Politik

18. Sanktionspaket verabschiedet: EU verschärft Sanktionsdruck mit neuen Preisobergrenzen für russisches Öl

Die EU verschärft ihren wirtschaftlichen Druck auf Russland: Mit einem neuen Sanktionspaket und einer Preisobergrenze für Öl trifft Brüssel Putins Einnahmequellen ins Mark. Doch wie wirksam ist der Schritt wirklich?
18.07.2025 16:03
Lesezeit: 1 min
18. Sanktionspaket verabschiedet: EU verschärft Sanktionsdruck mit neuen Preisobergrenzen für russisches Öl
EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas verkündet das neue Sanktionspaket gegen Russland – mit Preisdeckel für Öl, Pipeline-Blockade und Bankenbann. (Foto:dpa) Foto: Bernd von Jutrczenka

Die EU hat ihr 18. Sanktionspaket gegen Russland beschlossen. Es beinhaltet eine neue Preisobergrenze für russisches Öl, die darauf abzielt, Moskaus Einnahmen weiter zu beschneiden. Wie die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas mitteilte, bleibt die EU bei ihrem Kurs, Russland wirtschaftlich zu isolieren. Die genaue Ausgestaltung sieht vor, dass russisches Öl zu einem Preis gehandelt werden muss, der mindestens 15 Prozent unter dem durchschnittlichen Marktpreis der letzten drei Monate liegt. Nach aktuellen Berechnungen von Reuters entspräche dies einem Anfangspreis von rund 47 US-Dollar (etwa 43,40 Euro) pro Barrel. Die Preisgrenze soll alle sechs Monate überprüft und angepasst werden.

Verbot für Nord Stream, Banken ausgeschlossen

Ergänzt wird das Paket durch ein Verbot für die Weiterleitung russischen Erdgases nach Deutschland über die Pipelines Nord Stream 1 und 2. Außerdem werden 105 Schiffe der sogenannten Schattenflotte auf die Sanktionsliste gesetzt, womit der russische Ölexport weiter eingeschränkt werden soll. Zudem wird der Zugang russischer Banken zu Finanzierungen erschwert: 22 weitere Institute werden vom internationalen Zahlungsverkehrssystem Swift ausgeschlossen.

Einwände von Slowakei und Malta beigelegt

Die Verabschiedung des Sanktionspakets verzögerte sich aufgrund von Einwänden einzelner Mitgliedstaaten. Die Slowakei hatte Vorbehalte gegen das parallel diskutierte Energiegesetz, das ab 2027 den Import russischen Gases schrittweise unterbinden soll. Aus Angst vor steigenden Energiepreisen forderte Bratislava Sicherheiten von der EU. Die Kommission sagte zu, im Krisenfall finanzielle Unterstützung zu gewähren.

Auch Malta hatte Bedenken. Die Regierung fürchtete um die Auswirkungen der Preisobergrenze auf ihre Schifffahrtsindustrie. Sie plädierte für eine Umsetzung im Rahmen der G7, um den Druck auf Russland besser zu koordinieren. Letztlich schloss sich Malta aber dem gemeinsamen Beschluss an.

Für Deutschland ist das Verbot der Gasweiterleitung über Nord Stream eher symbolischer Natur, da die Pipelines seit den Explosionen 2022 ohnehin außer Betrieb sind. Die neuen Ölpreisgrenzen hingegen könnten mittelfristig die Energiemärkte beeinflussen. Zwar importiert Deutschland kein russisches Öl mehr direkt, doch Preisverwerfungen am Weltmarkt wirken sich auch hierzulande aus. Gleichzeitig bekräftigt Berlin mit seiner Zustimmung, dass wirtschaftlicher Druck Teil der Ukraine-Strategie bleibt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Datenschutz in Casino-Apps und was deutsche Nutzer wirklich erwarten

Spieler schreiben an ihr Online-Casino und verlangen Auskunft darüber, welche Daten über sie gespeichert wurden. Das Casino antwortet...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Agrartechnik wird elektrisch: Ex-VW-Chef Diess will E-Traktor auf den Markt bringen
27.05.2026

Früher VW-Boss, jetzt Landmaschinen-Pionier? Herbert Diess plant einen E-Traktor mit Wechsel-Akkus für Landwirte. Diese sollen schon bald...

DWN
Politik
Politik China-Politik: Zwischen Vorsicht und Fairness - Reiches Spagat
27.05.2026

Bundeswirtschaftsministerin Reiche sucht in Peking den Dialog mit China. Doch seltene Erden, fairer Wettbewerb und die Debatte über...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mini-Wachstum: Wirtschaftsweise senken erneut Prognose - Abschwung setzt sich fort
27.05.2026

Ein spürbarer Aufschwung der deutschen Wirtschaft ist weiter nicht in Sicht - im Gegenteil: Der Sachverständigenrat erwartet nur noch ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tech-Börsengänge mit Rekordwerten lassen Experten zweifeln
27.05.2026

SpaceX, OpenAI und Anthropic könnten mit ihren Tech-Börsengängen neue Rekordbewertungen erreichen. Experten warnen jedoch vor Hype,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI-Einführung: Erfolg entscheidet sich im Mindset, nicht im Code
27.05.2026

Bei der Implementierung von KI denken viele zunächst an die technischen und datenschutzrechtlichen Komponenten. Doch der eigentliche...

DWN
Politik
Politik Kindergeld 2027: Regierung will Familien entlasten - was sich ändert
27.05.2026

Die Geburtenrate befindet sich in Deutschland auf einem historischen Tiefstand. Viele können sich Kinder nicht mehr leisten, trotz Eltern-...

DWN
Politik
Politik Rentenreform auch für Beamtenpensionen? Was auf Beamte zukommen könnte
27.05.2026

Brisante Renten-Vorschläge häufen sich. Sollen auch Beamte belastet werden, wenn in Zukunft alle etwas beitragen müssen? Sollen sie...

DWN
Finanzen
Finanzen Aixtron-Aktie: Halbleiterwerte stark - Bofa mit hohem Ziel für Aixtron
27.05.2026

Der Halbleiterboom setzt sich auch in Europa fort: Micron, Infineon und SK Hynix, sind die am aktivsten gehandelten Werte. Auch die Papiere...