanzen Riester-Reform: Lohnt sich der alte Vertrag zur Riester-Rente noch?
15.04.2026

Der neu beschlossene Riester-Nachfolger für eine bessere Altersvorsorge bringt höhere Rendite-Chancen als die klassische Riester-Rente,...