Politik

Der Nahe Osten brennt – und Russland profitiert

Der Konflikt zwischen Israel und dem Iran könnte Russland in die Hände spielen – durch steigende Ölpreise, geopolitische Umbrüche und eine strategische Neupositionierung Putins. Doch auch für die Ukraine ergeben sich neue Optionen.
18.06.2025 11:03
Lesezeit: 2 min

Die erneute Eskalation zwischen Israel und dem Iran bringt den Ölpreis in Bewegung – mit gravierenden Folgen für das globale geopolitische Gleichgewicht. Während Russland versucht, sich als Vermittler zu inszenieren, erhält Moskaus Kriegsmaschinerie durch höhere Energiepreise womöglich frischen Treibstoff. Die Ukraine steht damit vor neuen Herausforderungen – aber auch Chancen.

Russland hofft auf neue Einnahmen aus dem Ölmarkt

Ein Angriff Israels auf iranische Atomanlagen könnte für Moskau einen willkommenen wirtschaftlichen Impuls bedeuten. Schon jetzt ist der Preis für Brent-Rohöl gestiegen, was auch den Preis für das russische Ural-Öl nach oben treiben dürfte – ein Produkt, das in Qualität und strategischer Bedeutung mit Öl aus dem Nahen Osten vergleichbar ist. Laut David Fyfe von Argus Media fielen die Preise für russisches Ural-Öl seit Januar um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nun besteht Hoffnung auf eine Trendumkehr.

Russlands Energiesektor bleibt die finanzielle Säule für Putins Krieg gegen die Ukraine. Trotz westlicher Sanktionen und einem Preisdeckel von 60 Dollar pro Barrel konnte Moskau in den vergangenen Jahren über 150 Milliarden Dollar aus Energieexporten generieren. Steigt der Ölpreis weiter, dürfte das Budget für militärische Operationen erneut steigen.

Zugleich könnte die instabile Lage im Nahen Osten westliche Staaten zwingen, ihre Strategie zu überdenken. Die G7 etwa plant, den Ölpreisdeckel auf 45 Dollar zu senken – ein Vorhaben, das nun durch mögliche Versorgungsengpässe ins Wanken geraten könnte.

Die Ukraine steht unter Druck – und sieht zugleich neue Spielräume

Für Kiew hingegen drohen Engpässe bei der militärischen Unterstützung. Sollte Washington zusätzliche Ressourcen nach Israel umleiten, könnte die Waffenhilfe an die Ukraine darunter leiden. Gleichzeitig befürchten Analysten, dass der mediale Fokus auf den Nahen Osten die Aufmerksamkeit von der Ukraine ablenken und den diplomatischen Druck auf Russland verringern wird.

Doch nicht alle Beobachter teilen diese Sorge. Laut dem ukrainischen Verteidigungsanalysten Mykhailo Samusys offenbart der Konflikt im Nahen Osten eine viel tiefere Krise: den Zerfall der globalen Nachkriegsordnung. Institutionen wie die UNO haben nach seiner Einschätzung an Relevanz verloren, während die USA an Einfluss einbüßen – ein Machtvakuum, das Moskau und Teheran gleichermaßen nutzen könnten.

Putin inszeniert sich als Vermittler

Besonders auffällig ist Putins jüngste Positionierung als Friedensstifter. In Telefonaten mit dem US-Präsidenten versucht der Kremlchef offenbar, sich als verlässlicher Vermittler zwischen Israel und Iran zu profilieren. Beobachter wie James Shea vom Thinktank Chatham House sehen darin ein strategisches Manöver: Russland wolle so sein internationales Ansehen aufpolieren und in den Augen der USA als Partner erscheinen – mit dem Ziel, deren Unterstützung für die Ukraine zu schwächen.

Auch das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) betont, dass Russland gezielt versuche, durch eine Vermittlerrolle im Nahostkonflikt seine Handlungsfreiheit gegenüber der Ukraine zu vergrößern. Dass Washington Putin als Gesprächspartner nicht ausschließt, unterstreicht die Brisanz.

Iran verliert als Rüstungsfaktor an Bedeutung

Der Iran liefert Russland seit Monaten Drohnen und Raketen für den Einsatz gegen die Ukraine. Doch angesichts der eigenen militärischen Eskalation könnte Teheran diese Lieferungen bald einstellen. Russland hingegen baut inzwischen eigene Shahed-Drohnen auf iranischer Basis, was seine Abhängigkeit reduziert. Dennoch: Ein längerer Krieg im Nahen Osten würde die Lieferbeziehungen massiv beeinträchtigen – mit möglichen Vorteilen für die Ukraine.

Europa muss strategisch gegenhalten

Europa wird in diesem neuen Spannungsfeld gefordert sein. Es gilt, einerseits die Ukraine weiter zu unterstützen und andererseits die wirtschaftlichen Auswirkungen des Ölpreisanstiegs zu dämpfen. Staaten wie Litauen verzeichnen bereits höhere Inflationsraten, auch durch steuerliche Maßnahmen auf Energieprodukte. Sollte sich die Krise verschärfen, drohen neue Preissteigerungen – mit entsprechenden Folgen für Unternehmen und Verbraucher.

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