Wirtschaft

Wirtschaft übernimmt: 631 Milliarden Euro – weil der Staat versagt?

Während der Staat mit Schuldenbremse und Bürokratie kämpft, springen Konzerne ein: Mit 631 Milliarden Euro soll Deutschland aus der Krise gekauft werden.
24.07.2025 05:51
Lesezeit: 2 min

Wenn die Politik scheitert, greift die Wirtschaft zur Selbsthilfe

Der deutschen Wirtschaftsinitiative „Made for Germany“ haben sich 61 Unternehmen angeschlossen. Sie erklärten sich bereit, bis 2028 mehr als 631 Milliarden Euro in die deutsche Wirtschaft zu investieren. Bundeskanzler Friedrich Merz sprach von einem „sehr starken Signal“ für eine „veränderte Stimmung im Land“. Laut Merz habe die Einigung auf einen Sonderfonds von 500 Milliarden Euro seitens der Bundesregierung „den Weg für stärkeres Wirtschaftswachstum und höhere Investitionen geebnet“. In den kommenden zwölf Jahren sollen die Bundesländer 100 Milliarden Euro für Infrastrukturprojekte einsetzen können. Die Bundesregierung verfügt über 300 Milliarden Euro, weitere 100 Milliarden Euro sind dem Klimaschutz vorbehalten.

Da die für Deutschland erforderlichen Investitionen jedoch nicht allein aus öffentlichen Mitteln finanziert werden können, wurden private Unternehmen – die laut Kanzler Merz wiederum klare Erwartungen an die Politik haben – zur Beteiligung aufgefordert, wie dw.com berichtet.

Die Initiative „Made for Germany“ wurde von den Vorstandschefs der Deutschen Bank, von Siemens, Axel Springer und FGS Global ins Leben gerufen. Auch deutsche Unternehmen wie Allianz, Airbus, BASF, Bayer, BMW, Bosch, Eon, Henkel und die Otto Group schlossen sich an. Zu den internationalen Teilnehmern zählen Nvidia, Apollo Global Management, Blackrock, Blackstone und KKR. Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, kündigte an, dass „zu den 631 Milliarden Euro noch ein weiterer großer Betrag hinzukommen“ werde. Siemens-Chef Roland Busch erklärte, er hoffe, dass die Politik „weniger Regulierung, mehr unternehmerische Freiheit und mehr Raum für Innovation“ ermögliche. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP sollen die „Made for Germany“-Investitionen unter anderem in Forschung und technologische Entwicklung fließen. Zudem sei geplant, mittelständischen Unternehmen und Start-ups besseren Zugang zu privatem Kapital zu verschaffen, damit auch sie ihre Investitionen steigern können.

Investitionswende 2025: Neue Impulse für Mittelstand und Großunternehmen

Im Kontext aktueller Entwicklungen zeigt sich, dass Deutschland im Jahr 2024 und 2025 verstärkt auf private Investitionen setzt, um strukturelle Defizite zu überwinden. Wie eine Studie von KfW Research zeigt, lag das Volumen der Unternehmensinvestitionen im dritten Quartal 2024 preisbereinigt um rund 6,5 Prozent unter dem Niveau von Ende 2019, während die privaten Investitionen insgesamt um etwa 8 Prozent zurückblieben. Laut einer Erhebung des Bundesfinanzministeriums haben zugleich staatliche Impulse wie die Einführung der „Infrastrukturquote“ im Februar 2025 und die Ausweitung der degressiven Abschreibung (AfA) konkrete Anreize für private Beteiligungen gesetzt.

Relevante CIO- und CFO-Umfragen, etwa von Deloitte, deuten darauf hin, dass deutsche Großunternehmen zwar weiter investitionsvorsichtig agieren, aber dank sinkender Zinsen und Auslandsorientierung eine Erholung im Umfeld erwarten. Besonders im Mittelstand wird mit dem radargestützten Mittelstandsradar 2025 eine fokussierte Konsolidierung und selektive Kapitalbereitstellung festgestellt. Diese Entwicklungen schaffen Chancen für Unternehmer, um Fördermittel, Steuervergünstigungen und öffentlich-private Bündnisse effektiv zu nutzen. Wer jetzt strategisch in Infrastruktur- und Digitalprojekte investiert, kann nicht nur Kostenoptimierung realisieren, sondern auch seine Wettbewerbsposition im kommenden Aufschwung deutlich stärken.

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