Technologie

Bayern startet 2026 Testbetrieb von Wasserstoffzügen – sinnvoll oder nur teuer?

Ab 2026 sollen in Bayern weitere Wasserstoffzüge rollen. Während die Politik Chancen sieht, bleibt Skepsis bestehen. Testbetrieb und Technik zeigen bereits erste Stärken – aber auch Probleme.
18.08.2025 10:35
Lesezeit: 2 min

Bayern setzt ab 2026 verstärkt auf Wasserstoffzüge

Bayern will den Testbetrieb von Wasserstoffzügen ausweiten, obwohl es Vorbehalte gegenüber der Technik gibt. Drei Wasserstoffzüge sollen ab Dezember 2026 in Oberbayern auf der Strecke zwischen Mühldorf und Burghausen fahren, teilte das Verkehrsministerium mit. Schon seit Ende 2024 verkehrt von Augsburg ein mit Wasserstoff betriebener Zug im Probebetrieb.

Die Technologie soll klimafreundliche Optionen für Bahnstrecken ohne Oberleitungen bieten. Denn bis 2040 möchte die Staatsregierung Dieselzüge auf nicht elektrifizierten Trassen abschaffen. Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) äußerte Zweifel, ob Wasserstoffzüge wirklich die beste Wahl sind: "Auch Wasserstoffzüge können eine Alternative sein. Allerdings sind diese sehr teuer und der Betrieb deutschlandweit von Pannen geprägt." Wie es weitergeht, hänge von den Erfahrungen mit dem Testbetrieb ab, so Bernreiter.

Minister favorisiert derzeit Akkuzüge

Der Minister betont, dass er momentan Oberleitungen und den Betrieb akkubetriebener Züge bevorzugt. Laut Ministerium gibt es Planungen zur Elektrifizierung auf rund 1.000 Kilometern. Davon sind 680 Kilometer im Bundesverkehrswegeplan, zusätzlich plant der Freistaat Oberleitungen auf etwa 330 Kilometer.

"Die Elektrifizierung sämtlicher Strecken in Bayern bleibt das Fernziel", erklärte das Ministerium. Wegen hoher Kosten und begrenzter Kapazitäten werde dies "erst langfristig möglich sein". Wasserstoffzüge könnten bis dahin als Übergang dienen. Der Testzug verkehrt seit mehr als einem halben Jahr bei der Bayerischen Regiobahn von Augsburg nach Füssen im Allgäu oder nach Peißenberg im westlichen Oberbayern. Muss er in die Werkstatt, kommen Dieselzüge zum Einsatz.

Siemens prüft Technik im Testbetrieb von Wasserstoffzügen

Details zum Probebetrieb geben weder Betreiber noch Siemens (ISIN: DE0007236101) Mobility preis. "Die Zuverlässigkeit ist insgesamt gut, jedoch gab es vereinzelte technische Herausforderungen, die im Rahmen eines neuen Systems nicht ungewöhnlich sind", so ein Siemens-Sprecher.

Da nur ein Fahrzeug fährt, sei eine klassische Verfügbarkeitsprüfung wie bei größeren Flotten nicht sinnvoll. Hauptziel sei die Überprüfung der Technik unter realen Bedingungen. Die hohe Zuverlässigkeit der Mireo Plus H-Wasserstoffzüge werde allerdings auf der Heidekrautbahn Berlin-Brandenburg sichtbar, wo mehrere Züge im Alltag fahren.

Mehr Akkuzüge im Bayerwald und in Schwaben

Parallel plant Bayern verstärkt Akkuzüge. Mehrere Strecken im Bayerischen Wald und in Schwaben sollen künftig mit diesen Zügen betrieben werden. Hierfür entstehen in einigen Orten Ladestationen. Zudem können die Züge geladen werden, wenn sie Teilstrecken mit Oberleitungen nutzen. Zwischenzeitlich war auch der Einsatz von kombinierten Elektro-Wasserstoffzügen im Allgäu im Gespräch. Doch diese Idee wurde verworfen.

Ein Gutachten ergab laut Ministerium, "dass die Kombination von Akku- und Wasserstoffantrieb in einem Fahrzeug technisch sehr aufwändig und mit hohen Risiken verbunden wäre". Zudem wäre eine kostspielige Versorgungs- und Tankinfrastruktur für Wasserstoff nötig.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen XRP-Ledger-Transaktionsvolumen überschreitet die Marke von 1 Million

Analysten erwarten ein Aufwärtspotenzial von 100%. XRP Wie können Inhaber neue passive Einkommensquellen schaffen?

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie Batterie-Boom treibt Deutschland in neue China-Abhängigkeit
16.06.2026

Deutschlands Batterieproduktion erreicht einen Rekordwert – doch mit dem Boom wächst zugleich die Abhängigkeit von China. Die Branche...

DWN
Politik
Politik Der EU-Waffenchef warnt eindringlich: "Wir produzieren die falschen Waffen!"
16.06.2026

Der EU-Verteidigungskommissar warnt vor einem gefährlichen Missverhältnis in Europas Rüstungsstrategie. Während Donald Trumps...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bund lehnt Unicredit-Angebot für Commerzbank ab
16.06.2026

Der Bund stellt sich offen gegen die Übernahme der Commerzbank durch die Unicredit und verschärft damit den Machtkampf um Deutschlands...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tankrabatt verpufft: Millionen bleiben bei den Konzernen
16.06.2026

Der Tankrabatt sollte Autofahrer entlasten – doch nach Einschätzung von Experten kam ein Teil der Milliarden gar nicht bei ihnen an.

DWN
Politik
Politik EU stimmt US-Zolldeal zu – und droht mit Gegenzöllen
16.06.2026

Die EU macht den Weg für das Zollabkommen mit den USA frei, baut aber ein Sicherheitsnetz gegen neue Alleingänge aus Washington ein....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Kostenfalle Deutschland: Was Betriebe heute wirklich zahlen
16.06.2026

Energie doppelt so teuer wie in den USA, Lohnstückkosten 22 Prozent über globalem Schnitt, Bürokratie bindet 7 Prozent der Arbeitszeit,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Autokrise in China setzt VW und Mercedes unter Druck
16.06.2026

China galt jahrelang als Wachstumsmotor der Autoindustrie – doch nun brechen die Verkäufe massiv ein und setzen auch deutsche Hersteller...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie kaufen? Der Superzyklus steht erst am Anfang
16.06.2026

Der Wert der Rheinmetall-Aktie hat sich seit 2022 bereits vervielfacht. Russlands Krieg gegen die Ukraine, Europas Aufrüstung und...