Finanzen

Steuererklärung: Wann Verspätungszuschläge unzulässig sind

Viele Steuerzahler ärgern sich über Verspätungszuschläge, wenn sie ihre Steuererklärung zu spät abgeben. Doch nicht immer ist die Forderung des Finanzamts gerechtfertigt. Ein aktuelles Urteil zeigt, dass Behörden klarer kommunizieren müssen, bevor sie Säumnisse sanktionieren dürfen – und schafft damit Rechtssicherheit für alle, die unverschuldet Fristen übersehen.
19.07.2025 09:32
Lesezeit: 1 min

Frist verschlafen: Was dann?

Frist verschlafen? Steuererklärung nicht abgegeben? Verspätungszuschlag droht? Gut zu wissen: Den kann das Finanzamt nicht immer einfach so festsetzen.

Wer zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet ist, hat dazu etwa bis Mitte des Folgejahres Zeit. Die Frist für die Steuererklärung von 2024 läuft am 31. Juli 2025 ab – sofern kein Lohnsteuerhilfeverein oder Steuerberater mit der Erstellung betraut wurde.

Zuschlag nur bei klarer Aufforderung

Wird die Frist verpasst, können Finanzämter einen Verspätungszuschlag verhängen. Das kann jedoch voraussetzen, dass die zuständige Behörde den jeweiligen Steuerzahler unter Ansetzung einer angemessenen Frist eindeutig über die Abgabepflicht informiert hat. Das zeigt ein Urteil des Finanzgerichts Sachsen-Anhalt (Az.: 2 K 628/22).

Formulierung war nicht eindeutig

In dem Fall versäumte ein Ehepaar die Abgabe einer Steuererklärung, obwohl es dazu verpflichtet gewesen wäre, weil es eine Vorsorgepauschale schon beim unterjährigen Lohnabzug zu hoch angesetzt hatte. Das Finanzamt sandte dem Paar zwar ein Schreiben zu, darin stand aber lediglich der Hinweis: "Sofern eine gesetzliche Verpflichtung zur Abgabe einer Steuererklärung besteht, reichen Sie bitte die Steuererklärung(en) [...] ein."

Das Ehepaar deutete das eher als Erinnerung denn als formelle Aufforderung und wurde nicht aktiv. Daraufhin schätzte das Finanzamt die Steuer und forderte zusätzlich einen Verspätungszuschlag, wogegen das Paar Einspruch einlegte.

Gericht verlangt mehr Klarheit von Behörden

Das Finanzgericht Sachsen-Anhalt gab dem Paar später recht. Ein bloßer Hinweis ohne klare Aufforderung reiche in diesem Fall nicht aus, einen Verspätungszuschlag zu verhängen. Daniela Karbe-Geßler vom Bund der Steuerzahler ordnet die Entscheidung wie folgt ein: "Dieses Urteil hilft Steuerzahlern, die nicht absichtlich ihre Steuererklärung zu spät einreichen, sondern schlichtweg nicht wussten, dass sie dazu verpflichtet sind."

Zwar müssten Finanzämter nicht in jedem Fall zur Abgabe auffordern, ehe sie berechtigt sind, einen Zuschlag zu verhängen. Doch besonders bei komplizierten Regeln – wie versteckten Abgabepflichten – könne das Finanzamt nicht automatisch davon ausgehen, dass Steuerzahlerinnen und Steuerzahler das verstehen. So verpflichte das Urteil die Finanzämter zu mehr Klarheit und Nachvollziehbarkeit bei der Aufforderung zur Abgabe von Steuererklärungen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Unternehmen
Unternehmen Meta-Suchtprozess: US-Geschworene verurteilen Meta und YouTube
26.03.2026

Eine junge Frau erzwingt Millionenentschädigungen von Meta und YouTube. Das Urteil signalisiert, dass Suchtmechanismen auf...

DWN
Politik
Politik Deutsche im Iran: Pistorius bereit für Bundeswehreinsatz bei Waffenruhe
26.03.2026

Der Iran-Krieg alarmiert die Bundesregierung, weil die wirtschaftlichen Folgen weltweit spürbar werden. Verteidigungsminister Pistorius...

DWN
Politik
Politik USA verschärfen Ton gegenüber Teheran: Diplomatie unter maximalem Druck
26.03.2026

Washington droht dem Iran mit einer massiven Ausweitung der Militärschläge, falls die Führung in Teheran nicht einlenkt....

DWN
Politik
Politik EU und Ungarn: Spionageverdacht erschüttert Vertrauen in Europa
26.03.2026

Misstrauen breitet sich in der Europäischen Union aus und trifft einen ihrer eigenen Mitgliedstaaten. Der Verdacht, dass Ungarn...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktienmarkt in Gefahr: Investoren warnen vor Eskalation im Iran-Konflikt
25.03.2026

Die Märkte geraten ins Wanken, während geopolitische Spannungen eskalieren. Investoren befürchten nach den Drohungen eines eskalierenden...

DWN
Politik
Politik Russlands Ölexport unter Beschuss: Energiekrieg erreicht neue Stufe
25.03.2026

Explosionen in russischen Ostseehäfen lassen den Ölfluss abrupt versiegen. Die Angriffe treffen Moskaus Energieinfrastruktur empfindlich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tarif-Durchbruch in der Chemie: Mehr Geld und Jobgarantie für 585.000 Beschäftigte
25.03.2026

Lohnplus trotz Krise: Die rund 585.000 Beschäftigten der deutschen Chemie- und Pharmabranche erhalten künftig deutlich mehr Geld. Nach...

DWN
Politik
Politik Turbo für die Verteidigung: EU plant Millionen-Spritze für Militär-Innovationen
25.03.2026

Die EU-Kommission will die militärische Schlagkraft Europas durch schnellere Innovationszyklen sichern. Ein neues Förderinstrument namens...