Politik

Analyse: „Achse des Bösen“ knistert – Iran hat keine Freunde

Die „Achse des Bösen“ wackelt: Nach den westlichen Angriffen auf Iran schweigen Russland, China und Nordkorea auffällig. Für den Westen könnte das ein Wendepunkt sein.
30.06.2025 11:00
Lesezeit: 3 min
Analyse: „Achse des Bösen“ knistert – Iran hat keine Freunde
Irans oberster Führer, Ayatollah Ali Khamenei, hat keine Unterstützung von Russland, China und Nordkorea erhalten. (Foto: dpa) Foto: Uncredited

Teheran bleibt nach westlichen Angriffen isoliert

Russland, China und Nordkorea haben über Jahrzehnte Irans Atomprogramm mit aufgebaut. Doch nach den jüngsten Luftangriffen herrscht weitgehend Schweigen. Das Fundament der sogenannten „Achse des Bösen“ beginnt zu bröckeln – für den Westen könnte das eine unerwartete strategische Chance nach den massiven Luftschlägen von Israel und den USA gegen Iran sein.

Ein tief sitzender Hass gegenüber dem Westen, dessen Institutionen und der vielzitierten „regelbasierten Weltordnung“ ist die einzige wirkliche Klammer zwischen Russland, China, Nordkorea und Iran. Doch das auffällige Schweigen nach den ungehinderten Angriffen auf Teheran und Irans Atomanlagen, in die die übrigen Achsenmächte massiv investiert haben, zeigt: In der realen Geopolitik zählen keine Freundschaften – nur knallharte Eigeninteressen.

Weder Russland noch China oder Nordkorea sind Iran zur Hilfe geeilt. Jedes Land hat dafür eigene Gründe: Putin empfing zwar vergangene Woche den iranischen Außenminister im Kreml – doch konkrete Unterstützung für Teheran blieb aus. Russlands militärische Kapazitäten werden vollständig in der Ukraine gebunden, insbesondere jetzt, da die 32 NATO-Staaten umfangreiche Investitionen in ihre Verteidigung beschlossen haben.

China und Nordkorea äußerten zwar verhaltene Kritik an den US-Angriffen auf Iran, vermieden es jedoch, Präsident Trump direkt zu erwähnen. Peking will die fragile Waffenruhe im Handelskrieg mit den USA nicht gefährden – besonders in Zeiten einer schwächelnden chinesischen Wirtschaft. Neue Strafzölle aus Washington wären Gift für China. Nordkorea hält sich zurück – vermutlich, um bei einer späteren Wiederaufbauphase von Irans zerstörter Drohnen- und Raketeninfrastruktur profitieren zu können.

Zweckbündnis ohne echte Allianz

Die vier autoritären Staaten – allesamt mit langjährigen Alleinherrschern – sind weit entfernt von einer geschlossenen Allianz. Sie verfolgen primär eigene Ziele, eint nur der Wille, die geopolitische Dominanz des Westens zu schwächen. Formell gibt es keine Allianz zwischen Iran, Russland, China und Nordkorea. Dennoch existiert eine enge Interessengemeinschaft: Zentrale Elemente sind Waffenlieferungen und Energiegeschäfte – China etwa kauft 90 Prozent von Irans Öl und hält das Regime so wirtschaftlich am Leben.

Zudem helfen sich die Staaten bei der Umgehung westlicher Sanktionen. Während Russland, Iran und Nordkorea zu den weltweit am stärksten sanktionierten Ländern zählen, liefert China in großem Umfang Technologiekomponenten wie Computerchips nach Russland, die dort sonst nicht mehr erhältlich sind.

Auch gegen China gibt es Sanktionen, wenn auch weniger umfassend – etwa US-Exportverbote für modernste Chips an chinesische Unternehmen. Die entscheidende Frage wird sein, ob die drei Achsenpartner Iran beim Wiederaufbau seiner zerstörten Nuklearanlagen tatsächlich helfen.

China, Russland und Nordkorea waren entscheidend für Irans Atompläne

Bislang deutet wenig darauf hin. Dabei haben alle drei Länder Irans Nuklearprogramm massiv unterstützt: China war laut Nuclear Threat Initiative maßgeblich am Aufbau des nuklearen Forschungszentrums in Isfahan beteiligt – einem Hauptziel der US-Luftschläge. Dort befinden sich Berichten zufolge auch drei kleinere chinesische Forschungsreaktoren.

Russland entsandte Hunderte Nuklearexperten nach Iran. Der russische Staatskonzern Rosatom vollendete Irans einziges Atomkraftwerk, dessen Bau das deutsche Unternehmen Siemens nach dem Sturz des Schahs 1979 abgebrochen hatte.

Trotz riesiger eigener Öl- und Gasreserven strebt Iran ein Atomkraftprogramm an – für viele Experten ein Tarnmantel für die Entwicklung von Atomwaffen.

„Iran war verzweifelt auf der Suche nach einem Atomprogramm. Es ging dabei nie nur um Energieversorgung, sondern auch um Waffen“, so Richard Nephew, Senior Fellow an der Columbia University und ehemaliger Iran-Beauftragter unter Präsident Biden, gegenüber Kyiv Independent.

Auch Nordkorea trug maßgeblich zum Ausbau von Irans Nuklearprogramm bei – insbesondere bei der Konstruktion unterirdischer Tunnelanlagen unter den Atomanlagen.

„Niemand baut bessere unterirdische Tunnel als Nordkorea – weder Russland, China noch die USA“, erklärt Bruce Bechtol, Professor an der Angelo State University und Ex-Geheimdienstoffizier, gegenüber wsj.com.

Schattenunterstützung statt offener Hilfe

Nordkorea dürfte bereit sein, erneut verdeckt zu helfen. Auf offener Bühne aber herrscht Zurückhaltung. In anderen Bereichen funktioniert das Zweckbündnis weiter:

  • Nordkorea lieferte zehntausende Artilleriegranaten und Tausende Soldaten an Russland.
  • Iran versorgte Russland seit Beginn des Ukraine-Krieges mit Tausenden Shahed-Drohnen.
  • China fungiert als zentraler Wirtschaftspartner Russlands – als Abnehmer von Öl und Gas und Lieferant westlicher Konsumgüter.

Doch Iran bleibt aktuell weitgehend isoliert. Für den Westen könnte das ein Hoffnungsschimmer sein – ähnlich wie der überraschende Sturz des syrischen Machthabers Bashar al-Assad im vergangenen Jahr zeigte, dass Autokraten plötzlich verschwinden können.

Teheran steht allein

Die schwindende Geschlossenheit der autoritären „Achse“ betrifft auch Europa. Eine geschwächte Kooperation zwischen Iran, Russland, China und Nordkorea reduziert den geopolitischen Druck auf die EU und bietet Chancen, neue diplomatische Spielräume zu nutzen. Deutschlands Abhängigkeit von globalen Rohstoffmärkten und Energiesicherheit wiederum hängt auch von den Entwicklungen im Iran-Konflikt ab.Der bröckelnde Zusammenhalt der Achse aus Iran, Russland, China und Nordkorea zeigt: Gemeinsame Feindschaft gegenüber dem Westen ersetzt keine echten Allianzen. Für den Westen ist das eine Chance – doch die autoritären Staaten bleiben gefährlich, solange Eigeninteressen dominieren.

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