Finanzen

Goldpreis profitiert von schwächelndem Aktienmarkt: Nächstes Ziel 4.000 US-Dollar?

Der Goldpreis bleibt stabil auf hohem Niveau, während Aktienmärkte wanken, Zinsen fallen und Trump erneut für Chaos sorgt. Anleger retten sich ins Gold. Ist das nächste Ziel für den Goldpreis 4.000 US-Dollar?
04.08.2025 12:47
Aktualisiert: 04.08.2025 12:47
Lesezeit: 3 min

Goldpreis aktuell auf hohem Niveau: Zinsschock, Datenfiasko und Trump-Feuer

„Was bis vor Kurzem noch wie ein teflonbeschichteter Arbeitsmarkt wirkte, hat heute Morgen einige Kratzer gezeigt“, kommentierte ein Analyst gegenüber Bloomberg. Der US-Arbeitsmarktbericht für Juli enttäuschte am Freitag und riss die Aktienmärkte nach unten, beim S&P 500 gabe es den stärksten Rückgang seit Mai. Weltweit gerieten Aktien unter Druck, Anleger fliehen in Anleihen – und in Gold. Auch die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen rutschte Ende vergangener Woche auf 3,68 Prozent – laut Bloomberg der stärkste Rückgang seit Dezember 2023. Und Präsident Donald Trump? Der entließ kurzerhand die Statistik-Chefin Erika McEntarfer.

Die Aktienindizes hatten zuvor von soliden Unternehmenszahlen und positiven Makrodaten profitiert. Nun richtet sich der Blick wieder auf die US-Notenbank – und auf Zinssenkungen. Einige stellen gar infrage, ob Trump mit seiner Dauerkritik an der Fed nicht recht hatte. Laut CME liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte im September bei 80 Prozent.

Goldpreis trotzt Bären, Aktien tauchen ab: Marko Kolanović warnt vor Blase und Brüssel

Ex-JP-Morgan-Stratege Marko Kolanović bleibt seiner skeptischen Linie treu. Auf X warnte er erneut vor überhitzten Märkten. Hätten die Arbeitsmarktdaten für Mai und Juni korrekt vorgelegen, „würde die aktuelle Rally womöglich gar nicht existieren“. „Wenn Tech-Riesen wie Microsoft oder Meta über Nacht ganze Industrie-Segmente kapitalisieren – oder Nvidia in drei Monaten den Börsenwert aller US-Kleinunternehmen drauflegt – dann ist klar: Wir sind nah an der Spitze einer Blase“, so Kolanović. In einem weiteren Post kritisierte er die EU. „Europäische Bürokraten beweisen Unfähigkeit zu kreativem Denken und klarer Haltung. Der Hass auf Russland zählt ihnen mehr als Energieversorgung, Rüstung oder Souveränität – siehe Grönland. Am Ende zahlen ihre Bürger Donald Trumps Zollrechnung.“

Tech-Analyst Dan Ives zeigte sich euphorisch nach den Quartalszahlen von Microsoft und Meta. Für ihn beginnt jetzt die nächste Phase der KI-Revolution, die die Börsen weiter antreiben werde. „Es gibt Momente, die sich Märkte lange merken werden – gestern war so einer“, schrieb Ives auf X. „Microsoft und Meta lieferten atemberaubende Zahlen und bestätigten die Dynamik, die die KI-Zukunft antreibt.“ Emoji-Bullen inklusive. Kolanović reagierte prompt: Er postete Ives’ Zitat – mit dem Hinweis, dass er auf das genaue Gegenteil setze.

Euronext-Chef Stephane Boujnah sieht eine Verlagerung des Anlegerkapitals nach Europa. Die USA ähnelten wegen politischer Instabilität zunehmend einem „emerging market“. In Bloombergs Podcast Merryn Talks Money sagte Boujnah, der Kapitalabfluss habe bereits begonnen – und sei durch Trumps Wahlsieg beschleunigt worden. Schwacher Dollar und attraktive Bewertungen ließen Europa wie „eine große Schweiz“ erscheinen: nicht unbedingt wachstumsstark, aber stabil und berechenbar.

Goldpreis profitiert vom geopolitischen Flächenbrand

An der Wall Street diskutieren Experten aktuell die sinkende Attraktivität des US-Aktienmarktes, durchwachsene Quartalszahlen – und die Auswirkungen der Handelskonflikte. Selbst wenn ein „Worst Case“ vermieden wird: Die Wirtschaft wird die Folgen spüren. Die Quartalsberichte signalisierten eine langsame Erholung, so Morgan Stanley. Chefstratege Mike Wilson sieht Potenzial für 7.200 Punkte im S&P 500 binnen zwölf Monaten – ein Plus von 15,4 Prozent. Getragen werde dies von KI-Investitionen, Cashflows, Steuervorteilen und einer wahrscheinlichen Zinssenkung der Fed bis Q1 2026. Industriewerte seien aktuell die bevorzugte Anlageklasse – trotz bereits starker Performance im S&P 500.

Finanzveteran Burt Malkiel, Ex-Professor in Princeton und Autor von A Random Walk Down Wall Street, betont die Bedeutung langfristiger Indexinvestments. Versuche, den perfekten Verkaufszeitpunkt zu finden, seien „die größte vermeidbare Anlegerfalle“. „Oh ja, ich kenne dieses Gefühl – es ist hart“, sagte der 92-Jährige in einem offenen Brief. „Aber auszusteigen ist immer ein Fehler.“ Er sei froh, Nvidia über den Index S&P 500 zu halten – direkte Investitionen hätten ihn damals „zu Tode erschreckt“, so Malkiel im Business Insider. Und sogenannte Meme-Aktien? Laut Malkiel reine Zockerei: „Kurzzeitig kann man gewinnen – langfristig verliert man.“

Fidelity: Goldpreis könnte auf 4.000 Dollar steigen

Ian Samson von Fidelity International sieht den Goldpreis bei bis zu 4.000 US-Dollar bis Ende 2026 – falls die Fed die Leitzinsen senkt, um die Wirtschaft zu stützen. Fidelity bleibt bullish auf das Edelmetall – und hat seine Position zuletzt weiter ausgebaut, als sich der Goldpreis von seinem Rekordhoch zurückzog. „Die Perspektive einer weicheren Geldpolitik ist klarer geworden“, so Samson im Bloomberg-Interview.

Einige Fonds hätten ihre Goldquote im vergangenen Jahr verdoppelt. Gold könnte auch deshalb weiter steigen, weil auf rund 11 Prozent der US-Wirtschaft eine 15-prozentige Abgabe droht – sprich: auf den Import. Die erwartete Abkühlung würde den Dollar schwächen und die Fed unter Druck setzen. Beides spielt dem Goldpreis in die Karten. Der Goldpreis hat 2025 bereits über 25 Prozent zugelegt – getrieben von globalen Spannungen, US-Handelskonflikten und massiven Goldkäufen der Zentralbanken.

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